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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Mahnende Brücken zur Gegenwart
Zwischenüberschrift:
Nur Menschen können Unmenschen sein: Gedenkfeier zur Pogromnacht am 9. November
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Während der zentralen Gedenkfeier, die an die Verbrechen und Opfer der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 erinnerte, machten sich rund 40 Schüler aus dem zwölften Jahrgang des Osnabrücker Graf-Stauffenberg-Gymnasiums in Form eines szenischen Spiels mit Musik, Gesang, Tanz und Schauspiel Gedanken zur Frage " Was ist der Mensch?".
Im Mittelpunkt stand dabei eine Statue, die sich zwar anmaßte, die Antwort zu liefern, aber eher Fragen aufwarf. Angefertigt von einem jüdischen Bildhauer, der zusammen mit seiner Frau seinerzeit " aus Pflicht vor dem Führer" verhaftet und deportiert worden war, regt sie nun in einem Museum Schüler zum Nachdenken an. Ganz im Gegensatz zu einem unverbesserlichen Großvater, der immer noch glaubt, dass " Juden nicht wissen können", was ein Mensch ist. Nicht nur er, sondern auch auf eine Leinwand projizierte Aufnahmen von aktuellen Pegida-Aufmärschen hasserfüllter und gewaltbereiter Angstbürger belegten indes, dass nur Menschen Unmenschen sein können.
Auf eine ebenso anschauliche wie beklemmende Weise gelang es den angehenden Abiturienten aus jenem Gymnasium, das nach dem Hitler-Attentäter benannt ist, in der voll besetzten Aula des Schlosses mahnende Brücken zur Gegenwart zu schlagen. Die Pogromnacht sei zwar " in ihrer Schrecklichkeit ein einzigartiges Ereignis" gewesen. Es geschehe in ähnlicher Form aber " immer wieder", gab Schülerin Nadine Kirchner einleitend zu bedenken: Wer heute wegschaue, wenn Flüchtlingsunterkünfte angezündet würden, mache sich schuldig.
Als vor genau 77 Jahren auch die Osnabrücker Synagoge vollständig ausgebrannt sei, waren auch Feuerwehr und Polizei nur " bloße Statisten", erinnerte Bürgermeisterin Birgit Strangmann an jene Nacht, die den " Übergang von der Diskriminierung und Ausgrenzung deutscher Juden hin zu Willkür und Gewalt" markiert habe.
Im Anschluss an die Veranstaltung führte ein Gedenkgang in die Alte Synagogen-Straße. Es sei " gut, wieder Juden in der Stadt zu haben", die über eine " Fluchterfahrung wie kein anderes Volk" verfügten, bemerkte Angela Müllenbach-Michel von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, die vor dem Gebet ebenso wie Stadt, Land, Jüdische Gemeinde, Hans-Calmeyer-Initiative und die Deutsch-Israelische Gesellschaft einen Kranz an jener Stelle niederlegte, wo das jüdische Gotteshaus einst gestanden hatte.

Bildtext:

Mit Masken führten die Schüler den Gedenkgang zur Alten Synagogen-Straße an, wo Kränze niedergelegt wurden.
Autor:
Matthias Liedtke


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