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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Willkommenssignale mit Bedenken
Zwischenüberschrift:
Käthe-Kollwitz-Schule für Flüchtlinge: Großer Andrang im Bürgerforum Schölerberg
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Vor Kurzem war die Käthe-Kollwitz-Schule noch für den Abriss vorgesehen, jetzt ist die Stadt froh, dass sie in den ehemaligen Klassenräumen Flüchtlinge unterbringen kann. Ein großer Teil der Anwohner steht diesen Plänen offensichtlich wohlwollend gegenüber, es gibt aber auch Vorbehalte, dass die Ordnung und Sicherheit im Viertel gestört werden könnte. Das wurde beim Bürgerforum Schölerberg in der Aula deutlich, an dem fast 250 Interessierte teilnahmen.

" Wir können 150 Flüchtlinge oder etwas mehr unterbringen", erklärte Oberbürgermeister Griesert. Zurzeit investiere die Stadt einen " guten sechsstelligen Betrag", um den östlichen Trakt der Schule mit Waschbecken und Duschen, zeitgemäßem Brandschutz und verbesserter Beleuchtung auszustatten. Als ein Anwohner wissen wollte, ob die Käthe-Kollwitz-Schule denn wie geplant 2016 abgerissen werde, machte Griesert deutlich, dass der Termin " sicherlich" aufgeschoben werden müsse. Einen genauen Zeitpunkt wollte er nicht nennen, aber die Flüchtlingsproblematik werde sich wohl nicht auf die Schnelle lösen lassen.

Weil es sich um relativ große Klassenräume handle, ließen sich dort am besten Familien einquartieren, meinte Griesert. Die Stadt versuche auch, darauf hinzuwirken, erklärte er auf entsprechende Fragen, auf die Zusammensetzung der Flüchtlinge habe sie aber nur begrenzten Einfluss. Dass sie es in Gesprächen mit der Erstaufnahmeeinrichtung Hesepe aber versuche, unterstrich Udo Kunze, der Fachbereichsleiter für Integration, Soziales und Bürgerengagement: " Wir nehmen schon Einfluss auf die Sozialstruktur", machte er deutlich, und das sei in der Vergangenheit auch gut geglückt. Es habe bislang keine " sozialen Spannungslagen" gegeben, und das solle auch so bleiben.

Angst vor Übergriffen

Einige Stadtteilbewohner nahmen diese Äußerungen mit großer Skepsis auf. Man höre ja immer wieder von Überfällen, die " nicht Deutsch sprechende Männer" begingen, warf eine besorgt dreinblickende Frau ein. Sie wohne nun schon seit 60 Jahren am Schölerberg, und jetzt müsse sie mit ansehen, dass in ihrem Stadtteil gebettelt werde. " Da hab ich keinen Bock drauf!", rief sie voller Empörung und bekam dafür einen kleinen Applaus aus den hinteren Reihen.

Dort saß auch eine andere Bedenkenträgerin, die lauthals bekundete, in den Medien werde ja laufend berichtet, " dass es Übergriffe von Flüchtlingen auf Anwohner gibt". Welche Medien sie denn wohl lese, fragte eine jüngere Besucherin des Bürgerforums kopfschüttelnd.

Oberbürgermeister Griesert entgegnete unter großem Beifall, von bettelnden Flüchtlingen sei ihm nichts bekannt. Auch von einer Zunahme der Kriminalität könne keine Rede sein, warfen mehrere Redner ein.

Wie Austauschschüler

Eine ältere Dame ergriff das Mikrofon, um ein gutes Wort einzulegen für männliche Flüchtlinge, denen sie anfangs selbst mit einem gewissen Argwohn begegnet sei. Ihre Tochter erteile mehreren jungen Syrern Deutschunterricht, und die verhielten sich wie Austauschschüler. Sie seien offen und neugierig auf die deutsche Kultur. Ein großer Verlust für Syrien, dass solche Menschen das Land verließen, konstatierte sie.

Mehrere Flüchtlingshelfer vom Rosenplatz unterstrichen diese Erfahrung. Wer mit den Ankömmlingen spreche, lege seine anfängliche Skepsis meist schnell ab. Oberbürgermeister Griesert empfahl den Teilnehmern des Bürgerforums, doch mal eine Flüchtlingsunterkunft zu besuchen: " Es ist nicht verboten, da reinzugehen!" Eine große Mehrheit in der Aula bekannte sich mit ihrem Beifall zur Willkommenskultur und einige der Anwesenden ließen erkennen, dass es ihnen nicht nur um Worte, sondern auch um Taten geht.


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