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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Noch keine Wohnungsnot
 
Eine Wohnungsnot gibt es (noch) nicht
Zwischenüberschrift:
Rat diskutiert über neuen Immobilienfonds
 
SPD und Grüne wollen im Rat Schaffung eines Immobilienfonds diskutieren
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Wird bezahlbarer Wohnraum in Osnabrück knapp? Schafft der anhaltende Zuzug von Flüchtlingen eine Konkurrenzsituation? SPD und Grüne haben für die nächste Ratssitzung am Dienstag, 3. November, eine Aktuelle Stunde zum Thema " Osnabrück braucht bezahlbaren Wohnraum" beantragt und zusätzlich noch einen konkreten Handlungsauftrag an die Verwaltung formuliert: Der Kämmerer soll gemeinsam mit der Sparkasse die Möglichkeiten für einen privaten Immobilienfonds abklopfen, der neuen kostengünstigen Wohnraum in der Stadt errichten kann.

Osnabrück. Wird bezahlbarer Wohnraum in Osnabrück knapp? Schafft der Zuzug von Flüchtlingen auf dem Wohnungsmarkt eine Konkurrenzsituation im unteren Preissegment? " Wir müssen aufpassen, dass die Stimmung nicht weiter kippt", warnt der SPD-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat, Frank Henning.

SPD und Grüne im Rat haben für die nächste Sitzung des obersten politischen Gremiums der Stadt am Dienstag, 3. November, eine Aktuelle Stunde zum Thema " Osnabrück braucht bezahlbaren Wohnraum" beantragt und zusätzlich noch einen konkreten Handlungsauftrag an die Verwaltung formuliert: Der Kämmerer soll gemeinsam mit der Sparkasse die Möglichkeiten für einen privaten Immobilienfonds abklopfen, der neuen kostengünstigen Wohnraum in der Stadt errichten kann. " Unser Ziel ist es, bezahlbaren Wohnraum für alle zu schaffen", so Hennings Credo, der die Bemühungen seiner Partei nicht nur auf eine Bevölkerungsgruppe abgestellt wissen möchte.

Verteilungskämpfe?

Der Sozialdemokrat warnt vor Verteilungskämpfen auf dem Wohnungsmarkt zwischen Flüchtlingen und jenen, die ebenfalls nur über geringe finanzielle Möglichkeiten verfügen und sich bei der Suche nach einer Bleibe im gleichen Preissegment bewegen. " Wir müssen alles tun, damit es nicht zu einer bedenklichen Konkurrenzsituation kommt", so Henning im Gespräch mit unserer Redaktion.

Die Einführung der Mietpreisbremse, die Umsetzung des strategischen Ziels der Stadt, 3000 neue Wohnungen unter anderem durch die dafür nötige Ausweisung von Bauland zu schaffen, und eben die Einrichtung eines Immobilienfonds nennt Henning als drei Stützen für eine solide Wohnungsmarktpolitik. Der Immobilienfonds soll, so die Idee der Sozialdemokraten, städtische Grundstücke mithilfe eines Generalunternehmers bebauen. Die Finanzierung des Projekts soll sich zu 60 Prozent aus Kreditaufnahmen und zu 40 Prozent aus Fremdkapitalanlagen zusammensetzen. Wobei die Kredite im Rahmen der Konzernfinanzierung zum Beispiel von der Osnabrücker Beteiligungsgesellschaft (OBG) übernommen werden könnten. Zuzüglich aller weiteren Kosten könnte nach sozialdemokratischer Rechnung eine Durchschnittsmiete von 7, 50 Euro stehen. Um dieses Ziel zu erreichen, ist Henning auch bereit, an anderer Stelle Abstriche zu machen. " Möglicherweise müssen wir die Energiestandards in diesem Fall absenken."

Henning hält auch das Wiederaufleben einer städtischen Wohnungsbaugesellschaft für denkbar. Schon jetzt sei es so, dass der Kämmerer Wohnungen aufkaufe. Eine Bündelung aller derartigen Aktivitäten in einer eigenen Gesellschaft, zum Beispiel angebunden an den Fachbereich Immobilien oder die OBG, hält Henning nicht für ausgeschlossen.

" Wir brauchen auf jeden Fall mehr Wohnungen", sagt Stadtsprecher Sven Jürgensen, hat dabei aber ebenso wie Henning den gesamten Wohnungsmarkt im Blick. Jürgensen verweist auf das strategische Ziel, bis 2020 ausreichend zusätzlichen Wohnraum zu schaffen. Die Situation sei zwar angespannt, so Jürgensen weiter, aber noch nicht vergleichbar mit anderen Städten ähnlicher Größenordnung.

" Nicht nachvollziehbar"

Christian Biemann, Geschäftsführer des Vermietervereins Haus und Grund, sieht im Aufnahmelager am Natruper Holz einen Pluspunkt für die Stadt. " Wir werden durch das Aufnahmelager anders als andere Kommunen nicht so viele Flüchtlinge dauerhaft unterbringen müssen", so Biemann. Deshalb könne er sich auch nicht so erklären, wie die in der Wohnungsmarkt-Analyse des Pestel-Instituts genannten Zahlen zustande kämen. Nach dem in dieser Woche veröffentlichten Bericht werden in Stadt und Landkreis 750 bzw. 1680 Wohnungen zusätzlich benötigt. " Diese Zahlen sind nicht nachvollziehbar" , sagt Biemann. Sollten sie aber zutreffen, dann könne es auf dem Osnabrücker Wohnungsmarkt " eng werden". Derzeit sei es noch so, dass Vermieter an ihn he ranträten mit dem Wunsch, Wohnungen für Flüchtlinge und Asylbewerber zur Verfügung zu stellen. " Wir raten diesen Vermietern, sich an die Kommune zu wenden und mit ihr einen Mietvertrag abzuschließen", so Biemann im Gespräch mit unserer Redaktion.

Mehr Hintergründe und Analysen zur Situation der Flüchtlinge und den aktuellen Entwicklungen auf dem Wohnungsmarkt lesen Sie auf noz.de
Bildtext:
Zusätzlicher Wohnraum wird auch in Osnabrück gebraucht, und zwar zu bezahlbaren Preisen. Das Bild zeigt einen Neubau der Wohnungsbaugesellschaft Osnabrück (WGO) an der Bramscher Straße.
Foto:
Michael Gründel

Kommentar
Neue Wohnungsbaugesellschaft?

Welche Handhabe haben Politik und Verwaltung, einer drohenden massiven Verknappung von bezahlbarem Wohnraum zu begegnen? Reicht ein Immobilienfonds, oder muss es eine neue Wohnungsbaugesellschaft richten? Der Rat wird darüber diskutieren. Zwar bekräftigen alle Seiten, dass es derzeit keine Wohnungsnot gebe, eine Garantie, dass es sie nicht künftig geben wird, möchte aber niemand übernehmen. Das ist verständlich, da niemand weiß, wie viele Flüchtlinge noch den Weg in die Hasestadt finden.

Bereits ohne den Zustrom all der Hilfe und Schutz suchenden Menschen ist die Lage auf dem Wohnungsmarkt angespannt. Die Zählgemeinschaft aus SPD und Grünen tut gut daran, das Thema in den Rat zu bringen und auch gleich nach praktikablen Lösungen für ein beängstigend schnell wachsendes Problem zu suchen.

Ein Immobilienfonds ist nicht die schlechteste Idee. Parallel müssen Rat und Verwaltung überlegen, welche Steuerungselemente sie für den Wohnungsmarkt haben. Sie werden zu dem Schluss kommen müssen: keine. Die Frage, ob in Anbetracht der Lage nicht doch wieder eine städtische Wohnungsbaugesellschaft her muss, wird den Rat beschäftigen. Ein Auftrag an die Verwaltung, einmal Pro und Kontra einer solchen Gesellschaft ideologiefrei herauszuarbeiten, könnte hilfreich sein.
Autor:
Dietmar Kröger


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