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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Dem Theater gehen die "jugendlichen Helden" aus
Zwischenüberschrift:
Oktober 1915: Krabbelnde Läuse, ziehende Kraniche, begehrtes Fallobst
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Am 1. Oktober 1915 geht Seminar-Oberlehrer Ludwig Hoffmeyer in den Ruhestand. Das " Osnabrücker Tageblatt" würdigt den späteren Namensgeber des Hoffmeyerplatzes im Stadtteil Wüste als " einen unserer bewährtesten heimischen Schulmänner". Mehr als 21 Jahre wirkte er am hiesigen Königlichen Evangelischen Lehrerseminar. Besonders habe er sich um die Erforschung der Stadtgeschichte verdient gemacht. Verschiedene heimatliche Geschichtswerke, viele davon für den Schulunterricht bestimmt, seien aus seiner Feder geflossen. Die " Chronik der Stadt Osnabrück", die bis zum Ausbruch des Krieges in wöchentlichen Fortsetzungen im " Tageblatt" erschien, solle nach Beendigung des Krieges fortgesetzt werden, um schließlich zu einem gebundenen Bande vereinigt zu werden.
Österreich-Ungarn verbucht mit deutscher und bulgarischer Unterstützung im Serbien-Feldzug große Landgewinne. Am 9. Oktober fällt Belgrad. " Aus dem Anlass stand gestern die ganze Stadt im Flaggenschmuck", schreibt die Zeitung, " zahlreich waren auch die österreichischen Farben vertreten".
Die Verlausung stellt unter den schwierigen hygienischen Bedingungen im Felde ein wachsendes Problem dar. Ein einfaches Vorbeugungsmittel empfiehlt der Geheime Sanitätsrat Dr. Eysell, leitender Arzt des Reservelazaretts in der Kriegsschule Kassel: Schwefel. Es ist an sich geruchlos, entwickelt aber in Berührung mit menschlichen Hautsekreten langsam Schwefelwasserstoff, der als dünne, für menschliche Nasen unmerkliche Atmosphäre den Leib des Trägers umgibt. " Die viel feineren Geruchsorgane von Insekten dagegen werden abgestoßen", schreibt der Doktor.
Und weiter: " Von diesen Erwägungen ausgehend, behandelte ich verlauste Ankömmlinge aus dem Osten mit Sulfur praecipitatum. Die Ergebnisse waren ermutigend." Die Anwendung sei denkbar einfach: " In die auf links gewendete Unterwäsche wird der gefällte Schwefel eingebürstet. Man braucht für ein Wollhemd etwa zwei gehäufte Esslöffel, je einen für die Vorder- und für die Rückenfläche. Kleinere Mengen sind in die Ärmel des Hemdes und in die Innenflächen der Unterhosen einzubürsten. Der Schwefel kann erst dann seine Wirkung entfalten, wenn Schweiß usw. genügend lange auf ihn eingewirkt haben. Von baldigem Wechseln der Unterwäsche ist dementsprechend abzuraten." Die Wirkung bestehe nicht nur gegen Läuse, sondern auch gegen Flöhe, Wanzen und stechende Zweiflügler.
Die Kraniche ziehen. In den letzten Tagen seien mehrfach starke Züge von Kranichen " in ihrer eigenartigen Keilordnung" beobachtet worden, so das " Tageblatt". Sie wandern bis ins nördliche Indien und nach Nordafrika, klärt die Zeitung auf. " Aber wo sie auch hinkommen mögen, überall ist Krieg!"
Der städtische Fleischbrühe-Verkauf in der Trinkhalle am Domhof und in der Volksküche Meller Straße 2 findet an jedem Werktag außer montags ab 9 Uhr statt. Besonders in der Neustadt wird " regste Inanspruchnahme der Ausgabestelle" beobachtet. " Es sollte doch keine minderbemittelte Familie versäumen, sich für den billigen Preis von 10 Pfennig einen Liter kräftiger Suppe zu verschaffen. Auch zu Kohl und anderen Gemüsen bildet die Fleischbrühe eine schmackhafte Beigabe", meint der Redakteur.
Eine weitere öffentliche Einrichtung zur verbilligten Abgabe von Nahrungsmitteln ist die Musküche in der Süsterstraße. Seit Juni sind 12 000 Pfund Obst und 3800 Pfund Zucker verarbeitet worden. Die Städtischen Kollegien haben ein zinsgünstiges Darlehen zur Anschaffung zweier neuer großer Kessel bewilligt. An alle Hof- und Gartenbesitzer ergeht die dringende Bitte: " Schickt gute Kochäpfel, Falläpfel, Dauerware, Wurzeln und Rüben. Schickt ferner auch leere Einmachtöpfe, Büchsen, Marmeladen- und Margarine-Eimer sowie Kübel. Es fehlt an allem!"
Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg feierte Anfang Oktober seinen 68. Geburtstag. Geschäftsleitung und die 6000 Mitarbeiter der Firma Gebr. Stollwerck A.G. senden herzliche Glückwünsche und nicht nur das, sondern auch einen Doppelwaggon mit zehn Tonnen Schokolade für Hindenburgs Truppen.
Das Stadttheater eröffnet die zweite Kriegsspielzeit. Opern und Operetten werden nicht mehr gegeben, nur noch Schauspiele. Oberleiter Carl Ulrichs möchte dem Publikum " nach des Tages Last und Mühe eine Stunde ernster Erholung und u. U. auch eine in Grenzen gehaltene fröhliche Stimmung" bieten. Er will schöpfen aus dem " Born klassischer Werke, dem altbewährten Schau- und Lustspielreichtum" und von Neuerscheinungen nur das auswählen, was sich für die ernste Zeit eignet. " Die Werke unserer Feinde sollen, soweit es sich nicht um Klassiker handelt, vom Spielplan ausgeschlossen sein." Schwerer Mühe, insbesondere bezogen auf das Herrenpersonal, habe es bedurft, um ein Ensemble zusammenzustellen. Die Rollenfächer " jugendlicher Held" und " Heldenvater" seien wegen Militärverpflichtungen nur schwer zu besetzen, während " erste Liebhaberin", " sentimentale Liebhaberin und Salondame", " muntere und naive Liebhaberin" und " komische Alte" weniger Mühe bereiteten.
Im Erholungsheim Bissendorf-Achelriede werden Freizeitarbeiten verwundeter Soldaten ausgestellt. Da gibt es etwa eine bayerische Blockhütte en miniature zu bewundern, vor der die Schuhplattler tanzen – " das Ganze wohl ein Stückchen Heimat des Verfertigers", wie der Redakteur anmerkt.
Bildtext:
Stadtchonist Ludwig Hoffneyer (1845-1935) ging vor 100 Jahren in den Ruhestand. Das Foto entstammt der von ihn herausgegebenen Chronik der Stadt Osnabrück (3. Auflage 1964).
Autor:
Joachim Dierks


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