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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
"… und trinken, bis er eckig ist"
Zwischenüberschrift:
Neues Buch: Gaststätten auf alten Postkarten
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Wohl jeder Osnabrücker verbindet mit Gasthäusern die angenehme Erinnerung an große Familienfeiern und schöne Stunden. Da machten Bürgermeister Burkhard Jasper und Hotelier Hans Klute nun keine Ausnahme. Sie nahmen im Rathaus die ersten druckfrischen Exemplare des Buches " Osnabrücker Stadtgeschichte auf historischen Ansichtskarten Kaffeehäuser, Gaststätten, Hotels von A bis Z" für die Stadt Osnabrück beziehungsweise den Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) entgegen.
Der Ansichtskartensammler Helmut Riecken hat die Bildmotive ausgewählt, einordnende Texte verfasst und den 252 Seiten starken Band im Eigenverlag herausgegeben. Seine Motivation beschreibt er so: " Irgendeinen Spleen hat doch jeder, und dies hier ist meiner."
Riecken hat sich auf Osnabrugensien spezialisiert. Mittlerweile besitzt er rund 8000 verschiedene Karten mit Osnabrück-Motiven. Kaffeehäuser/ Gaststätten/ Hotels sind nur eine Untergruppe. Er hat auch schon eine Ausstellung im Forum am Dom nur mit seinen Ansichten von Osnabrücker Kirchen und Klöstern bestritten und in der Partnerstadt Angers die Hauptsehenswürdigkeiten der Hasestadt präsentiert.
Gasthäuser auf Ansichtskarten gibt es längst nicht so oft wie öffentliche Gebäude das hat Rieckens " Jäger- und Sammler-Trieb" besonders angestachelt. 203 verschiedene Gaststätten hat er bislang zusammengetragen. Sie sind auf rund 450 Karten abgebildet, viele bedeutende Häuser mit langer Geschichte wie " Tivoli", " Ludwigshalle", " Schweizerhaus" oder " Hohenzollern" somit auch gleich mehrfach. Durch die alphabetische Sortierung wird das Nachschlagen einfach. Wer den Namen seiner Lieblingskneipe vergessen hat, aber noch die Straße weiß, kommt auch über das nach Straßen sortierte Register im Anhang weiter.
Für Bürgermeister Jasper gehören Gastronomiebetriebe unauslöschbar zur Geschichte einer Stadt. In ihnen werde nicht nur Geselligkeit gepflegt, sondern auch Geschichte geschrieben, wie etwa bei den Verhandlungen vor dem Friedensschluss 1648. " Die Unterhändler trafen sich nicht im Rathaus, sondern in kleinen Gruppen in den umliegenden Gasthäusern, und die aufgeheiterte Stimmung dank geistiger Getränke wird so manchen Streitpunkt entschärft haben", meinte er. Auch für Vereine dürfte das Buch einen großen Wert besitzen, da viele von ihnen in Gasthäusern gegründet wurden und Vereinsgeschichte in den Vereinslokalen stattfand.
Ihm persönlich kämen beim Durchblättern viele Erinnerungen, " und wie muss das erst den noch älteren Mitbürgern gehen, die die Vorkriegshäuser alle noch gekannt haben?", sinnierte Jasper. Er habe zwei Tanten " weit über 80", denen werde er mit dem Buch sicher eine besondere Freude bereiten können.
Der Dehoga-Bezirksvorsitzende Hans Klute sprach von einer " Goldgrube", die der Band für die Wirtevereinigung darstelle, da es bislang keine niedergeschriebene Geschichte der Osnabrücker Gastronomie gebe. Leider sei schon vieles unwiederbringlich verloren gegangen. Mit dem Sterben der Eckkneipen ab den 1970er-Jahren, an dem die damals aufblühende Vereinsheime-Gastronomie nicht ganz unschuldig war, und dem Ableben der letzten Pächter drohten auch die Erinnerungen zu verblassen.
Es sei Rieckens Verdienst, dass er Wirte und Pächter im Ruhestand oder auch deren Nachkommen ausfindig gemacht habe, die etwas aus der Vergangenheit hätten beisteuern können. Wie etwa die 92-jährige Margarete Pörtner, deren Vater bis 1945 den " Niedersächsischen Hof" in der Herrenteichs straße betrieb und die sehr anschaulich etwa von den Kommersen zu berichten weiß, die der Carolingerbund dort gerne abhielt.
Riecken selbst bittet alle Osnabrücker, Erinnerungsstücke aus dem " alten Osnabrück" und Fotoalben nicht einfach wegzuwerfen, sondern sie ihm zur weiteren Auswertung leihweise zur Verfügung zu stellen (Kontakt unter Telefon 0 54 06/ 17 73). Noch viele Kapitel der Gastronomie vor 1945 seien unerforscht. Und wenn es auch nur eine Karte mit einem lustigen Spruch darauf sei wie jene von der Gaststätte " Meesenburg", unterzeichnet von einem " Hansi" um 1900: " Wir sitzen hier am runden Tisch und trinken, bis er eckig ist."
Der Band " Osnabrücker Stadtgeschichte auf historischen Ansichtskarten Kaffeehäuser, Gaststätten, Hotels von A bis Z" von Helmut Riecken ist für 19, 95 Euro im lokalen Buchhandel erhältlich, außerdem auch an diesem Samstag von 10 bis 15 Uhr auf der regionalen Bücherbörse im Kreishaus.

Stadt im Wandel: Texte über das alte Osnabrück und historische Fotos: www.noz.de/ historisch-os
Bildtexte:
Auch diese Postkarte von der Gaststätte Schweizerhaus an der Rheiner Landstraße aus dem Jahr 1926 hat einen Platz in Helmut Rieckens Buch gefunden.
Das Buch von Helmut Riecken (Mitte) begutachteten bei der offiziellen Vorstellung Bürgermeister Burkhard Jasper (links) und Hotelier Hans Klute (Dehoga).
Fotos:
Verlag H. Esderts, Osnabrück (Sammlung Helmut Riecken), Jörn Martens
Autor:
Joachim Dierks


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