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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Anklage gegen Osnabrücker Pleite-Verleger
 
Anklage gegen Verleger der Sonntagszeitung
Zwischenüberschrift:
Staatsanwaltschaft: Gewerbsmäßiger Betrug mit Medienbriefen
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
Osnabrück. Der frühere Verleger des " Osnabrücker Sonntagsblattes" soll sich vor dem Strafrichter verantworten: Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hat Anklage gegen Norbert Fuhs wegen gewerbsmäßigen Betruges in 171 Fällen und Insolvenzverschleppung erhoben. Das Landgericht Osnabrück prüft nun, ob ein Hauptverfahren eröffnet wird. Fuhs hatte seine Verlagsgesellschaft mit der Hausgabe von Medienbriefen im Wert von 5000 Euro finanziert. Die Anklagebehörde sieht darin ein betrügerisches Schneeballsystem. Fuhs hatte den Eindruck vermittelt, es handele sich um sichere Einlagen mit festen Zinsen. In Wahrheit waren es riskante Unternehmensbeteiligungen.

Osnabrück. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hat Anklage gegen den ehemaligen Verleger der " Osnabrücker Sonntagszeitung" erhoben. Er soll sich mit der Herausgabe von Medienbriefen des gewerbsmäßigen Betruges in mindestens 171 Fällen und der Insolvenzverschleppung schuldig gemacht haben.

Damit erreicht die Pleite der " Osnabrücker Sonntagszeitung", die 2014 mehrere Hundert Medienbrief-Inhaber um einen Teil ihrer Ersparnisse gebracht hat, auch eine strafrechtliche Dimension. Nach Ermittlungen der Staatsanwalt Oldenburg hat der Ex-Verleger Norbert Fuhs mit seinen Medienbriefen ein Schneeballsystem betrieben und die Anleger über die wahren Hintergründe der scheinbar sicheren Geldanlage getäuscht. Die Staatsanwaltschaft wirft Fuhs gewerbsmäßigen Betrug und Insolvenzverschleppung vor. 171 Fälle zwischen 2009 und 2014 haben die Ankläger aktenkundig gemacht. Die Geschäfte vor 2009 sind nach Einschätzung der Anklagebehörde verjährt.

Die Anklage liegt seit September dem Landgericht Osnabrück vor, wie die Sprecherin der Oldenburger Staatsanwaltschaft, Frauke Wilken, auf Anfrage bestätigte. Die Unterlagen wurden dem Ex-Verleger zur Stellungnahme mit Fristsetzung zugestellt, teilte ein Sprecher des Landgerichts mit. Wenn die Antwort vorliegt, entscheidet das Gericht, ob ein Hauptverfahren eröffnet wird.

Norbert Fuhs war alleiniger Gesellschafter und Geschäftsführer der Enorm Verlagsgesellschaft, die bis Januar 2014 die " Sonntagszeitung" in der Region Osnabrück he rausgab. Das Finanzierungsmodell über Medienbriefe war nach Meldungen über eine wirtschaftliche Schieflage des Unternehmens in sich zusammengebrochen. Fuhs stellte Insolvenzantrag, für die Inhaber der Medienbriefe bedeutete das den Totalverlust ihrer Einlagen.

Fälle vor 2009 verjährt?

Rechtsanwalt Dimitri Rimscha aus Osnabrück, der zahlreiche Medienbrief-Inhaber vertritt, äußerte sich zufrieden, dass die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den Pleite-Verleger erhebt, er hätte sich aber eine Ausdehnung auf alle Fälle seit 2001 gewünscht. Rimscha teilt die Auffassung der Staatsanwaltschaft nicht, dass die Fälle vor 2009 verjährt sind.

Die Pleite der Sonntagszeitung hat bereits mehrere Zivilgerichte beschäftigt. Kammern des Landgerichts Osnabrück und des Oberlandesgerichtes in Oldenburg bewerteten die Medienbriefe übereinstimmend als " sittenwidriges Schneeballsystem" und verurteilten Norbert Fuhs zur Rückzahlung der Einlagen. Außerdem muss er nach einem weiteren Gerichtsurteil 1, 66 Millionen Euro an die Verlagsgesellschaft zahlen, weil er gegen seine Pflichten als Geschäftsführer verstoßen hat.

Der Verleger hatte an private Geldanleger Medienbriefe im Wert von je 5000 Euro ausgegeben und Renditen von bis zu 6, 15 Prozent versprochen. Den Medienbrief-Inhabern vermittelte er den Eindruck, es handele sich um eine risikolose Geldanlage mit festen Zinsen. In Wahrheit waren es stille Beteiligungen mit dem Risiko, bei einer Pleite des Unternehmens das ganze Geld zu verlieren.

Seit 2001 Verluste

Die " Sonntagszeitung" warf seit 2001 keine Gewinne mehr ab. Fuhs finanzierte den Geschäftsbetrieb und die Ausschüttungen an die Medienbrief-Zeichner ausschließlich durch die Herausgabe neuer Medienbriefe. Kündigte ein stiller Gesellschafter seinen Medienbrief, zahlte Fuhs den vollen Betrag aus, obwohl er die Verluste des Verlages hätte anrechnen müssen. Als die wahre Lage des Unternehmens Mitte 2013 bekannt wurde, kündigten zahlreiche Teilhaber ihre Medienbriefe. Der Schaden für die Geldgeber liegt bei über acht Millionen Euro.

Die Medienbrief-Zeichner verloren nicht nur ihre Einlagen, sie müssen auch die jährlichen Ausschüttungen (die vermeintlichen Zinsen) zurückzahlen. Der Insolvenzverwalter bewertet diese vorab gezahlten Gewinnbeteiligungen als Schenkungen, die vier Jahre rückwirkend eingefordert werden können.
Autor:
Wilfried Hinrichs


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