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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Speicher sollen Containern weichen
 
Zwei Speicher verschwinden aus dem Hafen
Zwischenüberschrift:
Hitlers unbequemes Erbe weicht einer neuen Containerumschlagsanlage
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Die Stadtwerke Osnabrück brauchen Platz für einen Containerumschlagplatz im Hafen. Deshalb sollen an der Elbestraße drei von vier denkmalgeschützten Speichern abgerissen werden.
Das Ende von zwei Speichern ist bereits besiegelt. Sie sollen bis Ende März Geschichte sein. Ein dritter der im Dritten Reich gebauten monumentalen Lagergebäude kann vielleicht erhalten werden. Dahin gehende Bestrebungen laufen derzeit.
Laut Aussage der Stadtwerke wird die Fläche zwar für eine Gleisanlage gebraucht, auf der Güterzüge zusammengestellt werden können, es gibt aber auch Überlegungen, das Relikt aus der NS-Zeit in die Planungen einzubeziehen. Das sei letztlich von der Auslastung der Anlage abhängig, wie ein Sprecher der Stadtwerke mitteilt.

Osnabrück. Zwei der vier Getreidespeicher an der Elbestraße sollen in den nächsten Monaten abgebrochen werden, weil das Areal für eine Containerumschlagsanlage reserviert ist. Die Stadtwerke-Tochter ESOS hat den Auftrag ausgeschrieben, obwohl die monumentalen Bauwerke aus der NS-Zeit unter Denkmalschutz stehen. Ein dritter Speicher ist ebenfalls für den Abriss vorgesehen. Es laufen aber Bestrebungen, ihn zu erhalten.

In den 30er-Jahren ließ Hitler überall in Deutschland nahezu baugleiche Heeresverpflegungslager errichten, weil er den Krieg plante. Als Gefreiter aus dem Ersten Weltkrieg wusste er, dass der militärische Erfolg auch von der Versorgung der Soldaten abhing. So entstanden im Osnabrücker Hafen fünf Getreidespeicher, eine Getreidemühle und eine Bäckerei. Später, als die Briten das Kommando in der Winkelhausen-Kaserne hatten, wurde ein Speicher abgerissen, die anderen dienten als Möbellager, aber auch als Büros, Mannschaftsräume und Casinos.

Güterzüge für Container

Nach dem Abzug der britischen Streitkräfte tat sich das zivile Osnabrück schwer mit dem unbequemen Erbe aus der Nazizeit. Auf der einen Seite wurden sie unter Denkmalschutz gestellt, auf der anderen liefen schon die Vorbereitungen für ihre Beseitigung. Die Stadtwerke wollen eine KLV-Anlage auf dem Kasernengelände bauen, das ist eine Vorrichtung, mit der Container von der Straße auf die Schiene umgesetzt werden können oder umgekehrt. Auch die Wasserstraße ist dabei interessant. Deshalb bot sich der Standort an der Elbestraße auch wegen seiner Nähe zum Stichkanal an.

Die Getreidespeicher sollten deshalb zwei Abstellgleisen weichen, auf denen Güterzüge zusammengestellt werden können. " Wir brauchen die Fläche zum Rangieren", lautet die Begründung der Stadtwerke, die auch für die Hafenbahn zuständig sind.

Zwei bis drei Züge verlassen Woche für Woche das Kasernengelände, in Zukunft sollen es deutlich mehr werden. Deshalb wollte die ESOS gleich drei Speicher aus dem Weg räumen. Im Planfeststellungsverfahren hat die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr diesem Wunsch stattgegeben.

Gegen den Abriss von Speicher Nr. 50 gibt es jedoch Widerstände. Das Ortskuratorium der Stiftung Denkmalschutz hat sich schon vor zwei Jahren für den Erhalt des Lagerhauses ausgesprochen. 400 Besucher hatten am Tag des offenen Denkmals den fünfgeschossigen Bau besichtigt. Dabei war der Ruf nach einer zeitgemäßen Nutzung laut geworden. Interessenten gibt es offenbar mehrere. Es handelt sich um Firmen, die Proberäume an Musiker vermieten.

Logistische Gründe

Nach Auskunft von Stadtwerke-Sprecher Marco Hörmeyer hält die ESOS zwar weiterhin am Abbruch von Speicher Nr. 50 fest. Aus " logistischen Gründen" sei das Vorhaben aber zurückgestellt worden. Möglicherweise werde sich auch eine Lösung unter Einbeziehung des Gebäudes finden. Das sei letztlich von der Auslastung der Anlage abhängig. Stadtbaurat Frank Otte würde den dritten Speicher gern erhalten. Dann müsste sich die Planung für die KLV-Anlage und die Gleise allerdings grundlegend ändern, gibt er zu bedenken.

Der Zeitplan der Stadtwerke sieht vor, noch in diesem Jahr mit der Entkernung der nördlich gelegenen Speicher Nr. 51 und 52 zu beginnen. Ende März sollen die beiden Lagerhäuser dann endgültig von der Bildfläche verschwunden sein.

Denkmalschutz und Stadtentwicklung warum es immer wieder zu Konflikten kommt. Lesen Sie mehr im Internet auf www. noz.de
Bildtext:
Monumental: Vier Getreidespeicher bestimmen das Bild an der Elbestraße. Nummer 52 und Nummer 51 (im Vordergrund) sollen bis Ende März von der Bildfläche verschwinden. Bleibt der Speicher Nummer 50 erhalten?
Foto:
Jörg Martens

Kommentar
Tabula rasa

Natürlich ist es wichtig, Güter auf die Schiene zu bringen, statt noch mehr Lkw-Verkehr zu produzieren. Im Hafen werden Container auf Züge verfrachtet als Alternative zum ganz normalen Autobahn-Wahnsinn. Diese Chance lässt sich die Stadt nicht entgehen.

Schade nur, dass der Denkmalschutz dafür ein Opfer bringen muss. Drei Getreidespeicher aus den 30er-Jahren sollen den Rangiergleisen weichen, auf denen die Containerzüge zusammengestellt werden. Lediglich der vordere Speicher Nr. 49 soll als Monument der Erinnerung erhalten bleiben. Leider gilt das nicht für den Speicher Nr. 50. Ihm droht das Aus, sobald der Containerumschlag zur Erfolgsgeschichte wird.

Dieser Sachzwang ist seit Jahren programmiert. Nach dem Abzug der Briten fehlte es an Sensibilität für den angemessenen Umgang mit dem schwierigen Erbe aus der Nazizeit. Vor diesem Hintergrund ist es schon ein Erfolg, dass die Stadtwerke nicht gleich Tabula rasa machen. Es wäre ein Gewinn für die Erinnerungskultur, auch Speicher Nr. 50 dauerhaft zu erhalten.
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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