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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Fast 4000 Menschen demonstrieren für die Würde der Flüchtlinge
 
4000 fordern: Würde für Flüchtlinge
Zwischenüberschrift:
Kundgebung vor dem Rathaus
Artikel:
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Originaltext:
Die Osnabrücker Innenstadt war am Donnerstagabend Schauplatz einer machtvollen Demonstration für die Würde von Flüchtlingen. Nach Schätzungen der Polizei beteiligten sich 4000 Menschen an der Kundgebung, zu der der emeritierte Theologieprofessor Reinhold Mokrosch und der ehemalige Karmann-Betriebsrat Harald Klausing aufgerufen hatten. Oberbürgermeister Wolfgang Griesert kritisierte auf der Abschlusskundgebung vor dem Rathaus die Politik der Europäischen Union in der Flüchtlingsfrage und erklärte: " Die Menschenwürde muss Maßstab für all unser Handeln sein." Vereinzelte Buhrufe gab es, als er sich für schnellere Asylverfahren aussprach. Andere Redner forderten einen Stopp von Waffenexporten, um die Fluchtursachen zu bekämpfen.
Foto:
Pentermann

Osnabrück. " Die Menschenwürde muss der Maßstab für all unser Handeln sein", rief Oberbürgermeister Griesert von der Rathaustreppe und brachte damit auf den Punkt, was die Demonstranten mit ihrem Zug durch die Innenstadt ausdrücken wollten. " Osnabrück in Stadt und Land schützt seine Flüchtlinge", hieß das Motto der Kundgebung. Es gab aber auch Buhrufe.
Der emeritierte Theologieprofessor Reinhold Mokrosch und der ehemalige Karmann-Betriebsrat Harald Klausing hatten die Osnabrücker aufgerufen, für einen menschenwürdigen Umgang mit Flüchtlingen auf die Straße zu gehen. Acht Monate nach der großen Anti-Pegida-Demonstration nahmen nach Polizeiangaben 4000 Menschen an dem Umzug durch die Innenstadt teil, während Mokrosch die Zahl 3500 nannte.
" Osnabrück wird sich verändern, Deutschland wird sich verändern", meinte der Theologe, die Gesellschaft werde " jünger, bunter, multikultureller und multireligiöser". Auch die sozialen Unterschiede würden zunehmen, ebenso wachse die Gefahr von Ängsten und Sozialneid, und das dürfe keinesfalls schöngeredet werden. " Halten Sie durch, auch wenn nächstes Jahr doppelt so viele Flüchtlinge hier sind!", forderte Mokrosch seine Zuhörer auf.
" Wir sind nicht für Assimilation, sondern für Integration", meinte Mitorganisator Harald Klausing. Er machte den Waffenhandel für die Not der Menschen in den Krisengebieten verantwortlich. Wer den fördere oder nicht unterbinde, " der soll sich über die Millionen auf der Flucht nicht wundern", rief er vor dem Theater aus, wo sich die Demonstranten zur Auftaktkundgebung trafen.
Darauf ging auch die DGB-Vorsitzende Petra Thiesmeyer ein. Sie kritisierte zugleich die Politiker, die die Verantwortung auf die Bürger abwälzten oder von " illegalen Flüchtlingen" sprächen. Im Begriff " Wirtschaftsflüchtling" stecke eine Diskriminierung von Minderheiten. Die wirklichen Wirtschaftsflüchtlinge seien die, " die sich im eigenen Land ihrer Verantwortung entziehen und ihr Geld ins Ausland transferieren", rief sie unter Applaus. Andere Redner wie Oberbürgermeister Wolfgang Griesert oder Superintendent Friedemann Pannen bekamen auch vereinzelt Buhrufe zu hören, als sie erklärten, dass nicht alle Flüchtlinge in Deutschland bleiben könnten und dass die Asylverfahren rechtsstaatlich, aber konsequent zu Ende geführt werden müssten.
Pannen, der im Frühjahr im Libanon war, kritisierte die westliche Bauindustrie. Die stocke jetzt schon ihre Büros im Nachbarland des zerbombten Syrien auf, weil sie sich große Gewinne nach dem Ende des Bürgerkrieges verspreche.
Dua Zeitun, eine Osnabrückerin mit syrischen Wurzeln, erklärte für sieben muslimische Gemeinden der Stadt, dass die Türen der Moscheen für alle Flüchtlinge offen stünden, unabhängig von der Religionszugehörigkeit jedes einzelnen.
Maria Braig vom Verein Exil Osnabrücker Zentrum für Flüchtlinge forderte die Demonstrationsteilnehmer auf, sich nicht wegen ihrer Hilfeleistungen zu beweihräuchern, sondern den Finger in die Wunde zu legen. Waffenexporte müssten gestoppt und Fluchtursachen bekämpft werden. Es gelte aber auch, legale Einreisemöglichkeiten zu schaffen und das neue Asylgesetz zu stoppen, weil es verfassungswidrig sei.

Bildergalerie auf www.noz.de
Bildtexte:
Teelichter als Zeichen der Solidarität mit Flüchtlingen zündeten Demonstranten vor dem Rathaus an.
Angeführt von Politikern und Prominenten startete der Demonstrationszug vor dem Theater.
Fotos:
Hermann Pentermann

Kommentar
Flagge zeigen auch weiterhin!

Das weltoffene Osnabrück hat Flagge gezeigt. Wenn 4000 Menschen so eindrucksvoll ihre Solidarität ausdrücken, dann ist das eine klare Ansage an potenzielle Brandstifter und Gewalttäter, dass sie hier nicht mit klammheimlicher Sympathie rechnen können. Es ist einer Friedensstadt angemessen, dass sie ihre Hand schützend über Verfolgte hält. Und das nicht erst, wenn sie rassistischen Anfeindungen ausgesetzt sind.

Beim Blick auf das freundliche, helle Osnabrück sollte aber nicht ausgeblendet werden, dass es auch hier einen Dunstkreis von Dummheit und Ignoranz gibt. Dass sich auch hier geistig Verarmte als Herrenmenschen aufspielen, weil sie in Deutschland und nicht in Pakistan oder Ghana auf die Welt gekommen sind. Dass sich Neunmalkluge weigern, zwischen Islam und Islamismus zu unterscheiden. Und dass sie mit ihrer Engstirnigkeit zum Hass aufstacheln. Menschen, die so denken, haben sich ihr Weltbild gezimmert, ohne sich der Begegnung mit dem für sie Fremden zu stellen.

Alle, die am Donnerstag mitdemonstriert haben, sollten sich jetzt nicht dem Rausch der Friedfertigkeit hingeben. Es gilt, aufzustehen und zu widersprechen, wann immer es zu Ausgrenzung kommt. So zeigt Osnabrück Flagge!
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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