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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Wenn das Wasser nur für einen reicht
Zwischenüberschrift:
Existenzielle Fragen in der langen Nacht der Synagoge
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Darf man ein Leben zur Rettung eines anderen Lebens opfern? Gemeinderabbiner Avraham Yitzchack Radbil sprach mit Besuchern der " langen Nacht der Synagoge" über Grenzsituationen und wie das Judentum darauf Antworten findet.

Es sind Fragen, die Menschen in Verzweiflung bringen können. Sie werden im Judentum mit dem Talmud und nach Möglichkeit mithilfe eines Rabbiners beantwortet.

Eine Situation in der Sahara: Was tun, wenn das Wasser nur für einen der beiden Männer reicht? Dieses Rätsel geriet zum Spannungsbogen. Die wenigen Besucher des Gotteshauses an der Barlage kamen in den Genuss einer ebenso ernsten wie lockeren Gesprächsrunde mit Rabbiner Avraham Radbil. Und der erzählte, im Talmud würden alle Fragen beantwortet. " Man muss nur die richtige Brille aufhaben." Das heißt: Es kommt auf die Auslegung an. Manchmal holen sich die befragten Rabbiner selber Rat bei ihrem Rabbiner und der wiederum bei seinem.

Rabbiner Radbil berichtete von einem Fall, der sich 1977 in den USA ereignet hatte. Siamesische Zwillinge zwei Mädchen waren von der Schulter bis zu Becken miteinander verbunden, sie teilten sich eine Leber und ein Herz mit sechs Kammern. Und nur eines der beiden konnte überleben. Aber wie sollten sich die Eltern und die Mediziner entscheiden? Die Frage ging von Rabbiner zu Rabbiner zur höchsten Autorität, die sich in Manhattan befand: Moshe Feinstein. Und der stellte eine Reihe von Fragen: Haben beide Babys eine eigene Persönlichkeit? Kann eines der beiden Kinder ohne das andere überleben? Der Osnabrücker Rabbiner Radbil erläuterte seinen Zuhörern, dass bei medizinischen Fragen oft Rat der Ärzte den Ausschlag gibt. So offenbar auch bei der Frage, welches der beiden Mädchen überleben sollte. Sterben musste das Kind, das ohne das andere nicht hätte überleben können eine pragmatische Entscheidung. Rabbiner Radbil berichtete: " Fast der ganze Talmud ist auf Logik aufgebaut."

Wenn es um Fragen auf Leben und Tod geht, forschen Rabbiner oft danach, wer alleine auf Kosten eines anderen überleben kann. So muss im Zweifel das ungeborene Kind sterben, nicht die Mutter.

Rabbiner Radbil erläutert, dass im Judentum Selbstverteidigung eindeutig erlaubt ist und ein Verfolger im Ex-tremfall getötet werden darf, um Unschuldige zu retten. Unter die Bezeichnung " Verfolger" fällt auch der Teil des siamesischen Zwillings, der ohne den anderen nicht überleben konnte und das ungeborene Kind bei der Frage, ob die Mutter oder ihr Kind überleben soll.

Auch die beiden Männer, die in der Sahara nicht genug Wasser für beide dabei haben, fallen dem Talmud nach unter dieses Prinzip. Rabbiner Radbil beantwortet die Frage daher so: " Wem die Flasche mit dem Wasser gehört, der behält sie."

Neues aus Osnabrück auf noz.de/ os
Bildtext:
Auf Leben und Tod: Rabbiner Avraham Radbil im Gespräch mit Besuchern der Synagoge.
Foto:
Hermann Pentermann
Autor:
Jann Weber


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