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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Zehn Prozent mehr Autos in fünf Jahren
 
Ist der Verkehr wirklich so schlimm?
Zwischenüberschrift:
Eine Wall-Fahrt mit dem Stadtbaurat – Zehn Prozent mehr Autos in fünf Jahren
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Testfahrt mit dem Stadtbaurat: Die Lokalredaktion hat Frank Otte zu einer Interview-Fahrt durch den Berufsverkehr eingeladen. Ein großes Problem ist laut Otte: In fünf Jahren ist die Zahl der in Osnabrück gemeldeten Autos um zehn Prozent gestiegen.

Osnabrück. Ist der Verkehr in Osnabrück wirklich " eine Katastrophe", wie ein Autofahrer neulich auf der Facebook-Seite von NOZ Medien schrieb? Wir haben Stadtbaurat Frank Otte mitten im Feierabendverkehr zur Testfahrt über den Wallring gebeten mit Kameras drinnen und draußen.

Im elektrisch betriebenen BMW e 3 der Stadtwerke rollen wir am Montag um 17.14 Uhr vom Hof der Neuen Osnabrücker Zeitung am Berliner Platz und reihen uns in den Feierabendverkehr ein. Wir umrunden die Innenstadt dem Uhrzeiger entgegengesetzt und gehen davon aus, vor der Hasetor-Baustelle viel Zeit für ein ausführliches Gespräch zu haben.

Viel Zeit? Exakt sieben Minuten später überqueren wir die Kreuzung am Hasetor Richtung Remarque-Hotel. In diesen sieben Minuten erklärt der oberste Verkehrsplaner der Stadt, dass Osnabrück weit entfernt ist von der Spitze der deutschen Staustädte. Otte zitiert eine vom Handelsblatt veröffentlichte Studie, wonach Köln die Stautabelle anführt, Hannover auf Platz 13 und Bielefeld auf Platz 14 liegt. Osnabrück taucht in der Liste der 22 getesteten Staustädte gar nicht auf, leidet aber wie die Topplatzierten unter dem zunehmenden Verkehr. In den vergangenen fünf Jahren ist die Zahl der in Osnabrück gemeldeten Fahrzeuge um zehn Prozent auf rund 100 000 gestiegen. " Das Straßennetz kann natürlich nicht mitwachsen", sagt Otte.

Zugleich steigt nach seinen Angaben die Jahreskilometerleistung der Autofahrer seit Jahren kontinuierlich an. Und: Immer mehr sind allein unterwegs. Die durchschnittliche Zahl der Personen pro Auto sei von 1, 5 auf 1, 3 gesunken. Otte: " Wenn man alle diese Zahlen zusammen betrachtet, weiß man, woher die Staus kommen". Dass in sozialen Medien sehr harsche Kritik an der Osnabrücker Verkehrspolitik geübt wird, ficht den Stadtbaurat deshalb auch nicht an. Damit hätten alle Verkehrsplaner zu tun.

Otte verteidigt die Entscheidung des Rates, den Neumarkt auch in Zeiten ruhender Bautätigkeit nicht für den Individualverkehr frei zu geben. Die Sperrung im Juni 2014 habe gezeigt, dass Autofahrer eine längere Eingewöhnungszeit bräuchten, so Otte. Erst nach " massiven Einsätzen der Polizei" hätten die Autofahrer verstanden, dass der Neumarkt tabu sei. Otte befürwortet eine Sperrung des Neumarktes, erinnert aber an die aktuelle Beschlusslage des Rates: Nach dem Umbau soll es eine Spur je Richtung geben.

Drei Fahrminuten später erreichen wir die Kreuzung an der Osnabrückhalle. Nach der Sperrung des Neumarktes ist das Verkehrsaufkommen auf der Martinistraße um bis zu 20 Prozent zurückgegangen, sagt Otte. Seine Erklärung: Die Autofahrer suchen neue Wege in die Innenstadt um umgehen die Kreuzung weiträumig.

Der Johannistorwall kommt in den Blick und damit die Todeskreuzung an der Ecke Kommenderiestraße. Drei Radfahrer sind dort 2014 von Lastwagen überrollt und tödlich verletzt worden. Leistet die Stadt genug für die Sicherheit des Radverkehrs? " Wir tun eine Menge, aber noch nicht genug. Wir müssen dem Fahrrad eine höhere Bedeutung geben", sagt Otte und zieht Amsterdam als Vergleich heran. 120 Millionen gebe die niederländische Metropole von 2012 bis 2020 für den Radverkehr aus. Auf Osnabrücker Verhältnisse heruntergerechnet, müsste die Stadt jährlich drei Millionen Euro in den Radverkehr investieren. Illusorisch angesichts der Haushaltslage, wie Otte einräumt.

Die gefährliche Kreuzung ist schon entschärft worden, Sicherheit bietet sie aber noch lange nicht. Otte sagt, es werde über einen Umbau nachgedacht. Denkbar sei, für die Rechtsabbieger eine eigene Spur zu schaffen. Klarheit gibt es nach Ottes Worten aber erst, wenn die Ergebnisse der Verkehrsuntersuchungen und Simulationen vorliegen.

Die Stadt hat unter anderem mit Messfahrten untersuchen lassen, wo es Probleme auf dem Wall gibt. Das vorliegende Verkehrsmodell, die aktuellen Messergebnisse und darauf aufbauende Simulationen sollen es den Verkehrsplanern ermöglichen, den Verkehr auf dem Wall besser zu steuern. Über Ergebnisse der Messungen will Otte erst etwas sagen, wenn die Daten in den politischen Gremien diskutiert worden sind. " Noch im Herbst" will er damit an die Öffentlichkeit.

Könnte der Wallring durch ein Lkw-Durchfahrtverbot entlastet werden? Otte hält nicht viel von einem pauschalen Lkw-Verbot, weil kaum durchsetzbar und überprüfbar. Der Anteil durch durchfahrenden Lastwagen liege nur bei neun bis elf Prozent, wie Zählungen ergeben hätten. Doch wer wolle verlässlich kontrollieren, ob ein Lkw-Fahrer ein Ziel in der Stadt ansteuere oder die Innenstadt als Abkürzung nutze? " Das Nachhalten ist äußerst schwierig und steht in keinem Verhältnis zur Wirkung," so Otte.

17.35 Uhr. 21 Minuten nach dem Start vom NOZ-Gebäude erreicht unser lautloses E-Auto wieder den Ausgangspunkt. Dichter Verkehr, ja, aber kein Stillstand. Otte: " Ich habe es nicht als schlimm empfunden, vor allem wenn man bedenkt, dass die Nachmittagsspitze extremer ist als die Morgenspitze." Seine Quintessenz: " Ich glaube, wir sind auf dem richtigen Weg, wenn wir die einzelnen Zielgruppen weiterhin besonders ansprechen, auch mal über andere Verkehrsmittel nachzudenken."

Rollender Politiktalk: Heute ab 18.25 Uhr im Lokalsender os1.tv (im Kabelfernsehen und Internet).
Bildtext:
Interview am Lenkrad: NOZ-Redakteur Wilfried Hinrichs (recht) unternimmt mit Stadtbaurat Frank Otte eine Testfahrt durch den Berufsverkehr. Mehrere Kammeras sind an Bord, um den Verkehr zu beabachten und das Gespräch aufzunehmen.
Foto:
David Ebener
Autor:
Wilfried Hinrichs


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