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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Endlich mal handfest arbeiten
Zwischenüberschrift:
Begegnungstag mit Flüchtlingen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Endlich mal wieder was tun. Endlich raus aus dem täglichen langweiligen Einerlei. Im Zentrum für Jugendberufshilfe an der Dammstraße konnten Flüchtlinge aus dem Quartier in den Werkstätten arbeiten, während oben in der Küche ein gemeinsames Essen vorbereitet wurde.

26 Männer und drei Frauen aus dem Rosenplatzquartier, die in Osnabrück ihre neue Heimat gefunden haben, haben sich zu einem Begegnungstag in der Dammstraße angemeldet, um etwas Praktisches für sich und ihre Mitbewohner zu tun. Mit Quartiersmanagerin Sonja Finkmann hatte sich die Sozialpädagogin Ulla Meiners zuvor mit Flüchtlingen in ihren Sammelunterkünften und Wohnungen umgesehen und überlegt, was gemacht werden könnte.

So wird im Laufe des Vormittags an der Petersburg ein nicht mehr ansehnliches Tor gestrichen und ein Sandkasten im Hinterhof eines Hauses gebaut, in dem Familien leben. In der Dammstraße werden Sitzgelegenheiten für die Sammelunterkunft hergestellt.

Ahmed und Gihat, zwei Teilnehmer aus der Dammstraße, stehen als Dolmetscher zur Verfügung und haben die Namen aller deutschsprachigen Mitarbeiter in arabische Buchstaben übertragen. Gihat ist auch ein Flüchtling mit besonderer Geschichte und besonderen Talenten. Der 21-Jährige spricht Arabisch, Deutsch, Englisch und lernt derzeit Kurdisch. In der Dammstraße muss er jetzt erst seinen deutschen Realschulabschluss machen, um sich dann Schritt für Schritt seinem Ziel, einem Studium, zu nähern.

Von Todesstrafe bedroht

Gihat lebte in den ersten zehn Jahren seines Lebens in Deutschland und besuchte hier auch die Grundschule. Dann zog es seine Eltern aus Heimweh 2004 zurück nach Syrien. " Damals war ja noch alles in Ordnung", meint Gihat. Sieben Jahre später allerdings begann der Bürgerkrieg. Gihat sollte zur Armee eingezogen werden. Eine Ablehnung gilt als Desertion und wird in Syrien mit dem Tod bestraft. Also schickten seine Eltern ihn und eine Schwester zurück nach Deutschland, wo er schulisch fast wieder ganz von vorne anfangen muss.

In der Holzwerkstatt arbeiten Osman (28) und Mohamad (28) aus Eritrea an runden Holzplatten. In ihrer Flüchtlingsunterkunft an der Petersburg haben sie bereits aus alten Lkw-Reifen Sitze gebastelt. Die Holzscheiben sollen je nach Bedarf als Sitze eingesetzt werden, können aber auch als Tische genutzt werden, erzählen die beiden, während Gihat übersetzt. Eine Arbeit mit Holz kann sich Mohamad auch als Beruf vorstellen.

Was ist lauter: das Geräusch des Bohrers oder das Gelächter des Trios in der Metallwerkstatt? Shati aus Somalia, Hamed aus dem Sudan und Ahmad aus Eritrea haben offensichtlich viel Spaß dabei, an einer Sitz-Tisch-Kombination für ihre Unterkunft An der Petersburg zu arbeiten. Welchen Beruf würden sie gerne erlernen? Shati und Ahmad sind sich einig: Automechaniker. Hamed lächelt über das ganze Gesicht: " Ich kann alles!" Seine Kumpels lassen ihn für diesen Spruch hochleben.

Im oberen Stockwerk der Dammstraße erwarten den Besucher verlockende Gerüche. Sahara, Hibo mit dem 15-monatigen Söhnchen Nasar und Kawsar, die ohne die zweijährige Tochter Muha gekommen ist, bereiten somalische Spezialitäten mit Reis, Hühnchen und Lamm vor. Als deutsche Variante steuern Daria, Julia und Emine, Teilnehmerinnen der Hauswirtschaft in der Dammstraße, deutsche Leckereien bei. " Kartoffelgratin und Vanillecreme", erzählt Hauswirtschafterin Wille Schulte Wien, die großen Spaß an der internationalen Kochgemeinschaft hat: " Alle Zutaten sind halal", also nach islamischem Recht erlaubt.

" Nachdem wir den Frauen anhand von Fotos gezeigt haben, was ein Büfett ist, haben sie Rezepte aus ihrer Heimat nur so herausgesprudelt", freut sich Ulla Meiners über die Teilnahme der Frauen. Nach getaner Arbeit dürfen sich Gäste und jugendliche Teilnehmer aus der Jugendwerkstatt an den Leckereien stärken.
Bildtexte:
Einen Beruf, in dem er mit Holz arbeitet, kann sich Mohamad aus Eritrea für seine Zukunft vorstellen.
Spaß an der Arbeit: Hamed aus dem Sudan und Shati aus Somalia stellen in der Metallwerkstatt eine Tisch-Sitz-Kombination her.
In einem großen Topf schmort Kawsar aus Somalia Zwiebeln für ein Gericht aus ihrer Heimat an.
Fotos:
Maha Hamc
Autor:
Ulrike Schmidt


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