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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Kulturetat in Osnabrück soll schrumpfen
 
Stadtgalerie: 2015 keine Ausstellung mehr
Zwischenüberschrift:
Haushaltssperre erzwingt Verzicht auf geplante Kunstprojekte – Diskussion um Kürzungen im Kulturetat
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Im Zuge der Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung soll der Kulturetat der Stadt Osnabrück in den nächsten zwei Jahren um insgesamt 1, 6 Millionen Euro beschnitten werden. " Ich habe keine Idee, wie es hier kulturell weitergehen soll", sagte dazu Kulturdezernentin Rita Maria Rzyski. Sie sieht im Kulturbereich " kein vernünftiges Einsparpotenzial mehr". Einen Vorgeschmack auf die künftige Situation gibt womöglich die Stadtgalerie: Dort wird es 2015 keine weiteren Ausstellungen mehr geben. Der Grund: die Haushaltssperre, die der Rat beschlossen hat. Osnabrück spart damit nach Abzug einer Entschädigung für bereits geleistete Arbeit 11 000 Euro ein. Die Kuratorin Elisabeth Lumme sprach von einer " Katastrophe" für die Kultur.

Osnabrück. In Osnabrücks Stadtgalerie wird es bis Ende 2015 keine Ausstellung mehr geben. Im Zug der Haushaltssperre sind die Mittel gestrichen worden. " Eine Katastrophe", heißt es dazu aus der Kunstszene.

Mit dieser Entscheidung entfallen zwei Ausstellungen, die bis Ende des Jahres geplant waren. Zu dem Programm gehörte ein Kunstprojekt von David Rauer und Joshua Sassmannshausen. Die beiden Bildhauer hatten mit ihrer Installation während der Projektwoche " 24/ 7" im Juni 2014 in der Kunst halle Osnabrück begeistert. Den Angaben zufolge werden durch den Verzicht 11000 Euro eingespart.

" Die Stadtgalerie wird bis zum Jahresende nur noch als reiner Kaffeebetrieb geführt. Die Haushaltssperre grätscht voll in die Planungen", sagte die für die Kultur zuständige Stadträtin Rita Maria Rzyski. Nach der Verfügung der Haushaltssperre würden Ausstellungen entfallen, für die noch keine Verträge geschlossen seien. Dies trifft auf die beiden geplanten Ausstellungen zu.

Die Kunstszene reagiert auf die Ausstellungskürzungen mit scharfer Kritik. Von einer " Katastrophe" sprach unumwunden Kuratorin Elisabeth Lumme, die gemeinsam mit Valerie Scheindt-Kleveman und Kunsthallen-Chefin Julia Draganovic das Kunstprojekt " Konkret mehr Raum" konzipiert hatte. Mit der Stadtgalerie gehe nun " ein laufender Kulturbetrieb in die Vollbremsung", sagte Lumme. Künstler und Kulturmacher würden mit dieser Maßnahme komplett demotiviert. " Ist der Stellenwert, den Kunst und Kultur für die Bürgerinnen und Bürger besitzen, den Verantwortlichen wirklich bewusst?", fragte Lumme und verwies auf den großen Publikumszuspruch für die Kunstausstellungen während der letzten Kulturnacht. Künstler und Kulturmacher belassen es hingegen nicht einfach bei der Kritik, sondern beraten parallel alternative Konzepte für die Stadtgalerie. Elisabeth Lumme sowie die Mitglieder des Künstlervereins " Topos" schlagen vor, den Ausstellungsbetrieb der Stadtgalerie einem privaten Verein zu übertragen. So ließe sich mit dem öffentlichen Zuschuss ein Mehr an Kunstprojekten verwirklichen, sagte Lumme.

Zweiter Punkt: Künstler bringen für diesen Ausstellungsbetrieb einen anderen Ort ins Gespräch. " Der Kaffeebetrieb lässt einen richtigen Ausstellungsbetrieb eigentlich nicht zu", bemängelt Künstlerin Eva Preckwinkel von " Topos". Nach ihren Worten favorisieren die Topos-Künstler, zu denen auch Frank Gillich, Robert Stieve, Marion Tischler und Monika Witte gehören, die Räume in der Hasestr. 29/ 30. Nach den Worten von Eva Preckwinkel besteht die Aussicht, die Räume in der Hasestraße zu günstigen Konditionen anzumieten. Die weiteren Aussichten beurteilt die Künstlerin allerdings zurückhaltend, obwohl auch Dezernentin Rzyski den Überlegungen der Künstler aufgeschlossen gegenüberstehen soll. " Es sieht im Augenblick einfach schlecht aus", sagte Preckwinkel mit dem Verweis auf die Haushaltssperre.

Die sorgt auch im größeren Kontext für Sorgen. Immerhin sehen die Eckdaten der Haushaltskonsolidierung vor, dass die derzeit mit rund 20 Millionen Euro jährlich finanzierte Osnabrücker Kultur auf 1, 6 Millionen Euro an öffentlichen Mitteln verzichten soll. " Ich habe keine Idee, wie es hier kulturell weitergehen soll", kommentierte Rita Maria Rzyski die Kürzungspläne. Dabei gehe es nicht mehr um kulturpolitische Konzeptionen, sondern nur noch um eine finanzpolitische Sicht auf die Kultur.

Sie sehe im Kulturhaushalt jedenfalls " kein vernünftiges Einsparpotenzial mehr", sagte die Dezernentin, zumal zu den Zielen der Stadtentwicklung ja auch gehöre, den Stellenwert Osnabrücks als Oberzentrum zu stärken. Rzyski: " Das spricht eigentlich nicht für Kürzungen."

Der Vorstand der Stadt Osnabrück berät den Angaben zufolge in den nächsten Tagen über die Einsparpläne. Die Stadtgalerie stand übrigens zuletzt auch schon einmal zur Disposition. Keine guten Aussichten also für den kleineren Ausstellungsort der Kunsthalle Osnabrück.

Mehr Berichte über Osnabrücker Kultur politik sowie mehr Bilder auf www.noz.de/ kultur
Bildtexte:
Wieder einmal in Gefahr: Die Osnabrücker Stadtgalerie zeigt bis ende 2015 keine neue Ausstellung mehr.
Sie sorgten zuletzt in der Stadtgalerie für Aufsehen: das Künstlerduo CALMA (Caroline Diersmann und Alma von Brill.
Fotos:
Jörg Martens, Michael Gründel

Kommentar
Bekennt Euch zum Kulturabbau!

Die Eckwertdaten für den Kulturhaushalt sind eine Kampfansage an die Kultur. Will die Stadt sie umsetzen, muss sie sich bekennen: dazu, Einrichtungen zu amputieren, Institutionen zu opfern, Kultur abzubauen. Mit dem feinen Besteck der plastischen Chirurgie lassen sich keine 1, 6 Millionen Euro herausschneiden. Für diese Operationen braucht es das schwere Gerät. Ob das den Haushalt konsolidiert, ist allerdings fraglich.

Fest steht nun der unerträgliche Phantomschmerz. Die Einrichtungen mussten schon etliche Kürzungen verkraften; wird die Schraube weiter angezogen, leiden Angebot und Qualität. Das gilt für Museen wie für die Musik- und Kunstschule oder die Stadtbibliothek.

Bei Institutionen dieser Größe muss die Stadt ansetzen, will sie die gewünschte Einsparsumme realisieren. Oder sie fegt die gesamte freie Szene vom Tisch. Wie auch immer: Das Stadtprofil reduziert sich dann auf Einkauf und Fußball was beides wichtig und richtig für Osnabrück ist. Wie aber soll der Gedanke der Friedenskultur ohne vitale Kulturszene gelebt werden? Nun, vielleicht schreiben sich Antworten auf diese Frage mit dem Rotstift besonders gut.

Kulturhaushalt
Größter Geldempfänger im Kulturbereich sind die Städtischen Bühnen: Im Jahr 2014 erhielten sie 10, 68 Millionen Euro; das entspricht nicht ganz der Hälfte des Kulturetats, der sich, für das Jahr 2014, auf 23 135 165 Euro belief. Ebenfalls im siebenstelligen Bereich bewegen sich das Kulturgeschichtliche Museum/ Felix-Nussbaum-Haus (2, 54 Millionen Euro), die Stadtbibliothek (2, 27 Millionen Euro), das Museum am Schölerberg (1, 89 Millionen Euro) und die Musikschule (1, 74 Millionen Euro).
Im sechsstelligen Bereich ragt die Kunsthalle heraus; sie erhielt 2014 757 000 Euro, gefolgt von der Lagerhalle mit 478 000 Euro. Das Büro für Friedenskultur ist der Stadt 441 000 Euro wert, Remarque-Ausstellung und Justus Möser schlagen mit knapp 302 000 Euro zu Buche. Es folgt im Ranking der Geldempfänger die Kunstschule, für die die Stadt 218 000 Euro aufwendet. Die Archäologische Denkmalpflege kostet 196 000 Euro, das Remarque Friedenszentrum 129 000 Euro. In der gleichen Kategorie bewegen sich Fokus (122 000 Euro), Piesberger Gesellschaftshaus (117 500 Euro) und EMAF (105 000 Euro).
Am Landschaftsverband beteiligt sich die Stadt mit 96 000 Euro, das Morgenland Festival erhält 85 000 Euro und das Figurentheater 73 000 Euro. Namhafte Beträge erhalten schließlich der Friedenspreis (50 000 Euro) und die Friedensgespräche (45 900), danach wird es kleinteilig: Aktionszentrum 3. Welt, Filmfest, Gedenkstätte Augustaschacht gehören hierher und die freien Einrichtungen, die weniger als 10 000 Euro erhalten
Autor:
Stefan Lüddemann, Ralf Döring


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