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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Wo Eltern alle Verkehrsregeln egal sind
Zwischenüberschrift:
Vor den Grundschulen herrscht das Chaos – Eine Polemik
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Eltern sind das größte Problem. Wenn sie ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen oder abholen, mähen sie alle Regeln des Straßenverkehrs nieder. Das ergab nun eine emotionale Alltagsanalyse im Beirat für Kinderinteressen. Gemeinsam mit Polizisten und Vertretern der Stadt skizzierten Schüler, Lehrer, Schulleiterinnen und Elternvertreter von zwölf Grundschulen tägliche Schreckensszenarien. Über das Unrecht in drei Zügen. Eine Polemik.

Sie sind der Schrecken aller Osnabrücker Grundschulen: renitente Eltern. Wenn sie vorfahren, dann am liebsten mit Vollgas direkt ins Klassenzimmer. 200 Meter Fußweg vom Parkplatz bis zur Schule? Unüberwindbar. Zum Glück gibt es die fixe Lösung: Eltern parken bequem in der großräumigen Feuerwehrzufahrt auf Schulhöfen, wenden auf dem Zebrastreifen und verschieben den Plausch mit der Nachbarin kurzerhand ins absolute Halteverbot. Schöner kann man gemeinsam mit Kindern keine Regeln verletzen.

Wen diese Eltern dabei in Dreißigerzonen platt mähen, welche Dötze sie verunsichert am Zebrastreifen warten lassen und auf wessen gelben Schulweg-Füßchen sie am Ende trampeln, ist völlig egal. Sie wollen schließlich nur das Beste für ihr Kind. Da wird noch schnell das Schirmchen rausgereicht und die Mütze richtig über die Ohren gezogen. Nicht dass das Hupen des Hintermanns zu laut in die kleinen Ohren fährt. Kiss and ride. Ja klar, geht ja gleich weiter, Sekunde.

Dass diese Sekunde mitunter zur Minute und für die Eltern der Turnbeutelvergesser zur Stunde im Halteverbot wird, können doch die Eltern nicht ändern. Ihr Prozedere hat schließlich Tradition: Sie bringen das erste, zweite, dritte Kind zur Schule, werden alle Jahre wieder über die Verkehrssituation informiert nur die Sache mit dem Parken, die können sie sich irgendwie nicht merken.

Das Schulhofphänomen

" Oh, vergessen", lautet das klassische Schulhofphänomen, das Eltern in einem Radius von 500 Metern um die Schule zum ach so ahnungslosen Erstklässler werden lässt. Erinnerungsstützen helfen nicht: Elternabende, Gespräche, selbst gemalte Warnschilder für die Tonne, zeigt der Praxistest der Schulen.

Die Grundschule " In der Wüste" hat gleich das Wohlfühlprogramm " Schöner parken" ausgepackt. Eltern helfen Eltern und erklären sich gegenseitig das richtige Parken auf dem ausgewiesenen Platz. Doch die Buchten überfordern. Schließlich sind die immer frei. Kann das richtig sein? Dann doch lieber dahin, wo sich alle mittags drängeln und schnell das eigene Kind ranhupen. Die Grundschule Pye hat statt aufs Bonbon auf Saures gesetzt und die Schüler Zitrusfrüchte an Falschparker verteilen lassen. Auch dieser saure Wink mit der Zitrone befördert eher den Jagdtrieb auf das kostenlose Obst, als dass er Dreistparker ausbremst. An der Elisabeth-Siegel-Schule werden Lehrer und Eltern, die aufklären, beschimpft. Nur wenn die Schulleiterin als Wache postiert wird, bleiben die hartnäckigen Eltern exakt zwei Tage fern. Danach kommen sie wieder. Selbst die große Keule Knöllchen von Polizei und OS-Team lässt Eltern nicht zittern. Das investieren sie doch gerne in ihr Kind. Müssen die zwölf Grundschul-Vertreter, die sich an diesem Abend in einem Klassenraum in der Wüste selbst zum Nachsitzen in Sachen Verkehrserziehung verdonnert haben, ihre Eltern für austherapiert erklären? Soll es das gewesen sein?

Nägel vor die Schulen

" Vielleicht brauchen wir einfach eine technische Lösung, die Eltern am Halten hindert", meint eine Lehrerin. " Nägel", kommt es spontan aus den hinteren Reihen. Applaus, Lachen, dann ein Moment der Stille, der vermuten lässt: Hier könnte eine wirksame Lösung gefunden sein. Nägel vor allen Grundschulen in Osnabrück.

Nein, so pragmatisch will man dann doch nicht vorgehen. Schnell wird der Pädagoge wieder ausgepackt. " Es geht hier um ein Kopfding", sind die Anwesenden sich einig. Allenfalls im Bewusstsein wollen sie etwas anstechen. Das aber nachhaltig über den nächsten Elternsprechtag hinaus.

Übergreifende Thementage zur Verkehrssicherheit sind nun in Planung, erstmals gemeinsam gegen Verkehrsrowdys und für mehr Sicherheit, vor allem für die Kinder. Schließlich wollen doch alle nur ihr Bestes oder nicht?
Bildtext:
Kein Einzelfall, sondern Massenphänomen: In der Stoßzeit eilen Eltern zu Grundschulen, um ihre Kinder abzuholen. Gern parken sie, wo gerade Platz ist wie hier in der Schwenkestraße vor der Grundschule Eversburg.
Foto:
Jörn Martens
Autor:
Anne Spielmeyer


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