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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Bündnis gegen Stromtrassen
 
Breites Bündnis gegen Stromtrassen
Zwischenüberschrift:
Städte und Gemeinden wollen länderübergreifende Zusammenarbeit forcieren
Artikel:
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Originaltext:
Melle. Über Ländergrenzen hinweg wollen Städte und Gemeinden entlang der geplanten 380-kV-Stromtrassen in der Region auch bei unterschiedlichen Inte ressenlagen noch enger zusammenarbeiten. Gemeinsames Ziel: Für die Bürger sollen beim Bau von Freileitungen optimale Lösungen gefunden werden. Das ist ein Ergebnis einer Informationsveranstaltung in Wellingholzhausen, die auf Einladung der Bürgerinitiative " Keine 380-kV-Freileitung am Teuto" zustande kam. Anwesend waren auch zahlreiche Vertreter aus Politik und Verwaltung, darunter Bundes- und Landtagsabgeordnete, alle Bürgermeister der vom Trassenverlauf betroffenen Kommunen sowie Bernhard Heidrich von der Regierungsvertretung Oldenburg, der das anstehende Raumordnungsverfahren führen wird.

Melle. Länderübergreifend wollen alle Städte und Gemeinden entlang der geplanten Stromtrasse enger zusammenrücken und auch bei unterschiedlichen Inte ressen gemeinsam vorgehen, um für die Bürger beim geplanten Neubau der 380-kV-Höchstspannungsfreileitung eine optimale Lösung zu finden. Das ist das Ergebnis des Beratungsgesprächs mit Lorenz Jarass auf Einladung der Bürgerinitiativen " Keine 380-kV-Freileitung am Teuto".

" Es war anstrengend", bilanzierte Initiativensprecher Frank Vornholt aus Wellingholzhausen nach der Tagung im Fachwerk 1775 in Wellingholzhausen. Dort tagten neben den Sprechern aller Bürgerinitiativen entlang der Trasse von Lüstringen nach Gütersloh (Borgholzhausen, Wellingholzhausen, Borgloh, Holsten-Mündrup, Bissendorf und Voxtrup) auch zahlreiche Vertreter aus Politik und Verwaltung, darunter Bundes- und Landtagsabgeordnete, alle Bürgermeister der vom Trassenverlauf betroffenen Kommunen sowie Bernhard Heidrich von der Regierungsvertretung Oldenburg, der das anstehende Raumordnungsverfahren führen wird.

" Eine Trasse mit mehr als 90 Prozent hohem bis besonders hohem Konfliktpotenzial betreffend Schutzgüter Mensch und Natur, das habe ich in 20 Jahren noch nicht erlebt", betonte Jarass. Hintergrund ist das Gutachten des Planungsbüros Grontmij im Auftrag des Netzbetreibers Amprion, das die Auswirkungen des Neubaus einer Höchstspannungsfreileitung mit zweimal 380 kV auf der bestehenden Trasse untersucht hat.

Erdverkabelung im Fokus

Im Gegensatz zu den festgelegten Zielen der Energiewende soll das Stromnetz für eine Einspeisung von Kohlestrom auch bei hoher Einspeisung von erneuerbarem Strom ausgebaut werden, so Jarass: " Das bedroht die Energiewende und widerspricht den Zielen des Klimaschutzes", kritisierte er.

Eine Erdverkabelung müsse nicht zwingend auf die im Energieleitungsausbaugesetz (EnLAG) festgelegten vier Pilotstrecken beschränkt werden. Die zuständige Behörde könne auch eine Teilverkabelung anordnen: " Die Kosten dafür sind vernachlässigbar klein, im Vergleich zu den Gesamtkosten." Auch sei die Trassenbreite längst nicht so extrem wie von den Netzbetreibern angegeben. Jarass bezifferte sie mit 15 bis 20 Metern.

Jarass ist Experte für den Netzausbau und Wirtschaftsprofessor an der Hochschule Rhein-Main Wiesbaden. Er wird als Fachmann unter anderem in verschiedenen Gremien des Bundestages zum Thema Netzentwicklung gehört und berät zahlreiche Gemeinden und Initiativen, die den Netzausbau und den Freileitungsbau infrage stellen und sich für eine Erdverkabelung aussprechen.

Wenngleich die Interessen der Kommunen entlang der Trasse unterschiedlich gelagert sind, eine bürgerfreundliche Variante könne nur gefunden werden, wenn alle Kommunen von Wehrendorf bis Gütersloh zusammenarbeiteten, so Jarass. Da ein zeitnaher Abschluss der Planfeststellung auf westfälischer Seite Übergabepunkte vorgeben würde, sei zu befürchten, dass dies das Raumordnungsverfahren in Niedersachsen beeinflussen würde. Die Bürgerinitiativen hoffen daher, dass sich die Behörden länderübergreifend abstimmen, um die konfliktärmste Lösung zu finden.

" Der große Zusammenschluss von Vertretern aller politischen Ebenen, Fachleuten und Bürgerinitiativen war besonders wichtig", resümierte André Berghegger. Wenngleich die Informationsstände und Sichtweisen der Betroffenen unterschiedlich seien: Ein erster Schritt zu einer länderübergreifenden Abstimmung mit dem Ziel, gleichmäßig vorzugehen, sei jetzt erreicht worden, betonte der CDU-Bundestagsabgeordnete: " Viele Fragen sind noch offen, wir haben heute einen ersten Schritt auf einem langen Weg gemacht", sagte Berghegger.

Es gelte nun, die ausgetauschten Informationen auszuwerten: " Jeder möge an seiner Stelle für seine Sache und seinen Standpunkt werben mit dem Ziel, die Bürger durch den Neubau der Trasse wenig zu belasten", erklärte Berghegger.

Als Signal der Wertschätzung für die bisher geleistete Arbeit bewertete Initiativensprecher Frank Vornholt den Verlauf der Konferenz. Auch wenn der Kenntnisstand unterschiedlich sei: Alle Betroffenen müssten enger zusammenrücken und sich besser abstimmen. " Insgesamt eine erfolgreiche Veranstaltung", so das Fazit.
Bildtexte:
Im Osnabrücker Land sollen bestehende Stromtrassen durch neue 380-kV-Leitungen ersetzt werden.
Prof. Lorenz Jarass
Foto:
Archiv/ Martens

Kommentar
Schachzug

So unterschiedlich die Interessen der Kommunen, Bürgerinitiativen, Politiker und Behörden zum geplanten Neubau der Stromtrasse auch sein mögen, sie alle vereint das Ziel, eine für die Bürger möglichst verträgliche Lösung zu finden. Dass Netzbetreiber Amprion die Trasse realisieren wird, ist aufgrund der Rechtsgrundlage unbestritten. Die Leitung wird gebaut, fraglich ist die Detailumsetzung. Dort setzt die Arbeit der Bürgerinitiativen an. Ihre Akzeptanz wächst von Woche zu Woche, und dass sie mit Lorenz Jarass einen prominenten Experten für Netzausbau ins Boot holen, ist ein kluger Schachzug. Dass die Initiativen dabei zudem auf Information statt auf Konfrontation setzen, kann sich langfristig nur auszahlen.
Autor:
Simone Grawe


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