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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Medienbriefe: Geschädigte gründen Verein
 
Neuer Verlag in der Hinterhand?
Zwischenüberschrift:
Sonntagszeitung: Gleichnamige Gesellschaft in Berlin gegründet – Anwälte vermuten Zeitschinderei
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Inhaber von Medienbriefen der Osnabrücker Sonntagszeitung haben einen Verein gegründet. Der " Unterstützungsverein der Medienbrief-Geschädigten e.V." soll im Streit mit dem Verleger Norbert Fuhs die Interessen der stillen Gesellschafter vertreten und möglichst viele der Einlagen retten. Dem Verlag der Sonntagszeitung, der Enorm Verlagsgesellschaft mbH, droht die Insolvenz. In dem Fall verlieren die Medienbrief-Inhaber ihre Einlagen von 5000 Euro pro Brief. Nach Einschätzung zweier Rechtsanwälte steht in Berlin bereits eine neue Enorm Verlagsgesellschaft mbH bereit, im Falle einer Insolvenz die Nachfolge anzutreten. Gesellschafter und Geschäftsführer dieses Berliner Enorm-Verlages ist der Fuhs-Vertraute und ehemalige Osnabrücker Ratsherr Heinz-Josef Klekamp.

Osnabrück. Der kriselnde Verlag der " Osnabrücker Sonntagszeitung", die Enorm Verlagsgesellschaft mbH, hat einen Doppelgänger mit demselben Namen in Berlin. Rechtsanwälte vermuten, dass sich dort eine Nachfolgegesellschaft bereit macht, sollte die " Sonntagszeitung" in die Insolvenz gehen.

" Die Namensgleichheit ist schon verdächtig", sagt Anwalt Dimitri Rimscha, der Inhaber von Medienbriefen in ihrer Auseinandersetzung mit dem Verleger der " Sonntagszeitung", Norbert Fuhs, vertritt. Aber mehr noch mache eine personelle Querverbindung zwischen den beiden namensgleichen Gesellschaften hellhörig, sagt Rimscha: Geschäftsführer der neuen Enorm Verlagsgesellschaft in Berlin ist Heinz-Josef Klekamp, der Anwalt von Norbert Fuhs. Geschäftszweck ist laut Handelsregister unter anderem " Herstellung, Vertrieb von Verlagserzeugnissen aller Art und Betreiben eines Callcenters". Als Firmensitz wird die Kinzigstraße 40 in Berlin angegeben. Gesellschafter des Berliner Enorm Verlages ist die " MKB Mittelständische Kapitalbeteiligungsgesellschaft mbH", ebenfalls mit Sitz in der Kinzigstraße 40 in Berlin. Und deren Gesellschafter und Geschäftsführer ist wiederum der Fuhs-Anwalt Heinz-Josef Klekamp, der allein das Stammkapital von 250 000 Euro eingebracht hat.

Die neue Enorm Verlagsgesellschaft ist laut Handelsregister in diesem Jahr gegründet worden. Die letzte Änderung datiert vom 29. Juli 2013 also zwei Monate nachdem die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen Norbert Fuhs wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung öffentlich geworden waren und stille Gesellschafter die Medienbriefe in Scharen gekündigt hatten. Rechtsanwalt Dimitri Rimscha und sein Kollege Jörg Haferkorn vermuten, dass Fuhs und sein Anwalt eine Nachfolgegesellschaft für den von der Insolvenz bedrohten Verlag der " Sonntagszeitung" vorbereiten. Sollte der Osnabrücker Enorm Verlag in die Insolvenz gehen und liquidiert werden, könnte ein neuer Verlag unter demselben Namen an dessen Stelle treten. Weder Fuhs noch Klekamp wollten dazu Stellung nehmen. Auch zur weiteren Entwicklung der " Sonntagszeitung" wollte sich Fuhs nicht äußern.

Im jüngsten Schreiben an die Medienbrief-Inhaber bedankt sich Fuhs für die " enorme Unterstützung" die die " Osnabrücker Sonntagszeitung" zurzeit erfahre. Bereits über zwei Drittel der Medienbrief-Inhaber hätten bisher ihre Zustimmung zum Restrukturierungsprogramm erklärt. " Wir sind bemüht, auch von den übrigen Medienbrief-Inhabern noch die Zustimmung zu erhalten", schreibt Fuhs. Weiter heißt es: " Nach unseren Vorstellungen sollen bis zum 31. Dezember dieses Jahres die Restrukturierungsmaßnahmen abgeschlossen sein, sodass dann die Zahlungen Anfang Januar 2014 abgewickelt werden können."

Die Anwälte Rimscha und Haferkorn halten das für Zeitschinderei. Fuhs wolle die Leute beruhigen, was ihm aber nicht gelinge. Denn es sei nicht zu erwarten, dass Fuhs alle Medienbrief-Inhaber dazu bewegen könne, auf 80 Prozent ihrer Einlagen zu verzichten, um den Verlag zu retten. Ein Betriebswirtschaftler, dessen Eltern Medienbriefe besitzen, bezeichnet das Schreiben als " Bluff". Er bereite zurzeit eine Klage gegen Norbert Fuhs wegen schwerer Pflichtverletzungen als Geschäftsführer vor.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Verleger wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung. Fuhs finanziert den Enorm Verlag durch die Herausgabe von Medienbriefen zu 5000 Euro pro Stück. Er zahlte Renditen von 4, 75 bis 6, 15 Prozent, obwohl der Verlag laut der im Bundesanzeiger veröffentlichten Bilanzen seit Jahren Verluste machte, die sich bis 2011 auf 6, 3 Millionen Euro summierten.

Nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft konnte Fuhs ab 2010 die Zinsen nur zahlen, indem er immer neue Medienbriefe verkaufte. Da rin sehen die Ermittler ein betrügerisches Schnellballsystem. Der Gesamtbetrag für die ausgegebenen Medienbriefe soll sich auf 8, 46 Millionen Euro belaufen.

Das aktuelle Sanierungskonzept sieht vor, dass Medienbrief-Besitzer, die ihre Einlagen gekündigt haben, auf 80 Prozent ihres Geldes verzichten. Wer seinen Medienbrief bis 2019 behält, soll jährlich 1, 5 Prozent Zinsen bekommen. Das Rettungskonzept setzt voraus, dass alle Medienbrief-Inhaber mitziehen.

Anwalt Rimscha meint: " Das kann nicht funktionieren." Sein Mandant bereite die Gründung eines Vereins für Medienbrief-Geschädigte vor. Ansprechpartner des " Unterstützungsvereins der Medienbrief-Geschädigten e. V.: Ralf Neumann Telefon 01 62/ 7 90 38 52, E-Mail r.neumann01@ gmx.net.
Bildtext:
Die Enorm Verlagsgesellschaft, die die " Osnabrücker Sonntagszeitung" herausgibt, hat in diesem Jahr einen Doppelgänger mit demselben Namen in Berlin gegründet.
Foto:
Archiv/ Stefanie Hiekmann
Autor:
Wilfried Hinrichs


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