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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
"Auf der Flucht erschossen"
Zwischenüberschrift:
Hermann August Beening wurde 1942 Opfer der Militärjustiz
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Hermann August Beening wurde 1942 erschossen auf der Flucht aus der Gefangenschaft, wie es hieß. Er wurde nur 24 Jahre alt. Jetzt erinnert ein Stolperstein an den jungen Mann aus dem Stadtteil Schinkel. Er wurde im Zweiten Weltkrieg Opfer der nationalsozialistischen Militärjustiz.
Es war eine späte Würdigung für einen Onkel und Großonkel, über den die Familie früher kaum gesprochen hat vermutlich, weil er im Zweiten Weltkrieg als Deserteur erschossen worden war. Noch viele Jahre später galt dies als Makel. Spätestens mit der Verlegung des Stolpersteins fällt ein anderes Licht auf das Schicksal von Hermann August Bee ning. Wo er als junger Mann gelebt hatte, an der Schinkelstraße 38, versammelten sich auch Verwandte dieses Opfers des Nationalsozialismus: Egon Beening, ein Neffe von Hermann August, ist 84 Jahre alt, und er lebt mit seiner Frau Edda im Widukindland. Auch ihr Sohn Ralf, der in Bruchmühlen lebt, und Sohn Michael, der Pastor in Stemwede-Dielingen ist, waren da.
" Leise Gespräche"
Egon Beening erinnerte sich an " leise Gespräche" in der Familie, wenn es um seinen Onkel ging. Sein Sohn Michael ergänzte: " Es wurde nicht viel über ihn geredet." Hermann August Beening war 1918 in Osnabrück zur Welt gekommen. Überliefert ist, dass er sich im Mai 1939 eine Hirnhautentzündung zugezogen hatte, die noch nicht geheilt war, als er in den Krieg ziehen musste. Wie Lisa Böhne vom Initiativkreis Stolpersteine anhand von Andeutungen aus Fragmenten vermutet, war der junge Mann aus Schinkel in Behandlung eines Psychiaters. Und dann kam der Krieg. Von Oktober 1939 an wurde er in verschiedenen Fliegereinheiten ausgebildet. 1940 und 1941 war er sechs- mal in Lazaretten unter anderem in Hamburg, Königsberg, Halle und Elbing in Behandlung. Dort beobachteten Ärzte ihn als " geistig minderwertige Persönlichkeit" und schrieben ihn stets aufs Neue wieder dienstfähig unter anderem in einer Ergänzungstruppe eines Kampfgeschwaders in Krakau oder zur technischen Kompanie einer Segelfliegerschule in Neuenhaus.
Offene Fragen
Weshalb er 1941 ins Wehrmachtsgefängnis in Torgau und Glatz kam, ist nicht bekannt. 1942 musste er in verschiedenen Feldstraf-Gefangenenabteilungen Dienst tun, möglicherweise in einer Bautruppe zum Minenlegen oder - räumen, zum Stellungsbau an der Front oder zum Straßenbau. Zuletzt befand sich Hermann August Beening in der vierten Kompanie der Feldstraf-Gefangenen-Abteilung. Nach damals offiziellen Angaben ist er dort bei einem Fluchtversuch am 19. Dezember 1942 in Otschki erschossen worden. Was tatsächlich geschehen ist, bleibt ungeklärt.
Monika Ratermann-Böhmer von der Heilig-Kreuz-Kirche trug bei der Stolpersteinverlegung vor, was von Hermann August Beening überliefert ist. Dass er nur 24 Jahre alt wurde, brachte Ute Albers auf die Frage: " Wie waren wir in dem Alter?" Sie ist sich sicher: Den jungen Mann begleitete damals Angst offenbar nicht alleine an der Front, sondern auch vor der Willkür in der Wehrmacht.
Die verschleppte Hirnhautentzündung und mögliche psychische Störungen wurden Hermann August Beening offenbar zum Verhängnis. Zu der Zeit erklärten Militärärzte psychische Symptome oft mit " Minderwertigkeit" und machten damit die Soldaten selbst verantwortlich nicht den Krieg. Diese Haltung teilten in vielen Fällen auch die Angehörigen dieser Opfer des Nationalsozialismus, weshalb sie oft schwiegen, sich gar schämten. Die Verlegung des Stolpersteins ist eine späte Würdigung auch für Hermann August Beening.
Bildtext:
Schinkelstraße 38: Hier lebte Hermann August Beening, der 1942 als Deserteur erschossen wurde.
Fotos:
Klaus Lindemann

Stolpersteine
In Gehwegen erinnern Messingplatten an Opfer des Nationalsozialismus - jeweils vor den letzten freiwilligen Wohn- oder Arbeitsstätten der Verfolgten. Der Kölner Künstler Gunter Demnig ist Initiator des Projektes, dem sich europaweit mehrere Hundert Kommunen angeschlossen haben. Paten des Stolpersteins für Hermann August Beening sind die Firmlinge der Heilig-Kreuz-Gemeinde. Verlegt haben ihn die Schüler Mario Berstermann, Artur Bulanovic, Ilker Ciftci, Fabian Maihöfer, Marvin Aistermann und Lucas Meyer vom Berufsschulzentrum am Westerberg. Das Büro für Friedenskultur nimmt für weitere Gedenktafeln Hinweise über Opfer des NS-Regimes entgegen. Die Telefonnummer lautet
05 41/ 323-22 87. Die nächsten Stolpersteine werden am Donnerstag, 12. Dezember, verlegt.
Autor:
Jann Weber


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