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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Leserbrief
Zwischenüberschrift:
Stolpersteine springen im Alltag ins Auge
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Zum Artikel " Mini-Gedenkstätten auf den Bürgersteigen München lehnt die Verlegung von Stolpersteinen ab, in Osnabrück verwandelten sich Kritiker zu Paten" (Ausgabe vom 15. August).

" Ich halte die Entscheidung des Münchner Stadtrats, die Verlegung von Stolpersteinen nicht zu genehmigen, für nachvollziehbar aber falsch. Die Stolpersteine sind aus meiner Sicht die wohl nachhaltigste Form des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Und dies aus mehreren Gründen:

1. Die Stolpersteine erinnern aufgrund ihrer großen Zahl zugleich an die Masse der Opfer aller Opfergruppen und an den einzelnen Menschen. Namen und damit Schicksale werden sichtbar gemacht. Aufgrund der im Internet veröffentlichen Lebensdaten lässt sich der Lebens- und Leidensweg der Menschen, deren Namen auf einem Stolperstein zu finden sind, leicht nachvollziehen. Hier wird auch sichtbar, dass die Juden zwar die zahlenmäßig größte Opfergruppe waren, aber eben nicht die einzige, sondern auch Sinti und Roma, politisch Andersdenkende, geistig und körperlich Behinderte, Homosexuelle, Zeugen Jehovas

2. Stolpersteine machen sichtbar, was viele nach 1945 nicht wahrhaben wollten, nämlich dass die Opfer der nationalsozialistischen Rassenideologie aus der Mitte der Gesellschaft stammten, aus der unmittelbaren Nachbarschaft. Um einen historischen Sachverhalt dem Vergessen zu entreißen, brauchen wir Erinnerungsorte wie Gedenkstätten und Mahnmale, an denen wir das Gedenken verorten können. Dazu zählt in Osnabrück zum Beispiel das Mahnmal in der Alte-Synagogen-Straße oder der Gestapokeller. Die Stolpersteine können diese Erinnerungsorte nicht ersetzen, aber sinnvoll ergänzen, indem sie zeigen, wo die Menschen, denen dort Leid zugefügt wurde, in ihrem Alltag gelebt haben.

3. Stolpersteine sind unaufdringlich und unpathetisch. Sie verlangen von dem, der vorübergeht, kein Innehalten, kein politisch korrektes Gedenken, wenn man gerade gedanklich mit ganz anderen Dingen beschäftigt ist. Dennoch können sie, gerade dann, wenn man nicht da rauf gefasst ist, ins Auge springen und zu einem kurzen Gedenken einladen. Das macht die Stolpersteine beispielsweise im Vergleich zum Holocaust-Memorial in Berlin so wertvoll, wo sich angesichts der auf und zwischen den Stelen spielenden Menschen ein erinnerndes Gedenken oftmals nur schwer einstellen will. [...]"

Dr. Friedemann Neuhaus

Osnabrück
Autor:
Dr. Friedemann Neuhaus


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