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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Wie bunt dürfen Särge sein?
Zwischenüberschrift:
Werbung auf Friedhöfen verboten – Schmuck auf Grabsteinen ist umstritten
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Was im Leben gilt, gilt auch für den Tod: Die Ansprüche werden immer individueller. Während es früher fast nur die klassischen Natursärge aus Eiche und Kiefer gab, werden bei den Bestattern und Sargbauern heutzutage die verschiedensten Holzarten und Farben nachgefragt. Das Osnabrücker Bestattungshaus Wilhelm Schulte hat sogar einen Sarg im schwarzen Klavierlack und mit 167 Swarovski-Steinen im Angebot.

Wenn der Bestatter Daniel Witte über den Swarovski-Sarg spricht, dann gerät er regelrecht ins Schwärmen: " Die eingelassenen Swarovski-Steine ziehen sich quer über den schwarz hochglänzenden Deckel." Noch habe niemand das exklusive Modell angefragt, " aber da wird sich schon bald jemand für das Einzelstück finden", ist Witte überzeugt. Er sei mit 6000 Euro etwa doppelt so teuer wie ein durchschnittlicher Sarg. Andere Kunden hätten bei dem Bestatter schon Sargdeckel in Auftrag gegeben, die die Lebenslinie symbolisieren. In dem Sarg würden auch gerne mal Schmuckkästchen aus Holz eingeklebt.

Eigentlich müssen die Särge vergänglich sein, doch die Abteilungsleiterin Friedhöfe und Bestattungen beim Osnabrücker-Service-Betrieb (OSB), Eva Güse, erläutert: " Wenn es nur so wenige Swarovski-Steine sind wie bei diesem Sarg, dann ist das zu vernachlässigen." Der Anteil der Steine mache im Verhältnis zum Sarg nur einen sehr geringen Anteil aus. " Wenn die Verstorbenen eine Haarklammer oder einen Ehering tragen, dann entfernen wir die auch nicht."

QR-Code auf Grabstein

Der Sargbauer Schmidt-Hendker aus Glandorf berichtet sogar, dass dort bereits ein Sarg in den lila Farben des VfL Osnabrück in Auftrag gegeben wurde. Das Osnabrücker Bestattungshaus Pietsch hatte ebenfalls mal eine Anfrage für einen Sarg in den Farben eines Fußballvereines, lehnte das aber ab, weil dem Bestatter das zu weit ging. Die Friedhofssatzung der Stadt Osnabrück schreibt dazu: " Jede Grabstätte ist so zu gestalten, dass die Würde des Friedhofs gewahrt wird, vermeidbare Beeinträchtigungen anderer Grabstätten insbesondere bei der Beisetzung unterbleiben und der Friedhofszweck nicht behindert wird." Umfang und Inhalt von Grab inschriften müssen bei der Grabmalaufstellung angezeigt werden.

Politische Inhalte sind der Satzung zufolge unzulässig. Inwiefern es demzufolge zulässig wäre, einen Verstorbenen im Sarg in den Vereinsfarben des VfL Osnabrück neben einem Grab mit dem Sarg in den Vereinsfarben von Preußen Münster zu beerdigen, wird nicht beantwortet und müsste im Einzelfall geklärt werden.

Die OSB-Abteilungsleiterin Güse konnte nicht abschließend beantworten, ob auch der neueste Trend eine Chance auf Osnabrücker Friedhöfen hätte: QR-Codes auf Grabsteinen. Erstmals hatte der Kölner Steinmetz Andreas Rosenkranz damit auf sich aufmerksam gemacht. Den sogenannten " Quick-Response-Code" können Friedhofsbesucher über spezielle Anwendungen wie Apps mit dem Smartphone auslesen und sich so mit einer Webseite im Internet verbinden. Rosenkranz nennt das " Grabstein 2.0" Rosenkranz: " Die Grabsteine werden immer kleiner."

Immer weniger Platz

Auf Osnabrücker Friedhöfen beträgt die maximale Höhe der Grabmale 1, 40 Meter. Diese maximale Größe werde nur noch selten ausgenutzt, betont er. Folglich bleibe weniger Platz, um die immer individuelleren Wünsche zu befriedigen. Der QR-Code bilde die Möglichkeit, das Abbild des Verstorbenen einzubinden und dazu zwei bis drei Zeilen Text (160 Zeichen) zu schreiben. Rosenkranz liefert Gedenksteine mit QR-Codes bundesweit und vertreibt seine Grabsteine über Kooperationspartner nach eigenen Angaben ebenfalls ins ganze Bundesgebiet.

In Osnabrück gibt es allerdings noch keine Anträge für Grabsteine mit QR-Codes. " Grundsätzlich ist dies optisch zwar kein Problem", erklärt Güse vom OSB, " doch rechtlich wird das eher kritisch gesehen". Die Würde des Friedhofs dürfe nicht verletzt werden, auch Werbung sei nicht zulässig. " Das Problem ist: Wir können nicht sicherstellen, dass die Internetseiten, die hinter einem QR-Code liegen, geändert werden", erläutert Güse. " Wenn jetzt ein Antrag für einen Grabstein mit QR-Code gestellt würde, dann müsste das Rechtsamt der Stadt das erst mal prüfen."
Bildtext:
Daniel Witte vom Bestattungsunternehmen Wilhelm Schulte mit einem Sarg aus Eichenholz, der mit 167 Swarovski-Steinen bestückt ist.
Foto:
Michael Gründel
Autor:
Jean-Charles Fays


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