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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Mord im Keller
Zwischenüberschrift:
1941 töteten Nationalsozialisten den Invaliden Heinrich Funke
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
Osnabrück. Wo sich heute an der Herrenteichsstraße der Eingang zu einem Parkhaus befindet, lebte einst Heinrich Funke bevor er Patient in der Heil- und Pflegeanstalt wurde. Nationalsozialisten ermordeten ihn 1941 mit Gas. Jetzt erinnert ein Stolperstein an ihn.
Was aus Heinrich Funkes Leben überliefert ist, lässt viele Fragen offen. 1901 kam er in Holsten-Mündrup zur Welt. 1919 im Jahr nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurde er aus der Strafanstalt Brock-Westbevern entlassen. Lisa Böhne vom Initiativkreis Stolpersteine ging bei den Recherchen für die Verlegung der Frage nach, ob die Haft mit Geschehnissen während des Krieges zusammenhing, fand jedoch keinen Hinweis.
Zunächst wohnte Heinrich Funke im Haus Lohstraße 21. Dort lebte auch die Magd Franziska Funke möglicherweise seine Schwester. Wie Lisa Böhne herausfand, kam Heinrich Funke 1919 erneut ins Gefängnis offenbar nach Hamm, von wo aus er 1922 entlassen wurde und in die Lohstraße zurückkehrte. 1932 zog er in die Herrenteichsstraße 13/ 14. Nach offiziellen Vermerken war er lediger Arbeiter.
1935 hieß es, Heinrich Funke sei Invalide. Er gab seine Wohnung auf, zog in die Heil- und Pflegeanstalt zum Gertrudenberg und blieb dort, bis ein anderes Unheil über ihn hereinbrach. Adolf Hitler ließ Tötungsanstalten bauen und unterstellte sie einer Verwaltung an der Tiergartenstraße 4 in Berlin. Beamte erfassten Anstaltspatienten, um sie unter anderem nach ihrer Arbeitsfähigkeit zu beurteilen. 200 000 Menschen fielen auf diese Weise durch das Raster der nationalsozialistischen Ideologie.
Im April 1941 war Heinrich Funke einer von vielen, die in einen der Busse steigen mussten, die den Gertrudenberg hinaufgefahren waren. Sie brachten die Patienten nach Eichberg in ein Zwischenlager. Dort standen sechs Wochen später wieder Busse vor der Tür dieses Mal, um die Patienten nach Hadamar zu bringen.
Ärzte untersuchten sie, doch ihre Aufgabe war es nicht zu helfen. Sie trugen die offiziellen Todesursachen ein. Der Duschraum im Keller entpuppte sich als Gaskammer. Sogenannte " Vergasungsärzte" öffneten den Hahn und ließen ihre Opfer kurze Zeit später verbrennen. Einer der Opfer dieses Massenmordes war Heinrich Funke.
Bildtext:
Herrenteichsstraße 13/ 14: Hier lebte Heinrich Funke bis 1935.
Fotos:
Klaus Lindemann

Stolpersteine
Messingplatten in Gehwegen erinnern an Opfer des Nationalsozialismus. Der Kölner Künstler Gunter Demnig ist Initiator des Projekts. Paten des Stolpersteins für Heinrich Funke ist Reinhold Klaßen. Verlegt haben ihn Mario Berstermann, Artur Bulanovic, Ilker Ciftci, Fabian Maihöfer, Marvin Aistermann und Lucas Meyer vom Berufsschulzentrum am Westerberg. Das Büro für Friedenskultur nimmt für die Recherche zu weiteren Verlegungen Hinweise unter der Telefonnummer 05 41/ 323-22 87 entgegen.
Autor:
Jann Weber


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