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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Zwei neue Sozialarbeiter für Flüchtlinge
Zwischenüberschrift:
Konzept für Asylbewerber
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Der Sozialausschuss hat für ein neues Flüchtlingskonzept votiert. Es sieht eine neue Koordinierungsstelle für die Flüchtlingssozialarbeit mit zwei Stellen vor. Diese sollen bei der Erstorientierung und bei der Strukturierung des Alltags helfen. Die Maßnahme sieht Gesamtkosten von 115 000 Euro vor. Der Rat entscheidet in der kommenden Sitzung über die Beschlussvorlage. Eine Bewilligung gilt als sicher, weil die Stadt auf die in nächster Zeit erwarteten 260 Flüchtlinge reagieren muss.

Einer der beiden neuen Sozialarbeiter soll ab Januar 2014 bei einem Interessenverband angesiedelt werden, der andere als Pendant dazu in der Verwaltung. Neu an dem Konzept ist, dass traumatisierte Flüchtlinge bei der Suche nach psychologischer Hilfe unterstützt werden. Außerdem sollen die neuen Koordinatoren mit der Volkshochschule Kurse für Analphabeten anbieten und bei der Antragsstellung von Sozialleistungen helfen. Bei der Schulanmeldung der Flüchtlingskinder in Sprachlernklassen soll es genauso Unterstützung geben wie bei der Eröffnung eines Kontos, bei der Anerkennung von ausländischen Abschlüssen, bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz und nach einjährigem Aufenthalt bei der Arbeitssuche.

Eine Vollfinanzierung der Sprachkurse ist allerdings nicht vorgesehen. Die Kosten von Sprachkursen für 200 Asylbewerber würden laut VHS bei 110 000 Euro liegen. Daher sollen die Kurse " angesichts der knappen Haushaltslage", wie es in der 16-seitigen Agenda heißt, " so weit wie möglich" von der neuen Koordinierungsstelle organisiert werden. Sie sollen Unterrichtsmaterialien und - räume kostenfrei zur Verfügung stellen. Ergänzend zu den Kursen zum Erlernen von Grundkenntnissen zur Alltagsbewältigung wird geprüft, inwieweit ehrenamtliche Unterstützung möglich ist. Eine Kooperation mit der Freiwilligen-Agentur sei denkbar.

Zudem beinhaltet das Konzept einen Kriterienkatalog für den Bezug von Privatwohnungen. Humanitäre Gründe liegen vor bei Familien mit schulpflichtigen Kindern, bei alleinstehenden Frauen, bei psychischen Problemen, Ausbildung, hohem Alter und bei Konflikten verschiedener Art. Zurzeit leben bereits fast die Hälfte der Flüchtlinge in privaten Wohnungen. Eine Gemeinschaftsunterkunft kostet pro Person 150 Euro, eine Privatunterkunft ist mindestens 200 Euro teurer. In dem Flüchtlingskonzept noch nicht erfasst sind Kosten, die sich ergäben, wenn es künftige einen noch höheren Anteil der Privatunterkünfte gäbe.

Positive Reaktionen

Der Sozialausschuss reagierte überwiegend positiv auf das Konzept. Der stellvertretende Ausschussvorsitzende Franz-Josef Schwack (CDU) lobte das " pragmatische und gute Konzept". Er betonte, dass mehr Ehrenamtliche beim Erlernen der Sprache helfen könnten. Paul Meimberg (SPD) kritisierte, dass verbindliche Zusagen bezüglich der Sprachkurse fehlen. Ingo Dauer (CDU) wollte wissen, welche Maßnahmen ergriffen werden, um zusätzliche Lehrkräfte zu mobilisieren, und wie viele es eigentlich auf dem Markt gebe. Stadträtin Rita Maria Rzyski hatte erläutert, dass der Markt für Unterrichtskräfte, die Deutsch als Zweitsprache anbieten, so gut wie leer gefegt sei. Die VHS habe Probleme, Honorarkräfte zu bekommen. Insgesamt lobte sie: " Das Konzept geht sehr weit über das hinaus, was wir vorher hatten." Sie versprach darüber hinaus eine Weiterentwicklung in Form eines " jährlichen kleinen Flüchtlingsberichtes".

Deutschkurse für Asylbewerber

Asylbewerber haben aktuell keinen Anspruch auf einen Deutschkurs, da ihnen noch kein Asyl gewährt wurde. Die Volkshochschule schlägt aber vor, den Asylbewerbern dennoch im ersten Jahr ihres Aufenthalts die Teilnahme an einem Basissprachkurs zu ermöglichen. Um das sogenannte Sprachniveau A 1, wie es auch im Rahmen des Ehegattennachzugs verlangt wird, zu erreichen, werden 200 bis 300 Unterrichtsstunden veranschlagt. Bei maximal 18 Teilnehmern würde ein Kurs mit 300 Unterrichtsstunden an der Volkshochschule 9700 Euro kosten.

Kommentar
Mehr Ehrenamtliche!

Allein die Reaktion auf eine Reportage unserer Zeitung über syrische Asylbewerber hat es gezeigt: Das ehrenamtliche Potenzial zur Unterstützung von Asylbewerbern ist riesig. Ungefragt meldeten sich vier Leser. Sie boten nicht nur Kleiderspenden und Hilfe als Integrationslotse an, sondern auch als Deutschlehrer. Eine pensionierte Lehrerin gab ehrenamtlichen Deutschunterricht, und ein Arzt meldete sich, um dem syrischen Kardiologen medizinische Fachbegriffe beizubringen. Wenn sich die Leute also schon ungefragt melden, um zu helfen, wie groß wäre das Engagement, wenn die Stadt offiziell dazu aufrufen würde? Dass die Hilfe dringend nötig ist, steht außer Frage. Gerade beim Erlernen der deutschen Sprache. Denn wenn nicht genug Geld und nicht ausreichend Lehrer zur Verfügung stehen, dann wird die ehrenamtliche Hilfe umso wichtiger.
Autor:
Jean-Charles Fays


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