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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Bildungs-Chancen für Flüchtlingskinder
Zwischenüberschrift:
Podiumsdiskussion der Studenteninitiative Weitblick
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Sie haben nicht nur das eigene Studium, sondern auch die Zukunftsperspektiven Benachteiligter im Blick: Seit zwei Jahren gibt es die bundesweite Studenteninitiative Weitblick auch am Hochschulstandort Osnabrück. Der Verein setzt sich für gerechtere Bildungschancen im In- und Ausland ein. Mit einer Expertendiskussion im Haus der Jugend griffen die Studenten jetzt die Situation von Flüchtlingskindern auf. Ein Problem, das im Aufnahmelager Bramsche-Hesepe praktisch vor der Haustür liegt.
Benefizpartys, WG-Konzert oder Spendenlauf: Die engagierten Studenten von Weitblick sind eigentlich bekannt für kreative Ideen beim Fundraising, also dem Eintreiben von Spenden. Mit dem Geld unterstützen sie Computerunterricht für Schüler in Tansania sowie Nachmittagsbetreuung für Kinder in den Armenvierteln Rio de Janeiros. " Wir fanden es jetzt wichtig, Aufmerksamkeit auf die Flüchtlingssituation zu lenken, die hier ganz akut ist. Besonders bei den hohen Hürden im deutschen Schulsystem", erklärte die Weitblick-Vorsitzende Jelena Brand.
Der Saal im Haus der Jugend war voll. Das Thema interessierte viele Studenten. Im Flur zeigte der Verein " FreiZeit für Flüchtlingskinder" eine Ausstellung von Marcella Schich mit Kinderfotos und kleinen Kunstwerken aus Bramsche-Hesepe. " Laut UN-Kinderrechtskonvention hat jeder ein Recht auf Bildung. Das hat auch Deutschland unterschrieben", eröffnete Brand die Diskussionsrunde. Die zweite Vorsitzende Hanna Breitenstein moderierte.
Im Lager lebten derzeit 600 Menschen, davon 154 schulpflichtige Kinder, berichtete Conrad Bramm, Leiter der Landesaufnahmebehörde Bramsche-Hesepe. Da es jetzt einer von drei Erstaufnahmestandorten in Deutschland wurde, betrage die Aufenthaltsdauer nur rund neun Wochen. Zu kurz, trotz des kompakten Deutschunterrichts, der hier in Sprachlernklassen erteilt wird. Denn bei der Verteilung auf die Kommunen, fehlten den Kindern die Sprachkenntnisse für den Unterricht in den Regelschulen, so Bramm.
Ganz anders wünschte es sich Carmen Guerra, Leiterin des Caritas-Projekts " Für Chancengleichheit und Partizipation" (ProFil). Es sollte möglichst nicht isoliert im Lager unterrichtet werden: " Ganzheitliches Lernen erfordert den Besuch von Kita und Schule. Deutsch lernt man im Kontakt mit deutschen Kindern." Die Landesregierung habe die Verantwortung, Klassen für Deutsch als Zweitsprache an den Schulen auszubauen: " Es gibt Kinder, die ein halbes Jahr zu Hause bleiben müssen, weil keine Klasse für sie da ist. Da wird deutsches Recht gebeugt."
Einig waren sich die Teilnehmer, dass Deutsch für den Schulerfolg in allen Fächern nötig sei. Wegen der Defizite würden Flüchtlingskinder beim Übergang in die Schulen weit unter ihrem Niveau eingestuft. Der Besuch des Gymnasiums sei kaum möglich. Anke Fedrowitz sprach ein weiteres Problem an. Sie war Fachberaterin für interkulturelle Bildung und ist Mitglied im Osnabrücker Migrationsrat: Die Kinder seien schwer traumatisiert. " Sie haben viele Kompetenzen und wollen lernen. Aber sie brauchen Stabilität, Sicherheit und persönliche Zuwendung", weiß sie aus eigener Erfahrung. Dafür hätten Lehrer aber zu wenige Kapazitäten.
" Nicht die Kinder sind das Problem, sondern die Rahmenbedingungen. Die muss die Politik ändern." Das müsse erst in die Köpfe, sagte Filiz Polat, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag und Sprecherin für Migration und Flüchtlinge. Sprachlernklassen müssten, auch in ländlichen Bereichen, sichergestellt, Fachberater und Unterstützungsnetzwerke eingesetzt sowie die Weiterbildung von Lehrkräften vernetzt werden. " Wir müssen das forcieren. Wir sind Einwanderungsland", so Polat.
Bildtext:
Diskutierten über Bildungschancen für Flüchtlingskinder: Anke Fedrowitz, Hanna Breitenstein, Filiz Polat, Conrad Bramm und Jelena Brand.
Foto:
Jörn Martens
Autor:
gil


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