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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Vergebliche Flucht nach Amsterdam
Zwischenüberschrift:
Julius und Meta Pincus wurden 1943 in Sobibor ermordet
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Im Oktober 1937 sollte es mit der Angst vorbei sein. Julius und Meta Pincus flohen vor den Nationalsozialisten aus Osnabrück nach Amsterdam. Doch 1940 überfiel die Wehrmacht auch die Niederlande. Dort geriet das jüdische Ehepaar in die Fänge der Besetzer, die sie ins Konzentrationslager Sobibor verschleppten und dort ermordeten.

Julius Pincus stammte aus Westpommern, Meta Israel aus Peine. 1921 heirateten sie in Osnabrück und bauten sich am Nikolaiort 2 eine Existenz auf. Dort wohnten sie, ebenso wie Nathan Meyer, mit dem Julius Pincus im selben Gebäude die Kurz- und Textilgroßwarenhandlung " N. Meyer & Co" aufbaute.

Seinen privaten Wohnsitz verlegte das Ehepaar Pincus später in die Natruper Straße 11, wo auch der Geheime Sanitätsrat Siegfried Pelz und dessen Tochter Anna lebten und später ebenfalls von den Nationalsozialisten drangsaliert wurden: Siegfried Pelz verlor wegen seiner jüdischen Abstammung die Ehrenbürgerschaft. Er starb 1936. Anna Pelz wurde 1942 in einem Wald nahe Riga am Massengrab erschossen.

Jahre vorher war der Hass auf Juden nach und nach eskaliert. Als Adolf Hitler 1933 an die Macht kam, lebten Julius und Meta Pincus in der Möserstraße 11a. Am 1. April des Jahres ließ die Regierung jüdische Geschäfte boykottieren. In Osnabrück wurden acht jüdische Inhaber von Großhandelsgeschäften verhaftet, zunächst in der Schlikker′schen Villa festgehalten und ins Polizeigefängnis gesperrt. Einer der Gefangenen war Julius Pincus. Seine Frau erfuhr erst am Abend, was mit ihm geschehen war. Am 3. April kamen die acht Gefangenen frei doch sie hatten unterschreiben müssen, dass SA und SS sie in Schutzhaft genommen hatten, um sie gegen Übergriffe von Bürgern zu schützen. So wurde Julius Pincus zunächst Opfer einer Manipulation. In den Jahren da rauf nahmen die Nationalsozialisten den Juden ein Recht nach dem anderen und entzogen ihnen die wirtschaftliche Existenz.

Julius und Meta Pincus gaben ihr Leben in Deutschland auf. Wie so viele Juden aus Osnabrück wollten sie sich in den Niederlanden eine neue Existenz aufbauen. 1937 zogen sie nach Amsterdam. Doch 1940 besetzte die Wehrmacht auch die Niederlande. Die neuen Machthaber brachten den Hass auf Juden mit. 1942 begannen sie, Juden in ein Lager in Westerbork zu verschleppen. 1943 folgten Razzien in Amsterdam. Die Gestapo durchsuchte die Straßen und Häuser, trieb 13 000 Juden heraus und brachten sie nach Wes terbork. Von dort aus verschleppten Nationalsozialisten zwischen April und Juli 1943 etwa 30 000 Juden nach Polen ins Konzentrationslager Sobibor. Ob sich Julius und Meta Pincus unter ihnen befanden oder sie bereits im Jahr zuvor deportiert worden waren, ist nicht überliefert wohl aber ihr Todesdatum: Es war der 7. Mai 1943. Julius Pincus wurde 56 Jahre alt, Meta Pincus 58 Jahre alt.

In der Möserstraße 11a erinnern Stolpersteine an die Eheleute. Dies war ihre letzte Adresse in Osnabrück und Doris Schomaker vom Deutschen Frauenring berichtete bei der Verlegung über deren Schicksal.
Bildtext:
Möserstraße 11a: Hier lebten Julius und Meta Pincus. Nationalsozialisten ermordeten sie im KZ.
Foto:
Klaus Lindemann

Stolpersteine
In Gehwegen erinnern Messingplatten an Opfer des Nationalsozialismus jeweils vor den Wohnungen der Juden, Sinti, Roma, Deserteure sowie Menschen, die aus politischen oder religiösen Gründen, einer psychischen Erkrankung, ihrer sexuellen Orientierung oder einer Behinderung verfolgt und ermordet wurden. Der Kölner Künstler Gunter Demnig ist Initiator des Projekts Stolpersteine, dem sich mehrere Hundert Kommunen angeschlossen haben: außer in Deutschland auch in Ländern wie Österreich, Ungarn, Tschechien, Polen, der Ukraine und den Niederlanden. In Osnabrück werden die Gedenksteine seit 2007 verlegt. Pate der Stolpersteine für Julius und Meta Pincus ist der Deutsche Frauenring. Verlegt haben sie die Schüler Mario Berstermann, Artur Bulanovic, Ilker Ciftci, Fabian Maihöfer, Marvin Aistermann und Lucas Meyer vom Berufsschulzentrum am Westerberg. Das Büro für Friedenskultur nimmt für weitere Gedenktafeln Hinweise über Opfer des NS-Regimes entgegen. Die Telefonnummer lautet 05 41/ 323-22 87.
Autor:
Jann Weber


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