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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Marienheim verstärkt Hochwasserschutz
 
Erinnerungen versinken in Regenfluten
Zwischenüberschrift:
In drei Jahren zweimal überflutet
 
Wie unsere Redakteurin Stephanie Kriege die Nacht auf den 27. August 2010 in Hagen erlebte
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. 2010 gab es in der Berufsbildenden Schule am Marienheim das zweite Hochwasser. Drei Jahre zuvor war während des Orkans Kyrill der ganze Keller überflutet worden. Jetzt hat die Schule auf dem Gelände den Hochwasserschutz verstärkt.

" Alexander Dammer ist ein Mann, der alles kann", lächelt Schwester Dominica Maria Langmeyer. Dammer ist der Hausmeister der Berufsbildenden Schule. Er hat in den vergangenen Jahren alle Hände voll zu tun gehabt, um den Hochwasserschutz zu verbessern, damit das Gebäude so schnell nicht wieder überflutet werden kann.

Der Januar 2007 war allen noch in lebhafter Erinnerung, als im August 2010 erneut Hochwasser in den Keller der Schule eindrang. Drei Jahre zuvor war der gesamte Keller überschwemmt worden, weil im Sturm umgeknickte Bäume die Düte stauten und das Wasser über die Wiesen ungehindert in den Keller strömte.

2010 standen " nur" rund 30 Zentimeter Wasser im Keller. Es breitete sich auf der Wiese aus, machte aber kurz vor dem Hintereingang zum Lehrerzimmer halt, erzählt die Schwester Oberin. Zudem hatte das Marienheim inzwischen eine Elementarversicherung, mit der Überschwemmungsschäden abgedeckt werden, abgeschlossen. Das alles änderte aber nichts daran, dass in den folgenden zwei Monaten wieder rund die die Uhr die Sauger und Trockner liefen, um das Wasser aus dem Boden und den Wänden zu ziehen. Allein die Stromkosten dafür beliefen sich auf mehrere Tausend Euro.

" Die Pumpe damals war nicht auf Dauerbetrieb eingestellt", erläutert Alexander Dammer eines der Probleme und einen Auslöser für die zweite Flutwelle im August 2010. " Der Mann, der alles kann" und unter anderem eine Ingenieursausbildung hat, machte sich an die Arbeit, um den Hochwasserschutz für die katholische Schule zu erhöhen.

Dazu wurden die Regenwasserschächte, die bisher auf Bodenniveau lagen, auf über einen Meter erhöht. Alle anderen Schächte erhielten neue, abgedichtete Deckel. Das Gelände zwischen Düte und Schule wurde vor dem Gebäude aufgeschüttet, sodass ein kleiner Deich entstand.

Dass 2010 Wasser in den Keller eindringen konnte, lag nach Schilderung des Hausmeisters auch daran, dass die Regenmassen vom Dach strömten und auf Gegendruck vom Hochwasser auf der Wiese stießen. Deshalb wurde ein größeres Abflussrohr montiert, Mauern und Lichtschächte hochgezogen.

Alexander Dammer geht aber noch weiter auf Nummer sicher: Wenn bei einer künftigen Katastrophe die Pumpe ausfallen sollte, wird er per SMS darüber informiert. Für alle Fälle hat er dann eine mobile Pumpe, die er auf Empfehlung der Feuerwehr angeschafft hat: " Wenn alles ausfällt, die läuft bestimmt."

Trotz aller Schäden, Schrecken und Arbeit: Schwester Dominica Maria erinnert sich dankbar an die überwältigende Hilfsbereitschaft der Nachbarn sowohl 2007 als auch 2010. Viele seien schnell zur Stelle gewesen und hätten tatkräftig zugepackt.

Über Solidarität und Hilfsbereitschaft hatten sich auch vor genau fünf Jahren viele Hochwasseropfer in Osnabrück gefreut. Das war ein Lichtblick in schweren Zeiten, in denen Keller vollliefen und große Schäden verursacht wurden, deren Ausmaß meist erst später deutlich wurde.

Unsere Redaktion berichtete damals über eine Solidargemeinschaft in Voxtrup, wo an der Düstruper Heide ganz von selbst Freunde, Nachbarn und Verwandte auftauchten, um eine Kellerüberflutung zu stoppen.

Eine Familie in Lüstringen, deren Heizung vor fünf Jahren durch das regenreiche Tief " Cathleen" kaputtging, will heute nicht mehr darüber reden. Mangels einer Elementarversicherung musste die Familie Waschmaschine, Trockner und alle anderen Schäden außer der Heizung aus eigener Tasche zahlen. Etwas Unterstützung von der Stadt hätte sich die Familie gewünscht. Aber von dort sei nicht mal die Frage gekommen: " Wie sind Sie damit fertig geworden?"

Mehr Fotos und alle Beiträge aus der Serie vom Hochwasser 2010 auf www.noz.de
Bildtexte:
Dass erste Hochwasser war das schlimmste. Den Pegelstand beim Orkan Kyrill hat der Sutthauser Künstler Volker-Johannes Trieb für die Schule am Marienheim gestaltet.
Die Ersatzpumpe für alle Fälle: Hausmeister Alexander Dammer hat die Berufsbildende Schule für weitere Hochwasser abgesichert.
Die Abwasserschächte, die früher auf Bodenniveau lagen, wurden auf über einen Meter erhöht. Die Abdeckung kann jetzt wie ein Tisch genutzt werden.
Thema der Woche: Die große Flut vor 5 Jahren / Betroffene: Marienheim Sutthausen
Fotos:
Gert Westdörp

Hagen. Als es kürzlich so heftig regnete und eine Notfall-Meldung nach der anderen die Redaktion erreichte, alle mit demselben Einsatzstichwort " Wasserschaden", da fühlte ich mich unwohl. Ich hatte wie jeden Tag Spätdienst, wäre aber lieber zu Hause gewesen. Hoffentlich läuft der Keller nicht voll, hoffentlich ist alles trocken. Ich bin ein gebranntes Kind.
Vor fünf Jahren, als heftige Regenfälle die ganze Region unter Wasser setzten, da waren auch meine vier Wände betroffen. Damals wohnte ich noch in Hagen, die erste eigene Wohnung. Schön war sie nicht: Sie lag im Keller eines Mehrfamilienhauses. Es gab nur ein Fenster mit Tageslicht, im Wohnzimmer, ich schaute auf das Hochbeet meiner Nachbarn. In allen anderen Räumen gab es nur diese hoch oben an der Decke gelegenen Kellerfenster. Wenn die Wohnung einen kleinen Vorteil hatte, dann waren es die zwei Eingänge. Ich konnte entweder ganz normal durch die Haustür kommen oder direkt vom Parkplatz im Hinterhof durch den Fahrradkeller in meine Küche treten.
Ich weiß noch, dass ich am späten Nachmittag dieses 26. August nach Hause kam und die Feuerwehr schon die schmale Straße versperrte. Unser Hof stand unter Wasser, es reichte etwa bis zu meinen Knöcheln, und man war gerade dabei, eine Pumpe an dem Gully vor dem Treppenansatz zum Fahrradkeller (und somit auch zu meiner Küche) zu installieren. Ehrlich gesagt, habe ich mir dann auch nicht viel mehr Gedanken um diese Sache gemacht. Die Pumpe der Feuerwehr verrichtete zuverlässig ihren Dienst, ich fühlte mich in meiner Wohnung von den Wassermassen nicht bedroht.
Knöcheltief
Nachts wurde ich dann wach. Als ich barfuß aus dem Bett stieg, bekam ich nasse Füße. Mein Schlafzimmer stand unter Wasser, etwa sechs Zentimeter hoch war der Pegel gestiegen. Ein Stromausfall hatte die Pumpe im Hof außer Gefecht gesetzt. Ich war ehrlich gesagt etwas überfordert. Es war mitten in der Nacht, circa halb drei, drei Uhr. Wen ruft man da an? Okay, die Feuerwehr. Gute Idee. Die werden wissen, was zu tun ist.
Aber ich war offenbar nicht die Einzige, die in dieser Nacht mit den Wassermassen zu kämpfen hatte. Denn als ich (direkt) im Feuerwehrhaus anrief, sagte man mir, dass ich mich etwas gedulden müsse. Das könne wohl noch ein, zwei Stunden dauern, bis ich hier mit Hilfe rechnen könnte.
Ich klingelte meine Mutter aus dem Bett, die sofort kam und mit anpackte. Als die Feuerwehr endlich da war, brachte sie die Pumpe im Hof wieder in Gang und legte vorne an der Haustür eine weitere. Es wurde eine lange Nacht. Doch erst am nächsten Morgen wurde mir nach und nach das Ausmaß des Schadens bewusst.
Das Sofa im Wohnzimmer stand etwas erhöht, es hat die Nacht unbeschadet überstanden. Genau wie das Bett und der Schreibtisch. Der Wohnzimmerschrank hingegen war hinüber. Der Teppich sowieso. Auf Geld von der Versicherung brauchte ich nicht zu hoffen. Die dafür notwendige Elementarversicherung hatte ich nicht. Noch Tage später versuchten wir mit großen Heizlüftern, die Wände trocken zu bekommen. Vergeblich. Mein Vermieter sah das offenbar weniger eng, er ließ den (immer noch feuchten) Schaden einfach überstreichen.
Kurz nach den Vorkommnissen im August bin ich nach Holzhausen umgezogen, wo ich bis heute wohne. Das Haus steht am Pik einer abschüssigen Straße. Wasser wird hier eher nicht eindringen.
Nur noch Müll
Noch heute werde ich hin und wieder an die Hochwassertage von damals erinnert. Mein Freund und ich haben uns vergangene Woche Fotos aus meiner Kindheit angesehen. Alben aus meinen ganz frühen Tagen liegen sicher bei meinen Eltern. Doch bei der Frage, ob es nicht auch Fotos von Klassenfahrten und aus Teenagertagen gebe, musste ich passen. Die lagen damals mit vielen anderen Bildern in einem Karton, der (scheinbar sicher) im Wohnzimmer auf dem Boden stand. Die Fotos habe ich nicht weggeschmissen. Aber anschauen kann ich sie auch nicht mehr. Sie kleben aneinander, sind quasi Müll.
Möbel kann man ersetzen. Bilder nicht. Im Endeffekt war das der für mich größte Schaden dieser schlimmen Nacht.
Bildtext:
Durch den Starkregen wurden größere Massen Schlamm von einem Acker am Jägerberg in die Keller der Siedlung " Im Siek" gespült, wo damals auch Stephanie Kriege (kleines Foto) wohnte.
Archivfotos:
Thorsten Wöhrmann, Jörn Martens
Autor:
Ulrike Schmidt, Stephanie Kriege


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