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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Das Schweigen der Dümmer-Kuh
 
Wissenschaftler: Auch die Eindeichung des Dümmers diskutieren
Zwischenüberschrift:
Rohrdommel und Co.: Seltene Tierarten meiden Niedersachsens Problemsee – Landwirte: Naturschutz nicht für "billige Almosen"
 
Fachleute tagen am Freitag in Osnabrück zur Zukunft von Niedersachsens zweitgrößtem See
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
Osnabrück. Früher gehörte das Rufen der Rohrdommel zum Dümmer dazu. Dümmer-Kuh nannten die Anwohner den Vogel wegen seiner Stimme. Doch mittlerweile ist es still. Der Problemsee hat sich verändert, die Rohrdommel ist verschwunden. Sechsstellige Beträge werden investiert, um sie wieder anzusiedeln. Geld, das Bauern gerne hätten, um ihren Teil zur Multimillionen Euro teuren Dümmer-Sanierung beizutragen.
Andreas Kroll ist auf die Politik schlecht zu sprechen. Der Vorsitzende des Landvolk-Kreisverbandes Wittlage wartet immer noch auf Gelder, die den Bauern im Einzugsgebiet des Dümmers von der schwarz-gelben Landesregierung zugesagt wurden. Sechsstellige Beträge als Gegenleistung für Gewässerrandstreifen oder eine geänderte Fruchtfolge. Das Ziel: Weniger Phosphat soll von den Feldern den Weg in den Dümmer finden, wo die Algen wuchern.
Die neue Landesregierung konnte das versprochene Geld aber nirgends im Haushalt finden, und so warten die Bauern bis heute. Immerhin: Auf anderen Wegen konnten EU-Mittel bereitgestellt werden. Doch diese Maßnahmen, so Kroll, " bringen dem Dümmer überhaupt nichts." Warum? " Die Ausgleichszahlungen sind zu gering und die Anforderungen zu hoch."
Das klingt nach einem Musterbeispiel, wie sich Naturschutz und Landwirtschaft nicht in Einklang bringen lassen. Nachfrage beim Bauern-Interessenverband Landvolk in Hannover. Eine Sprecherin betont, dass im Zusammenhang mit Naturschutz immer wieder fälschlicherweise von Subventionen die Rede sei. " Tatsächlich jedoch erbringt der Landwirt eine Leistung für den Naturschutz, die er honoriert bekommen muss." Zudem müsse die Prämie so gestaltet sein, dass ein Anreiz zum Mitmachen bestehe. " Sie dürfen nicht mit einem billigen Almosen abgespeist werden." Zurück zum Dümmer: Kroll ist es leid. Immer müssten die Bauern herhalten, wenn es um den Problemsee gehe. Doch Untersuchungen haben gezeigt: 70 Prozent des Phosphats, das die Algen im See sprießen lässt, haben ihren Ursprung in der Landwirtschaft.
Und da kommt die Rohrdommel ins Spiel, die in Niedersachsen als vom Aussterben bedroht gilt. " Bis in die 1950er-Jahre gab es jährlich bis zu 20 Paare am Dümmer", sagt Marcel Holy von der Natur- und Umweltschutzvereinigung Dümmer (NUVD). Der Verein setzt sich mit weiteren Umwelt- und Tierschützern für den Verbleib oder die Wiederansiedlung seltener Tiere ein. Rund 20 Arten stehen dabei allein beim NUVD im Fokus. Die meisten zogen sich zurück, als die Wasserqualität im See schlechter wurde. Die Rohrdommel zog weiter, weil Röhricht und Schilf um den See verschwanden. Wie konnte es so weit kommen? Möglicherweise, sagt NUVD-Vertreter Holy, sorgte das Phosphat im See dafür, dass das Schilf so schnell wuchs, dass es einfach abbrach. Vielleicht waren aber auch Fraßschäden durch Gänse die Ursache. Mit " massiven Beträgen" wird jetzt seit 2010 versucht, die Rohrdommel wieder anzusiedeln. Laut Holy werden sechsstellige Summen investiert.
In den Wintermonaten sind bereits einzelne Rohrdommeln am See anzutreffen. Sie kommen aus Skandinavien, wenn dort die Seen zufrieren, fliegen im Frühjahr zum Brüten aber auch wieder dorthin zurück. " Anscheinend müssen wir da noch weiter dran arbeiten", sagt Holy, dessen Ziel die Ansiedlung von Brutpaaren am Dümmer ist.
Wann es so weit ist, kann er nicht sagen. Genauso wenig wie die Experten eine Schätzung wagen, wie lange die Dümmer-Sanierung dauert. Für Landwirt Kroll steht aber schon jetzt fest: " In zwei Jahren wird wieder mit dem Finger auf die Bauern gezeigt", wenn ein Sündenbock für die Situation gesucht werde.
Bildtext:
Vom Aussterben betroht: eine Rohrdommel. Momentan sind die Reihervögel nur im Winter zu Gast. Ziel von Tierschützern ist es, wieder Brutpaare am See zu halten.
Foto:
NUVD

Osnabrück. Bei der Sanierung des Dümmers dürfe es keine Denkverbote geben, fordert der Osnabrücker Geografie-Professor Andreas Lechner. Er regt an, auch über die 1953 abgeschlossene Eindeichung des Sees zu diskutieren. Andernfalls könnte die Eutrophierung des Sees auch auf lange Sicht bei den bislang geplanten Sanierungsmaßnahmen in ihrer Geschwindigkeit allenfalls abgebremst werden″.
Am Freitag soll unter anderem darüber auf einer Fachtagung von Hochschule und Uni in Osnabrück unter der Fragestellung Ist der Dümmer noch zu retten? diskutiert werden. Zum Hintergrund: Der See sorgt immer wieder für Negativschlagzeilen, weil in den Sommermonaten aufgrund der aus dem Gleichgewicht geratenen Nährstoffkreis läufe bestimmte Algenarten unkontrolliert wachsen. Geruchsbelästigung und Fischsterben waren bislang die Folgen. Als ursächlich für das Wachstum gelten Nährstoffe, die von landwirtschaftlich beackerten Feldern über Zuflüsse im Dümmer landen.
Lechner nennt die Sanierung des Sees eine Mammutaufgabe″. Die 15 Millionen Euro, die das Land Niedersachsen als Besitzer des Gewässers bislang dafür eingeplant hat, können allenfalls ein Anfang sein″. Dabei warnt der Fachmann davor, in einem Großschilfpolder die Rettung zu sehen. Kurzfristig werde der Polder als natürliche Kläranlage zwar dafür sorgen, dass die Phosphat-Zufuhr aus der Hunte reduziert werden kann. Aber Lechner ergänzt: Dennoch werden mit einem solchen Bauwerk nur einige Symptome der Nährstoffüberfrachtung des Dümmers und nicht deren Ursachen angegangen.″
Eine langfristige Lösung kann laut ihm auch ein noch so großer Schilfpolder nicht bieten″. Neben dieser technischen Lösung müssten auch Dümmer-Zuflüsse wie die Hunte mit ihren historischen Überflutungsflächen renaturiert beziehungsweise wiederhergestellt und die intensive agrarische Landnutzung″ inklusive der Veredlungswirtschaft in der Region überdacht werden, regt der Geoökologe an.
Autor:
Dirk Fisser


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