User Online: 1 | Timeout: 06:26Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Osnabrück wird vermessen
 
Auch der kleinste Riss wird erfasst
Zwischenüberschrift:
Die Vermessung Osnabrücks mit dem "Eagle eye"-Messwagen
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. In diesen Tagen ist in Osnabrück ein spezieller, hoch technisierter Messwagen unterwegs. Seine Aufgabe ist es, den Zustand der Straßen zu erfassen. Dank der Ausrüstung entgeht den Ka meras und Lasern an Bord des Bullis auch nicht der kleinste Riss.

Osnabrück. Das Wetter ist mau. Eben der Jahreszeit entsprechend. Und früh dunkel wird es auch, nachdem es schon spät hell geworden ist. Kurz: Die Tage sind nicht mehr allzu lang, die Besatzung des " Eagle eye"- Messwagens muss die Zeit nutzen, um Daten zu erfassen. Tageslicht ist dazu zwingend erforderlich, starker Regen oder gar Nebel ziemlich hinderlich. Eines der schwerlich zu übersehenden Fahrzeuge der Berliner Firma ist derzeit in Osnabrück unterwegs, um den Zustand der städtischen Straßen festzuhalten.

Früher ging das so: Männer überwiegend zumindest in orangefarbenen Warnwesten rückten in ebenso orangefarbenen Bullis an. Schon das Warnlicht auf dem Dach und das zumeist dreibeinige Schild " Vermessung" oder das Klappschild " Streckenkontrolle" ließen den Autofahrer im morgendlichen Straßenkampf Schlimmstes erahnen. Ausgerüstet mit Bandmaß, Messrad, Theodolit, Fotoapparat und später dann neben Schreibblöcken auch mit Computern, wurde ge- und vermessen, erfasst, fotografiert und festgehalten. Und aus Sicht der Autofahrer vor allem der Verkehrsfluss gestört. Das geht inzwischen deutlich einfacher. Zum Beispiel mit einem der Messwagen von Eagle eye.

Die auffallenden, silber-orange lackierten Fahrzeuge sind bis an die Spitze ihres gewaltigen Alu-Dachträgers mit Sensoren, Kameras und Elektronik vollgestopft. Die Daten werden während der Fahrt erfasst. Daten werden erfasst? Man kann darauf warten, dass André Ingenpaß von Eagle eye das heikle Thema von sich aus anspricht schnell und unaufgefordert: Nein, das, was die Berliner machen, habe mit dem " Streetview" von Google gar nichts zu tun. Hier würden nicht Straßenfluchten und Häuser zur Befriedigung der Neugier Dritter aufgezeichnet, sondern Straßen vermessen und deren Zustand erfasst.

Zehn Kameras sind rund um das Fahrzeug verteilt. Sie lösen alle fünf Meter aus, je zwei davon sind auf den gleichen Punkt gerichtet. So entstehen stereoskopische Bilder, die im Rechner analysiert werden können. Dazu muss man natürlich den genauen Kamerastandort kennen. Zwei GPS-Empfänger sorgen dafür, dass die Bild informationen zentimetergenau mit dem Ort verknüpft werden. Informationen zur Bewegungsrichtung und zu eventuellen Neigungen steuert ein Kreiselkompass bei. Sensoren an den Hinterrädern sorgen dafür, dass die so erfassten Werte auch dann in der versprochenen Genau igkeit weiter fließen, wenn das GPS-Signal mal kurz abgeschattet ist. Am Heck rotiert ein Laser, der die Straßenoberfläche abtastet und Löcher, Risse und Spurrinnen erkennt und vermisst. All diese Messwerte werden schließlich im Heck des Fahrzeuges von einer stattlichen Batterie von Computern verarbeitet und gespeichert.

Der Sprinter selbst kommt von der Stange, wurde aber für die Aufgaben aufwendig um- und ausgerüstet und verstärkt. Die Technik samt gewaltigem Dachaufbau ist eine Eigenentwicklung von Eagle eye. Die Konstruktion funktioniert so gut, dass inzwischen auch die Bundeswehr zwei " Erkundungssysteme" gekauft hat. Die werden allerdings auf geländegängige Yaks und nicht auf Sprinter montiert.

Im Wageninneren erinnert ein unübersehbarer Aufkleber am Armaturenbrett den Fahrer ständig daran, dass sein Gefährt deutlich über die Norm zugelegt hat: " 2, 50 Meter breit, 7, 50 Meter lang, 3, 30 Meter hoch" steht dort in großen Buchstaben schwarz auf rot. Trotz der exquisiten Mess- und Vermessungstechnik auf dem Dach und im Heck vertraut der Berufskraftfahrer am Steuer auf ein ganz ordinäres Navi. Schließlich muss er den Kurs halten, während sein Kollege als " Navigator" auf dem Sitz hinter ihm dafür sorgt, dass die Technik genau das tut, was sie soll: die Osnabrücker Straßen samt Schlaglöchern, Schildern und Unebenheiten möglichst genau zu erfassen.

132 000 Euro lässt sich die Stadt Osnabrück die Befahrung und die Aufbereitung der Daten kosten. Zwei bis zweieinhalb Wochen wird der Messwagen am Ende auf den rund 750 Kilometern Straßenstrecke der Stadt unterwegs gewesen sein.

Höchste Zeit also, die Arbeit fortzusetzen. Ohnehin ist der Dieselmotor während des kompletten Gesprächs durchgelaufen. Aus gutem Grund: Um die Rechner und die sonstige Hightech-Einrichtung mit Strom zu versorgen, treibt der Fahrzeugmotor drei Lichtmaschinen an. Eine große Klimaanlage sorgt dafür, dass die Abwärme der Rechner aus dem Auto gedrückt wird. Steht der Motor, saugt das System in kurzer Zeit die Batterien leer. Der " Navigator" steigt ein. Die Schiebetür fällt ins Schloss, die Vermessung der Stadt kann weitergehen.
Bildtext:
Ausgerüstet mit modernster Technik, zeichnet der " Eagle eye"- Messwagen aus Berlin den Zustand der Osnabrücker Straßen auf.
Foto:
Frank Wiebrock
Autor:
Frank Wiebrock


Anfang der Liste Ende der Liste