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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Seine Aktentasche war immer voller Grünzeug
Zwischenüberschrift:
Der Altehageweg erinnert an den bedeutenden Botaniker und Naturschützer
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Wenn er von einer Exkursion in die Botanik zurückkam, war seine altertümliche Aktentasche stets dick gefüllt mit den unterschiedlichsten Pflanzen, die er anschließend im Unterricht als Anschauungsmaterial einsetzte. " Molli" so sein Spitzname, obwohl er von eher schlanker Statur war verstand es, den Schülern das scheinbar Unscheinbare in der Natur nahezubringen, das unter seinen Erklärungen bedeutsam wurde. Die Stadt Osnabrück ehrte Carl Altehage 2008 mit einer Straßenbenennung im naturnahen Neubaugebiet Daumeyersweg im Stadtteil Darum-Gretesch-Lüstringen, wo er zusammen mit Friedrich Imeyer die Riege bedeutender lokaler Naturwissenschaftler vertritt.
Carl Altehage kam am 1. April 1899 in Vlotho zur Welt. Ab 1920 im Schuldienst tätig, legte er 1928 die ordentliche Prüfung als Mittelschullehrer für Biologie, Chemie und Physik ab. Nach einer Anstellung in Neuenhaus (Grafschaft Bentheim) wurde er 1929 nach Merseburg (Sachsen-Anhalt) an die dortige Mittelschule versetzt, wo er bis 1937 unterrichtete. Mittelschule in Mitteldeutschland, aber keineswegs nur Mittelmaß, so könnte man seine naturkundliche Arbeit umreißen, die auch die gesamte Freizeit in Anspruch nahm. Seine Bemühungen fielen in die Zeit der Umsetzung des neuen Reichsnaturschutzgesetzes. Pionierarbeit war zu leisten beim Aufbau von Naturschutzstellen in den Kreisen und Städten des Regierungsbezirks Merseburg, erste Schutzgebiete waren zu bestimmen. Durch intensive floristische und pflanzensoziologische Arbeiten sammelte er Argumente für die Begründung von Schutzwürdigkeit und die Sicherung wertvoller Landschaftsräume. Der Regierungspräsident berief ihn zum Bezirkskommissar für Naturschutz. Vorträge und Arbeitsbesuche wechselten mit Kartierungsarbeiten etwa der Salzpflanzenwiesen bei Sangerhausen und anderer schutzwürdiger Biotope.
Die ehrenamtlichen Aufgaben auch in weiteren botanischen Vereinigungen wurden so umfangreich, dass Altehage um ein Sabbatjahr, so würde man heute sagen, oder zumindest um eine Reduzierung seiner Unterrichtsverpflichtungen bat. Beides wurde abschlägig beschieden. Stattdessen wurde Altehage, der auch schon am Ersten Weltkrieg teilgenommen hatte, im Jahr 1937 zu einer zweimonatigen Reserveübung des Infanterie-Regiments 53 in Naumburg einberufen. Der nächste Krieg schickte bereits seine Vorboten aus.
Was genau dazu führte, dass Altehage nach der Wehrübung in den Schuldienst nach Osnabrück wechselte, geben die Archive nicht her. Fest steht, dass Altehage von seiner neuen Wohnung Katharinenstraße 84 in Osnabrück aus ein Gesuch abschickte, seine alte Merseburger Dienst-Schreibmaschine noch weiter nutzen zu dürfen, um begonnene Arbeiten auf ihr zu Ende zu führen. Im Hauptberuf unterrichtete er nun an der Möser-Mittelschule, unterbrochen durch den Kriegseinsatz, den er als Hauptmann der Reserve unbeschadet überstand.
Auch nach dem Krieg gehörte der Naturschutz zu Altehages vornehmsten Lebensinhalten. Wie zuvor im Merseburger Land entwickelte er sich nun zum Kenner der Geologie und Botanik des nordwestdeutschen Raumes. Eingehend erforschte er das Weustenteichgebiet bei Emlichheim, die Blumenbinsen-Moore des Hümmlings und die Orchideen des Lengericher Gebietes. Zahlreiche Veröffentlichungen machten ihn überregional bekannt. Auch in seiner neuen Heimat wurde er zum Bezirksbeauftragten für Naturschutz und Landschaftspflege bestellt. Nach der Pensionierung aus dem Schuldienst 1962 nahmen die ehrenamtlichen Aufgaben nochmals zu. Der Naturwissenschaftliche Verein, der Wiehengebirgsverband, der Verschönerungs- und Wanderverein Osnabrück und der Deutsche Bund für Vogelschutz gewannen ihn für Vorsitz oder Beirat, Niedersachsen ehrte ihn 1968 mit dem Verdienstkreuz Erster Klasse.
Was sich in der nachträglichen Würdigung nach einem glatten Durchmarsch von Erfolg zu Erfolg anhört, war in Wirklichkeit alltäglichen " Kämpfen" gegen häufige Rückschläge und stetem Einsatz gegen politische Unvernunft und wirtschaftliche Interessen geschuldet, schreibt sein Freund Eberhard Regenbogen. Diese unermüdliche Kleinarbeit hatte wohl auch die Lebenskraft des schlichten, selbstlosen, aufrechten Mannes aufgezehrt. Carl Altehage starb mit nur 71 Jahren am 12. Dezember 1970 in Osnabrück.
Bildtexte:
Der Altehageweg liegt im Stadtteil Darum-Gertescg-Lüstringen.
Carl Altehage wurde 1899 in Vlotho geboren.
Fotos:
Joachim Dierks, Archiv
Autor:
Joachim Dierks


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