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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Vier mutige Männer der ersten Stunde
Zwischenüberschrift:
Im Kurzporträt: Unternehmerpersönlichkeiten, ohne die die Region Osnabrück-Emsland heute anders aussähe
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Sie zählten zu den Männern der ersten Stunde. Ohne mutige Unternehmer wie August Haarmann, Wilhelm Karmann, Joseph Lambert Meyer und Walter Rau wäre die Industrialisierung der Region Osnabrück-Emsland kaum in Gang gekommen.

August Haarmanns Leben prägte der Stahl. Von 1872 bis 1911 war er Generaldirektor des Eisen- und Stahlwerkes Osnabrück. In gleicher Funktion stand er ab 1890 auch dem Werksverbund vor, der aus der Fusion des Osnabrücker Unternehmens mit dem Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein entstanden war.

Haarmann zeigte Ehrgeiz. Aus armen Verhältnissen stammend, arbeitete er zunächst als Bergmann. Das mühsam Ersparte reichte für ein Studium. Seine theoretischen und praktischen Kenntnisse der Stahlerzeugung wurden durch das technische Innovationsklima der Industrialisierung begünstigt. Neben seinen Leitungsfunktionen in der regionalen Eisenverhüttung galt Haarmann zu seiner Zeit auch als weltweit anerkannter Technikwissenschaftler. Ihm gelang durch eigens patentierte Erfindungen, das Stahlwerk zu einem Spezialbetrieb für den Oberbau von Gleisen zu etablieren.

Haarmann galt ebenso als gut vernetzt. Er war Mitglied im Zentralverband Deutscher Industrieller, wirkte in der lokalen Politik mit und war bis zu seinem Tod 1913 Vorsitzender der Handelskammer Osnabrück.

Mobilität war Wilhelm Karmanns Ding ein Leben lang. In der elterlichen Werkstatt in Krefeld lernte er das Stellmacherhandwerk. Nach dem freiwilligen Militärdienst arbeitete er in verschiedenen Wagenfabriken im Rheinland. Mit 30 Jahren übernahm er 1901 einen renommierten Betrieb für Kutschwagen in Osnabrück.

Doch statt weiter Landauer zu bauen, wechselte er den Geschäftsbereich: Expansion sah er im Karosseriebau. Denn viele Automobilhersteller lieferten damals häufig nur die Fahrgestelle ihrer Kraftfahrzeuge. Neue Impulse in Sachen Bauweise und Lackierung holte sich Karmann auf einer Reise durch die USA. Ebenfalls Mitte der 1920er-Jahre begann die Produktion von Cabriolets anzulaufen. Um Ganzstahlkarosserien zu fertigen, ließ Karmann das Osnabrücker Werk später mit Großpressen ausrüsten.

Im Zweiten Weltkrieg hatte Karmann für die Wehrmacht zu produzieren. Nach 1945 gelang ihm mit dem VW Cabrio ein weiteres Stück Mobilitätsgeschichte. Sechs Wochen vor dem Tod des Firmengründers verließ im August 1952 bereits das 10 000. Cabriolet die Karmann-Werke.

Als zweiter Sohn eines Werftbesitzers war Joseph Lambert Meyer nicht für das Erbe vorgesehen. Der Schiffsbau interessierte den 1846 in Papenburg geborenen Junior aber dennoch. Die Ausbildung im Schiffsbau erhielt er noch im väterlichen Betrieb und in den USA. Ebenso besuchte er eine Schiffsbauschule sowie die Bremer Vulcanwerft.

Dort reifte bei Joseph L. Meyer die Erkenntnis, dass dem Eisenschiffbau die Zukunft gehört. Zunächst noch mit einem Partner, gründete er 1872 eine Firma, aus deren kleinen Anfängen sich in Papenburg die heutige Meyer Werft entwickelte.

Standortbedingte Schwierigkeiten führten dazu, dass man sich auf den Kleinschiffbau konzentrieren musste. Diese fachlichen Qualifikationen führten auf der Papenburger Werft zu Spezialentwicklungen wie dem Bau des ersten deutschen Dieselmotorschleppers. Bereits am Anfang des 20. Jahrhunderts liefen auch schon die ersten Bestellungen von kleineren Passagierdampfern ein. Als Meyer 1920 starb, konnte er seinen Söhnen, die ihm bereits als Gesellschafter zur Seite standen, ein etabliertes Unternehmen hinterlassen.

Alles in Butter war bei dem 1874 in Sachsen geborenen Pfarrerssohn Walter Rau zunächst nicht alles. Denn statt Beamter zu werden, wie es der Vater wünschte, absolvierte Rau nach dem Abitur eine landwirtschaftliche Ausbildung. Im Anschluss an eine Verwaltertätigkeit auf einem Gut und eine Weiterbildung in einer Molkereischule begann Rau, bei Homann in Dissen zu arbeiten.

Doch der Job als Betriebsleiter füllte ihn vermutlich nicht aus. 1903 machte er sich mit einer kleinen Molkerei in Hilter selbstständig. Sein Absatzmarkt war ab nun der Fettbedarf einer durch die Industrialisierung stark wachsenden Bevölkerung. Dabei setzt Rau ganz auf die in Frankreich erfundene Margarine.

Für seinen Industriezweig war die Einfuhr an Ölfrüchten bis zum Ersten Weltkrieg gesichert. Danach begann für Rau branchenweit ein zähes Ringen, den Margarineproduzenten die notwendigen Rohstoffe nicht nur zollfrei, sondern überhaupt zu sichern. Die mangelnde Kaufkraft während der Weltwirtschaftskrise ließ den Absatz von Margarine steigen. Ab 1934 hatte laut NS-Regierung Margarine zur Hälfte aus Wal-Tran zu bestehen man wollte so Rohstoffe für den geplanten Krieg sichern. Rau rüstete eine Walfangflotte aus, die bis 1939 unterwegs war. Im Mai 1940 starb Walter Rau.

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Bildtexte:
Karmann präsentiert seine Produkte auf der " 1. Internationalen Automobil-Ausstellung" 1923 in Berlin.
August Haarmann (1840– 1913).
Wilhelm Karmann (1870–1952).
Joseph Lambert Meyer (1846–1920)
Walter Rau (1874–1940).
Fotos:
NOZ-Archiv, Meyer Werft, Walter Rau Lebensmittelwerke
Autor:
Stefan Buchholz


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