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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
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Überschrift:
Stadtwerke spüren Energiewende
 
Ökostrom setzt Stadtwerke unter Druck
Zwischenüberschrift:
Stromerzeugung aus Kohle und Gas ist ein Verlustgeschäft
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Die Stadtwerke Osnabrück spüren die finanziellen Folgen der Energiewende: Das Gaskraftwerk in Hamm und das Kohlekraftwerk in Lünen, an denen die Stadtwerke beteiligt sind, sind nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben. Schuld daran sei " die derzeitige Schieflage des Energiesystems", so Stadtwerke-Sprecher Marco Hörmeyer.

Osnabrück/ Aachen. Die Stadtwerke Osnabrück spüren die finanziellen Folgen der Energiewende: Das Gaskraftwerk in Hamm und das Kohlekraftwerk in Lünen, an denen die Stadtwerke beteiligt sind, sind nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben. Schuld daran sei " die derzeitige Schieflage des Energiesystems", so Stadtwerke-Sprecher Marco Hörmeyer.

In Hamm sind die Stadtwerke mit 2, 1 Millionen Euro an einem Gaskraftwerk beteiligt. Das Kraftwerk ging 2007 ans Netz und zählt nach eigenen Angaben zu den modernsten und effektivsten Gaskraftwerken Deutschlands. Nach Angaben der Betreibergesellschaft Trianel wird das Kraftwerk 2014 nicht mehr rentabel sein. Sie rechnet mit einem Verlust im mittleren zweistelligen Millionenbereich. " In diesem Jahr werden wir noch plus/ minus null hinkommen", sagte ein Sprecher.

Die Stadtwerke, die mit 2, 5 Prozent am Kraftwerk beteiligt sind, gehen bereits für 2013 von Verlusten aus. Zu deren Höhe wollte Pressesprecher Marco Hörmeyer keine Angaben machen. Er betonte, dass sich das Verlustgeschäft weder auf die positive Bilanz der Stadtwerke noch auf den Strompreis auswirken soll: " Die derzeitige Unrentabilität des Gaskraftwerks werden wir nicht an die Kunden weitergeben." Die Stadtwerke hätten seit 2010 rund 19, 5 Millionen Euro Rücklagen gebildet, um die aktuellen Verluste ausgleichen zu können.

Das Kohlekraftwerk in Lünen, an dem die Stadtwerke mit 6, 2 Millionen Euro beteiligt sind, läuft derzeit noch im Probebetrieb, ist aber nach Angaben des Betreibers Trianel bereits unrentabel. 2014, wenn das Kraftwerk ans Netz gehen soll, rechnet Trianel mit einem Verlust von 100 Millionen Euro, der auch die Stadtwerke Osnabrück treffen wird, die mit 4, 22 Prozent an dem Kraftwerk beteiligt sind. " Eingeplant war ein Bruchteil dessen", so ein Trianel-Sprecher.

Dass es sich im Moment nicht mehr lohnt, Strom konventionell aus Kohle oder Gas zu erzeugen, liegt nach Meinung von Stadtwerke-Sprecher Hörmeyer daran, dass das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) inzwischen überholt ist: " Der Mechanismus des EEG funktioniert nicht mehr."

Das EEG schreibt vor, dass Strom aus erneuerbaren Energien wie Solar- und Windkraftanlagen vorrangig ins Netz eingespeist werden muss. Zudem förderte das Gesetz den Ausbau erneuerbarer Energien durch Subventionen beispielsweise für Fotovoltaikanlagen.

Durch diese Förderung ist der Ausbau erneuerbarer Energien so weit fortgeschritten, dass sie den Strombedarf in verbrauchsschwachen Zeiten abdecken können. " Wenn der Wind weht und die Sonne scheint, haben wir genug Strom", erklärt Michael Dittrich von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU).

Knapp wird der Strom erst abends, wenn die Sonne nicht mehr scheint, der Stromverbrauch aber trotzdem steigt, weil viele Menschen von der Arbeit nach Hause kommen. " Dafür brauchen wir übergangsweise moderne Steinkohle- und Gaskraftwerke", erklärt Marco Hörmeyer. Nach einem Bericht der Deutschen Energie-Agentur (dena) werden die Kohle- und Gaskraftwerke noch bis 2050 gebraucht, damit der Strom nicht ausfällt.

Andere Vergütung

Solche konventionellen Kraftwerke sind inzwischen aber nicht mehr rentabel. Denn an der Strombörse European Energy Exchange (EEX) sinken die Preise durch die Auswirkungen des EEG so weit, dass konventionell erzeugter Strom nicht mehr kostendeckend verkauft werden kann.

Deshalb drängen die Stadtwerke Osnabrück und Trianel auf eine Reform des Strommarkts: " Das EEG zu ändern wird allein nicht reichen", sagt Elmar Thyen. Er fordert, " dass die Versorgungssicherheit als Leistung auch vergütet wird." Sein Vorschlag: Kraftwerksbetreiber sollten dafür bezahlt werden, wie viel Strom sie als Sicherheitsreserve produzieren, und nicht dafür, wie viel sie verkaufen.
Bildtext:
Das Kohlekraftwerk in Lünen, an dem die Stadtwerke Osnabrück beteiligt sind, geht 2014 ans Netz. Doch schon jetzt ist klar: Es wird im ersten Jahr ein Minus von 100 Millionen Euro machen.
Fotos:
Imago

Kommentar
Kohle-Cent

Als die Stadtwerke sich 2005 entschlossen, nicht nur mit Strom zu handeln, sondern ihn auch selbst zu erzeugen, war der Energiemarkt ein anderer: Es galt der Atomkonsens, der den langfristigen Ausstieg aus der Kernenergie vorzeichnete. Die absehbare Versorgungslücke ab 2020 sollten zunächst Kohle- oder Gaskraftwerke schließen. Neue Kohlekraftwerke mit einem hohen Wirkungsgrad sollten alte Kohlendioxidschleudern ersetzen und so lange die Stromversorgung sichern, bis die erneuerbaren Energien einspringen können. Deshalb war es damals eine kluge Entscheidung der Stadtwerke, sich den sich verändernden Marktbedingungen zu stellen und in die Energieerzeugung einzusteigen.

Das alles gilt nicht mehr. Die Energiewende hat den Strommarkt auf den Kopf gestellt und bestraft jetzt jene, die im vergangenen Jahrzehnt der Politik vertraut und in konventionelle Kraftwerke investiert haben. Abstellen können wir diese nicht, denn woher soll der Strom an windschwachen Winterabenden kommen? Daher ist die Forderung der Energieerzeuger durchaus berechtigt, auch die Versorgungssicherheit zu vergüten. Das heißt: noch höherer Strompreis oder Direktsubvention per Kohle-Cent aus dem Steuertopf oder Drosselung der Vorrangeinspeisung grüner Energien. Welchen Tod wollen wir sterben?
Autor:
Mathias Birsens, Wilfried Hinrichs


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