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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Griesert besichtigt sein neues Büro
 
Birgit Bornemann: Habe Wahl-Enttäuschung verarbeitet
 
"Die Menschen wollen keinen Streit"
Zwischenüberschrift:
Platz nehmen will er noch nicht
 
"Ich liebe meine Arbeit beim Studentenwerk"
 
Griesert über die wichtigsten Baustellen und sein Verhältnis zu Rot-Grün
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Der neue Oberbürgermeister von Osnabrück, Wolfgang Griesert, hat am Montag schon mal sein neues Büro im Rathaus besichtigt, auf dem Chefsessel Platz nehmen wollte er vor den Fernsehkameras aber nicht. Denn offizieller Dienstbeginn ist frühestens am Donnerstag.

Auf dem Flur im historischen Rathaus erwarten ihn am Nachmittag schon mehrere Fernsehteams und Fotografen. Griesert kommt, steht auf Wunsch der Bildberichterstatter Modell vor der Galerie der Altoberbürgermeister und wendet sich dann dem OB-Büro zu. Er klopft an, bevor er die Tür zu seinem künftigen Dienstbereich öffnet. Wahrscheinlich zum letzten Mal. " Hallo Frau Zühlke", begrüßt er die Assistentin im Vorzimmer und reicht ihr die Hand, " ich komme jetzt öfter."

Sabine Zühlke ist seit fünf Jahren die erste Ansprechpartnerin für Besucher, die den OB sprechen wollen. In den vergangenen acht Monaten, seit dem Wechsel von Boris Pistorius nach Hannover, war das Dienstzimmer nebenan verwaist, und Besucher kamen eher selten. Jetzt strömen in Grieserts Gefolge die Journalisten in das Chefbüro.

Der Tag nach der Wahl gehört, so scheint es, den Medien. Nach dem Frühstück mit der Familie die anschließend ausschwärmte, um die ersten Wahlplakate wieder einzusammeln stellte sich der neue Oberbürgermeister der Kamera des Lokalsenders os1.tv. Anschließend folgten ein Interview mit der NOZ, dann der Fototermin im OB-Büro, weitere Interviews für Radio und Fernsehen. " Ich hoffe, dass ich heute Abend einen längeren Waldspaziergang machen kann, um mal ein bisschen Luft zu holen", sagt der Wahlsieger. Urlaub könnte er nach dem anstrengenden Wahlkampf sehr wohl gebrauchen, aber daran ist nicht zu denken. Die Arbeit beginnt jetzt erst.

Am kommenden Donnerstag tritt der Wahlausschuss zusammen, um das Wahlergebnis amtlich festzustellen. Der Ausschuss tagt übrigens öffentlich. Wenn Griesert dann die Frage, ob er die Wahl annehme, bejaht, ist er offiziell im Amt.

Eine andere Antwort als ein lautes " Ja" ist undenkbar. " Ich weiß, was auf mich zukommt, ich freue mich auf diese Aufgabe", sagt der 56-Jährige, der am Sonntag nicht nur den Wahlsieg, sondern auch seinen Geburtstag feierte.
Bildtext:
Mein Stuhl, mein Schreibtisch, mein Büro: Wahlsieger Wolfgang Griesert ließ sich am Montag im OB-Zimmer filmen.
Foto:
Klaus Lindemann

Osnabrück. Sie habe gut geschlafen, versichert Birgit Bornemann am Morgen nach der Wahlniederlage. " Die Enttäuschung habe ich schnell verarbeitet", sagt die Sozialdemokratin auf Nachfrage, " ich bin gut geerdet."
Natürlich sei sie am Wahlabend nach der deutlichen Niederlage enttäuscht gewesen. Schließlich habe sie acht Monate auf das Ziel hingearbeitet, ins Rathaus zu kommen. " Ich wäre gerne Osnabrücks Oberbürgermeisterin geworden und hätte gerne an der Gestaltung der Stadt mitgewirkt", sagt sie offen. " Ich habe gute Ideen, wie man die Stadt voranbringen könnte." Aber sie akzeptiere das Ergebnis der demokratischen Wahl und wiederholt ihre Aussage vom Vorabend: Wolfgang Griesert habe eben mehr Stimmen bekommen als sie. Über mögliche Ursachen der Niederlage will sie nicht spekulieren.
Nachdem sie ihren gesamten sechswöchigen Jahresurlaub für den Wahlkampf genommen hatte, gönnte sich die Geschäftsführerin der Osnabrücker Studentenwerkes am Montag noch einen freien Tag, ehe sie an ihren Arbeitsplatz zurückkehrt. " Ich liebe meine Arbeit dort und werde Dienstag wie aus einem normalen Urlaub an den Schreibtisch zurückkehren." Besonders gefreut habe sie sich über viele Mails und SMS von Mitarbeitern des Studentenwerkes, die ihr am Sonntagabend geschrieben hätten, dass sie ihr den OB-Sessel im Rathaus gewünscht hätten, " dass sie sich aber darüber freuen, dass ich dem Studentenwerk erhalten bleibe".
Rückblickend auf die zurückliegenden Monate, stellt sie fest, dass ihr der Wahlkampf sehr viel Spaß gemacht habe. Auch die Zusammenarbeit mit den Grünen sei nicht erst in den zwei Wochen vor der Stichwahl sehr gut und vertrauensvoll gelaufen. Zudem habe sie überall " eine ungeheure Unterstützung" erfahren, nicht nur von der SPD, sondern auch von vielen Menschen aus der Stadt.
Ist der Ausflug in die Politik damit beendet, oder will sich Bornemann künftig anderweitig politisch engagieren, zum Beispiel in einem Ortsverein? Auf diese Frage gibt die langjährige Sozialdemokratin an diesem Morgen keine Auskunft.
Während des Telefonats sitzt Bornemann im Auto neben ihrem Mann. Wird der nicht in ein tiefes Loch fallen, wenn er sie nicht mehr wie im Wahlkampf von Termin zu Termin chauffiert? Birgit Bornemann lacht herzlich: " Mir wird schon was einfallen, um ihn zu beschäftigen."
Bildtext:
Faire Verliererin: Birgit Bornemann gratulierte am Wahlabend Wolfgang Griesert zum Sieg.
Foto:
Gert Westdörp

Osnabrück. Wahlsieger Wolfgang Griesert (CDU) reicht der rot-grünen Ratsmehrheit die Hand zur Zusammenarbeit. " Die Menschen wollen keinen Streit. Sie wollen wissen, für welche Inhalte jemand steht", sagte der neue Oberbürgermeister im Interview. Die Vorwürfe, die SPD-Fraktionschef Frank Henning im Wahlkampf gegen ihn erhoben hatte, wisse er richtig einzuschätzen. Griesert: " Im Wahlkampf darf man polarisieren, aber der ist jetzt vorbei."
Herr Griesert, wo sehen Sie die wichtigste politische Baustelle in der Stadt, die Sie als erste anpacken wollen?
Natürlich gibt es gut sichtbare Baustellen, der Neumarkt ist so eine sicher auch der Güterbahnhof. Aber ich muss mir den jeweiligen Sachstand erst genau ansehen. Um einzuordnen, was jetzt wichtig ist, möchte ich zunächst Gespräche mit den Beteiligten führen. Ich habe am Wahlsonntag spontan gesagt: Das Klinikum ist die erste wichtige Aufgabe. Wir wissen alle, dass es bundes weit strukturelle Probleme im Krankenhauswesen gibt und dass davon auch das Osnabrücker Klinikum betroffen ist. Deshalb werde ich auch möglichst bald mit der neuen Geschäftsführung sprechen. Eine andere Baustelle ist im wahrsten Sinne des Wortes die Stadthalle: Wie geht es weiter mit dem Hotelneubau? Ich werde zusammen mit dem Verwaltungsvorstand mit Frau Rzyski, Herrn Fillep und Herrn Otte darüber sprechen, wo sie Prioritäten sehen, mit denen ich mich als Oberbürgermeister beschäftigen sollte.
Dann frage ich nach 100 Tagen noch mal nach.
Sie können gern auch früher nachfragen.
Wie gehen Sie mit der rot-grünen Mehrheit um? Werden Sie die Fraktionsvorsitzenden zum Gespräch bitten?
Nein, das wäre ja so, als würde ich sie vorladen. Wir kennen uns seit vielen Jahren, und mit den meisten bin ich per Du. Frost und Frust gibt es nicht zwischen uns, denn ich weiß auch einzuschätzen, was im Wahlkampf an Begleitmusik gelaufen ist.
Bleibt da nichts hängen?
Ich hoffe nicht, aber ich möchte im Gespräch noch mal klären, was ernst gemeint war und was nicht. Die Intention aller ist doch aber, die Stadt nach vorne zu bringen. Dazu ist ein Schulterschluss zwischen Rat und Verwaltung nötig. Im Wahlkampf darf man polarisieren, aber der ist jetzt vorbei. Die Menschen wollen keinen Streit, das habe ich im Wahlkampf immer wieder gespürt. Sie wollen wissen, für welche Inhalte jemand steht. Außerdem wollen sie wissen, wie Aufgaben gelöst werden.
Ihr Vorvorgänger im Amt, Hans-Jürgen Fip, war als OB der Brückenbauer zwischen den Kulturen. Boris Pistorius hatte seinen Schwerpunkt in der Wirtschaftsförderung und Sicherung von Arbeitsplätzen. Was ist Ihr Thema?
Ich hätte die beiden jetzt nicht so eingeschätzt, aber wahrscheinlich trifft das zu. Ich glaube, ich habe von beidem etwas und kann das sogar verbinden. Das Thema, auf Menschen zuzugehen und Menschen zusammenzubringen, wie Fip es getan hat, das liegt mir. Aber auch das Thema Wirtschaft, das Gespräch mit Unternehmern, Investoren und allen, die in der Stadt etwas verändern wollen, ist ein Thema für mich. Darin unterscheide ich mich nicht von Pistorius. Das ist gewiss auch ein Grund für den Erfolg des Konversionsprozesses und der Wirtschaftspolitik in Osnabrück insgesamt. Dazu muss man Kontakte in die Wirtschaft haben, denn ein " Kaffee Partner" kommt nicht von allein, und ein Innovationszentrum entsteht nicht von selbst.
Als Sie am Montagmorgen aufgestanden sind, überwog da die Freude über den Wahlsieg oder die Anspannung, jetzt eine wirklich schwere Aufgabe zu übernehmen?
Es überwog natürlich die Freude über den Wahlausgang, aber selbstverständlich war mir auch klar, welche Verantwortung mit dieser Aufgabe verbunden ist, denn ich wusste ja, was ich wollte.

Kommentar
Kein Sündenbock

Woran liegt es, dass die SPD nach 22 Jahren nicht mehr den Oberbürgermeister stellt? Die Osnabrücker Sozialdemokraten werden diese Frage in den kommenden Wochen diskutieren müssen. Denn eigentlich waren die Bedingungen für einen erneuten Wahlsieg durch die Wiedereinführung der Stichwahl gut.

Niemand wird Birgit Bornemann zum Sündenbock machen wollen und können. Die Überraschungskandidatin der SPD, die anfangs offen eingeräumt hatte, noch nie in einer Ratssitzung gewesen zu sein, hat gekämpft und ein achtbares Ergebnis erzielt. Manchen Wählern wird sie vielleicht gerade deshalb sympathisch sein, weil sie nicht den Parteigeruch verströmt.

Durch ihre unpolitische Herkunft kam Bornemann beinahe zwangsläufig in die Rolle der Herausforderin. Da spielte es keine Rolle, dass ihr Konkurrent Griesert erst wenige Monate zuvor als Baurat aus den Diensten der Stadt entlassen worden war. Ein He rausforderer muss angreifen, um auf sich aufmerksam machen aber das ist nicht das Ding der Birgit Bornemann. Und so entschied sich die Mehrheit der Wähler für Wolfgang Griesert, der aus seiner Zeit als Baudezernent die Stadtverwaltung von innen kennt.

Der vorzeitige Abgang des früheren Oberbürgermeisters Pistorius in die Landespolitik hat die Personalschwächen der etablierten Parteien deutlich gemacht. Das gilt besonders für die SPD, die sich darauf verlassen konnte, dass ihr OB bei der turnusmäßigen Wahl 2014 mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit im Amt bestätigt worden wäre.

Für die CDU stand Griesert zum rechten Zeitpunkt bereit. Mehr Namen sind bis auf den altersbedingt nicht mehr kandidierenden Brickwedde dort auch nicht zu hören.
Autor:
Wilfried Hinrichs, Ulrike Schmidt


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