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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Bekommt Osnabrück einen Badesee?
 
Warum Planschen in der Hase verboten ist
Zwischenüberschrift:
Öffentliche Gewässer im Stadtgebiet sind für Schwimmer tabu – Badesee-Pläne liegen in der Schublade
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Viele Metropolen verfügen über Badeseen, einige bereiten derzeit sogar die Einrichtung von Flussbadeanstalten vor. In Osnabrück ist das Schwimmen in öffentlichen Gewässern untersagt. Zu groß wäre der Aufwand für die Verwaltung, die Sicherheit zu gewährleisten, Wassertiefe und - qualität sicherzustellen oder Fragen des Umweltschutzes zu klären, sagte Detlef Gerdts, Fachbereichsleiter Umwelt der Stadt Osnabrück, auf Anfrage unserer Redaktion. Gleichzeitig betonte er, dass die Stadt ihren Bürgern das Baden in der Natur auf lange Sicht ermöglichen wolle. Pläne für einen Badesee im Schinkel lägen seit Jahren in der Schublade. Das Hindernis: Die Eigentümer des infrage kommenden Grundstückes wollen nicht verkaufen. Ändern könnte sich das, falls die A 33-Nord gebaut werden sollte.

Osnabrück. Zürich und München machen es vor, Berlin soll folgen in einigen Großstädten ist es erlaubt, zumindest abschnittsweise in innerstädtischen Flüssen zu baden. In Osnabrück ist der Sprung in die Hase dagegen verboten. Perspektivisch will sich die Stadt aber darum bemühen, ein öffentliches Badeangebot in der Natur zu schaffen.

" Das Baden in der Hase oder anderen Flüssen ist genauso untersagt wie das Baden im Rubbenbruchsee", stellt Detlef Gerdts, Fachbereichsleiter Umwelt der Stadt Osnabrück, klar. Geregelt wird dieses Verbot in Paragraf 9 der städtischen " Verordnung über die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung". Darin heißt es kurz und knapp: " Das Baden in Gewässern außerhalb der Badeanstalten und in Brunnen ist untersagt."

Die Begründung für das allgemeine Verbot liege in dem hohen Aufwand, der ansonsten zu betreiben wäre. " Wir müssten geeignete Stellen exakt benennen, die Sicherheit an den jeweiligen Punkten gewährleisten, für etwaige Verletzungen haften und die Wasserqualität überwachen", erläutert Gerdts. Im Fall des Rubbenbruchsees kämen zudem naturschutzrechtliche Bedenken zum Tragen. " In dem Gebiet brüten unter anderem geschützte Vogelarten", sagt Gerdts. Aus diesem Grund seien auch einige Bereiche für Tretbootfahrer gesperrt.

Ausgenommen von dem Verbot ist der in Privatbesitz befindliche Attersee, der ein ausgewiesener Badesee ist. Dort existiert ein kleines Strandbad, in dem sich Besucher für 2, 50 Euro Eintritt in einem natürlichen Gewässer abkühlen können. Ansonsten stehen Freiluftschwimmern im Stadtgebiet nur das Nette- und Moskaubad zur Verfügung. Denn auch das Schwimmen in Regenrückhaltebecken wie dem Pappelsee ist nicht gestattet. In diesem Fall sind es die Stadtwerke Osnabrück, die als Betreiber ein entsprechendes Verbot aussprechen.

Die Einrichtung einer Flussbadeanstalt an der Hase, wie es in München für die Isar und in Berlin für die Spree geplant ist, hält Gerdts zwar nicht für unmöglich, aber für äußerst ambitioniert: So müsste aufgrund des oftmals niedrigen Wasserstands im Sommer Sand ausgebaggert werden, um die nötige Tiefe herzustellen. Zudem müssten beispielsweise Stege errichtet und die Sicherheit garantiert werden. " Unmöglich ist das zwar nicht, aber es wäre mit einem immensen finanziellen Aufwand verbunden", erklärt Gerdts.

Ob das Baden in der Hase derzeit außerdem gesundheitsgefährdend wäre, lässt sich nicht genau sagen: Wegen des Verbots führt das Gesundheitsamt keine regelmäßigen Wasserkontrollen durch. " Die Qualität dürfte aber nicht die Beste sein", vermutet Gerdts. Denn: Gerade an regenreichen Tagen würden die schadstoffreichen Oberflächenabflüsse der Straßen direkt in den Fluss fließen.

Abwegig ist der Gedanke vom Baden in Hase und Nette indessen nicht: Für die heutige Großeltern-Generation war das Planschen in den städtischen Fließgewässern schließlich völlig normal. Es existierten sogar öffentliche Fluss-Badeanstalten.

Grundsätzlich hält es auch die Stadt für wünschenswert, ihren Bürgern das Schwimmen in der Natur künftig wieder zu ermöglichen: Pläne für einen öffentlichen See, in dem auch gebadet werden darf, liegen seit rund einem Jahrzehnt in der Schublade. " Vor einigen Jahren hat die Stadt Pläne entworfen, im Osten Osnabrücks einen solchen See zur Entlastung des Naherholungsgebiets am Rubbenbruchsee zu schaffen", bestätigt Gerdts. An der Südstraße in Schinkel-Ost sei eine geeignete Fläche vorhanden, an der Sand für einen Badesee ausgebaggert werden könnte. Das Problem: Weil die Eigentümer nicht bereit sind, die Fläche zu verkaufen, liegt das Projekt seit Jahren auf Eis.

Aufgegeben habe die Stadt das Vorhaben aber noch nicht. Gerdts: " Falls bei künftigen Baumaßnahmen große Sandmengen gebraucht werden, zum Beispiel für den Bau der A 33-Nord, könnte Bewegung in die Sache kommen." Das abgetragene Erdreich des späteren Rubbenbruchsees wurde seinerzeit für den Bau der A 30 verwandt, der Attersee ist durch den Sandabbau für Teile der A 1 entstanden.

Haben Sie Verständnis für das Badeverbot in den Osnabrücker Gewässern? Sagen Sie uns Ihre Meinung auf

www.noz.de
Bildtexte:
Klare Ansage der Stadtwerke Osnabrück am Pappelsee im Stadtteil Wüste.
Still ruht der (Rubbenbruch-) See: Baden ist auch hier behörtlich verboten.
Foto:
Michael Gründel, Benjamin Beutier

Kommentar
Auf eigene Gefahr

Es mag gute Gründe geben, nicht in der Hase zu baden. Aber jedem Verbot haftet auch etwas Bürokratisches an, und das reizt nicht nur anarchistisch veranlagte Naturen, sich darüber hinwegzusetzen. Behörden neigen nun einmal dazu, Nutzungen einzuschränken, die sich ihrer Kontrolle entziehen. Am Ende steht dann unweigerlich ein Verbot.

Mit genau dieser Eigendynamik wurde vor einigen Jahren das Schlittschuhlaufen auf öffentlichen Gewässern untersagt. Bis öffentlicher Druck den Rat bewegte, das Betreten des Eises zu gestatten. Natürlich auf eigene Gefahr. Auf eigene Gefahr sollte auch das Baden in Hase, Nette oder Düte erlaubt sein. Generell und ohne amtliche Verrenkungen, im Zweifel auch ohne Baggeraktionen und ohne Steg. Bleiben noch die Schadstoffe. Rauchen ist mit Sicherheit gefährlicher als ein gelegentliches Bad in der Hase. Und wenn all die Programme greifen, die einen " guten ökologischen Zustand" bis 2027 herbeiführen sollen, dann müsste die Wasserqualität ja eigentlich von Jahr zu Jahr besser werden.
Autor:
Johannes Zenker, Rainer Lahmann-Lammert


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