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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
500 Jahre alte Eiche radikal gestutzt
Zwischenüberschrift:
Morsches Naturdenkmal in Atter wird zur Gefahr
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Er steht vielleicht schon so lange wie das Osnabrücker Rathaus, hat die Stadt wachsen sehen und große Kriege überdauert: Nun macht einem schätzungsweise 500 Jahre alten Baum in Atter ein Pilz das Leben schwer. Damit keine morschen Äste auf den Gehweg krachen, wurde das Naturdenkmal radikal zurückgeschnitten.

Die Stieleiche mit ihrem kurzen Stamm und der mächtigen, trichterförmigen Krone steht im Garten des Wohnhauses " In der Stro the 1" und wegen ihrer Schönheit und Bedeutung unter besonderem Schutz. Wie übrigens auch die beiden Winterlinden auf dem Nachbargrundstück. Gemeinsam beherrschen die drei turmhohen Bäume das Bild an der Ecke zur Landrat-von-Ostman-Straße.

Doch mit der Zeit ist das grüne Dach der Strothesiedlung an dieser Stelle zur echten Gefahr geworden. Denn die Stieleiche ist krank: Ein hartnäckiger Pilz höhlt sie von innen aus. Gerade bei kräftigem Wind drohen deshalb immer wieder dicke Äste abzubrechen und auf den Bürgersteig oder die Straße zu fallen. Nicht auszudenken, wenn dadurch jemand verletzt, geschweige denn erschlagen würde. Um das Risiko für Fußgänger, Radler und Autofahrer also möglichst klein zu halten, rücken die Baumpfleger der Stadt Osnabrück in regelmäßigen Abständen mit der Säge an.

" Wir versuchen, den Baum so lange wie möglich zu erhalten", sagt Ansgar Niemöller vom Fachdienst Naturschutz und Landschaftsplanung. " Aber wir sind auch für die Verkehrssicherung verantwortlich." Beim letzten Großeinsatz am verfaulenden Naturdenkmal ND-OS-S 61 im Frühjahr 2004 sei es nötig gewesen, ein Drittel der Krone zu kappen. Und auch diesmal elf Jahre später musste die uralte Pflanze stark gestutzt werden. Zwei Tage benötigten die städtischen Spezialisten zu Beginn dieser Woche dafür.

Große Wunden

Mit der wiederholten Radikalkur ist die Stieleiche allerdings keineswegs gerettet. Es könne passieren, dass weitere Fäulniskörper und Erreger eindringen, bevor der Baum seine mitunter riesigen Schnittflächen aus eigener Kraft verschlossen habe, erklärt Niemöller. " Das ist vergleichbar mit einer großen Wunde beim Menschen, die sich entzündet."

Die Eiche sei also auch künftig Teil einer " engmaschigen Kontrolle". Wie viele Jahre sie noch vor sich hat, vermag der Experte nicht abzuschätzen. Es sei ja nicht einmal klar, wie viele bereits hinter ihr liegen. " 300 sind es ganz sicher, möglicherweise sogar 500", sagt Ansgar Niemöller. " Ganz genau wissen wir es erst, wenn der Baum eines Tages gefällt wird. Dann können wir die Jahresringe zählen."

Stieleichen dominieren in unseren Breiten zusammen mit der Rotbuche die Laubmischwälder. Ihren Namen verdanken sie den Früchten (Eicheln), die sie tragen: Diese wachsen im Gegensatz zum Blatt auf einem langen Stiel. Das Holz der Stieleiche ist sehr hart und außerordentlich widerstandsfähig. Die heimische Stieleiche wird bis zu 40 Meter hoch und erreicht mit 700 bis 800 Jahren ein höheres Alter als die meisten anderen Bäume. In Ausnahmefällen können Stieleichen sogar über 1000 Jahre alt werden.

Wie die Stadt Osnabrück ihre Bäume mit einer Satzung schützen will und warum Kahlschlag nicht immer gleich Baumfrevel ist, lesen Sie im Internet auf www.noz.de/ os. Dort finden Sie auch weitere Fotos von der geschützten Stieleiche in Atter.
Bildtexte:
Kahl sieht die Baumkrone der jahrhundertealten Stieleiche in Atter nach dem Rückschnitt aus.
Ein hartnäckiger Pilz hat die Hauptäste des schätzungsweise 500 Jahre alten Naturdenkmals in Osnabrück-Atter von innen ausgehöhlt.
Tatort Gartenzaun: Dieses Bild wurde vor wenige Tage vor den Baumpflegearbeiten in der Strothesiedlung aufgenommen, als die Stieleiche noch in voller Pracht stand.
Fotos:
Horst Troiza, Jörn Martens, David Ebener
Autor:
Sebastian Stricker


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