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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Der Fahrstuhlschacht blieb stehen
Zwischenüberschrift:
Das Trümmerfeld an Georgstraße und Möserstraße gab 1946 den Blick auf Herz Jesu frei
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Schuttmassen ergießen sich in die Hase, kein Dachstuhl ist mehr erhalten. Einzig die stehen gebliebenen Schornsteine der Wohn- und Geschäftshäuser an der Herrenteichsstraße in der linken Bildhälfte deuten an, wo einmal der Dachfirst war.

Das Haus des Büromaschinenhandels Vordemfelde & Genck, Georgstraße 7/ 9 (vorne rechts im Bild), hatte vor dem Palmsonntag 1945 vier Geschosse. Als trauriges Relikt eines einst großzügigen Geschäftshauses an der Möserstraße ragt das Stahlgerüst des Personenaufzugs turmartig darüber hinweg.

Foto-Chronist Karl Ordelheide lieferte nach dem Kriegsende vor 70 Jahren die Illustrationen zu der offiziellen Statistik, die die traurige Situation in nüchternen Zahlen so beschrieb: 860 000 Kubikmeter Schutt und Trümmerteile bedeckten Grundstücke, Straßen und Plätze. Mehr als 12 000 Wohnungen waren vernichtet oder unbewohnbar beschädigt, 32 öffentliche Gebäude, 7 Kirchen, 13 Schulen und ein Krankenhaus total zerstört. Weitere 29 öffentliche Gebäude, 7 Kirchen, 11 Schulen und fünf Krankenhäuser waren schwer beschädigt. Die Osnabrücker Innenstadt lag zu 80 Prozent, die ganze Stadt zu rund 60 Prozent am Boden.

Schwer vorstellbar, so kommentierte Ordelheide seine Fotos, dass in dieser Wüstenei aus tiefster Depression neuer Lebensmut entstehen sollte. Aber wenigstens gab es keinen Alarm mehr. Man konnte sich endlich wieder sicher fühlen vor Bombenangriffen und dem Beschuss durch Tiefflieger. " Der Wiederaufbau machte wieder Sinn", schrieb Ordelheide, " die Bombentrichter, die man jetzt zuwarf, wurden nicht von Neuem aufgewühlt, die Ziegel, die jetzt aufs Dach kamen, wurden nicht zum fünften oder sechsten Mal vom Dach gefegt, die Fensterscheiben, die wir neu einsetzten, zerbrachen nicht zum zehnten oder elften Mal."

Dennoch mussten Rat und Bauverwaltung angesichts der weitgehend zerstörten Innenstadt zunächst einmal die Antwort auf eine prinzipielle Frage suchen: Sollte man die Osnabrücker Innenstadt auf dem vorgegebenen Muster von Straßen und Plätzen wiederaufbauen? Oder wäre es stadtplanerisch weitsichtiger, sich von dem mittelalterlichen Straßenverlauf zu lösen?

Die Antwort fiel sehr pragmatisch aus: Wenn auch die Häuser vielfach nicht mehr standen, so war ja dennoch ein erheblicher Wert unter der Erde vorhanden: Versorgungsleitungen, Abwasserkanäle, Grundmauern und Kellerräume. Dieser Aktivposten konnte bei einem zukünftigen Wiederaufbau angesichts der knappen Ressourcen nicht aufgegeben werden. Und so wurde der Plan verworfen, auf dem Reißbrett eine " neue Stadt" zu konstruieren.

Stattdessen begann der Wiederaufbau zumeist in den vorhandenen engen Straßenzügen und auf den alten kleinteiligen Parzellen. Nur in Sonderfällen debattierte ein eigens eingerichteter Fluchtlinienausschuss des Rates über die notwendige Verbreiterung von Ausfallstraßen und besonders enger Altstadtgassen. So kam es unter anderem zur breiteren Ost-West-Durchfahrt auf Neuem Graben, Neumarkt und Wittekind straße. Wie die Zeiten sich doch ändern: Heute sind wir im Begriff, dieses Planungsergebnis wieder zurückzubauen.

Stadt im Wandel: mehr Texte und Fotos aus dem alten Osnabrück auf www.noz.de/ historisch-os
Bildtexte:
Blick von der Georgsbrücke über die Hase zur Herrenteichsstraße um 1946. In der rechten Bildhälfte überragt die Herz-Jesu-Kirche das Ruinenfeld an der Möserstraße.
Die Herz-Jesu-Türme mit ihren geschrumpften Nachkriegs-Helmen geraten über dem wiederaufgebauten Häuserblock erst wieder ins Blickfeld, wenn man einige Stockwerke hochklettert.
Foto:
Karl Ordelheide, entnommen aus: Wido Spratte, Osnabrück 1945 - 1955, Verlag Wenner, Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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