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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
"Mulmig war uns schon"
Zwischenüberschrift:
Osnabrücker Jungs finden Granaten-Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Eigentlich wollten die vier Jungs am Mittwochabend nur mit Wasserbomben spielen. Gefunden haben sie dabei eine englische Handgranate aus dem Zweiten Weltkrieg. Etwas mulmig sei ihnen dabei schon geworden, berichten sie.

Die Sommerferien haben kaum begonnen, da haben die vier Jungs aus Osnabrück sie gehen auf das Ratsgymnasium und die IGS schon ihr erstes Abenteuer erlebt. Es wird schwierig werden, das im Laufe der nächsten sechs Wochen zu toppen.

Auf dem Gelände der Baustelle an der Ecke Sedanstraße/ Barbarastraße, vor der neuen Uni-Bibliothek, lag das Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg am Fuß eines Schuttbergs, auf dem die vier eine Pause einlegten, nachdem sie sich mit Wasserbomben beworfen hatten.

Der zwölfjährige Benno Bals hatte die Granate als erster in der Hand. Zunächst dachte er, es handele sich um einen Stein. Nach eingehender Prüfung kam den Jungs das Ding dann aber komisch vor, wie der 13-jährige Vincent Roloff berichtet: " Auf einer Seite hat man die Rillen gesehen, wie auf einem Schildkrötenpanzer." Da war klar: Es ist eine Handgranate.

Die vier waren sich nicht so ganz sicher, wohin mit dem Teil. Sie nahmen es zunächst mit. Benno rief seine Mutter an. " Die hat sofort gesagt: ' Legt das Ding hin'", erzählt Benno. Da hatten die vier schon die Sedanstraße überquert. Sie legten die Granate vorsichtig auf den Bürgersteig. " Da war zu der Zeit niemand unterwegs", sagt Benno.

Weiträumige Sperrung

Wenig später traf seine Mutter ein, die sofort die Polizei verständigte. Erst kam ein Streifenwagen, dann die Feuerwehr, dann der Kampfmittelbeseitigungsdienst aus Hannover. Am Ende war das Gelände in einem Radius von 300 Metern abgesperrt. " Bis um 22 Uhr waren wir noch da", berichtet Benno. " Da war klar, dass die Granate abtransportiert wird." Die Waffe wurde am Donnerstagvormittag kontrolliert gesprengt.

Rückblickend wird den Jungs doch etwas anders, wenn sie daran denken, dass die Granate hätte losgehen können. " Mulmig war uns schon. Man weiß ja aus dem Fernsehen, wie gefährlich die sind", sagt Vincent. Darüber, was alles hätte passieren können, hätten sie sich aber erst im Nachhinein richtig Gedanken gemacht.

Nach Ansicht von Experten hatten die Jungs großes Glück, dass nichts Schlimmes passiert ist. Für Donnerstagabend haben die Freunde sich jedenfalls etwas weniger Aufregendes für ihr Ferienprogramm überlegt. " Wahrscheinlich gehen wir ins Kino", sagt Joscha Albert.

Nach Angaben der Stadt ist es sehr selten, dass Infanteriekampfmittel wie Handgranaten in Osnabrück gefunden werden. Ein Mitarbeiter erinnere sich an einen einzigen Fall, der aber schon Jahre zurückliegt, so Pressesprecher Sven Jürgensen. Beim Einmarsch der Alliierten sei es nur vereinzelt zu Kampfhandlungen gekommen. Die Stadt prüft nun, ob das Baustellengelände am Westerberg erneut auf Blindgänger abgesucht werden muss.

Kampfmittel aus dem Krieg halten Osnabrück immer wieder in Atem. Alle Infos sowie ein Video finden Sie auf www.noz.de/ bombe
Bildtexte:
Joscha Albert, Benno Bals und Vincent Roloff (von links) haben haben zusammen im ihrem Kumpel Jannes Dobre die Granate gefunden. Die Handgranate lag auf einem Schutthaufen auf der Baustelle an der Sedanstraße. Auf dem Bild, das gestern entstand, hat Vincent natürlich nicht die Granate, sondern eine Wasserbombe in der Hand.
Bei der Granate handelt es sich um ein englisches Fabrikat.
Fotos:
Sven Kienscherf, Regine Bruns

Kommentar
Es ist und bleibt gefährlich

Wenn aus Spaß Ernst wird: Der Wasserbombenjux der drei Jungs entwickelte sich zum hochexplosiven Spiel. Die Mutter hat reaktionsschnell und richtig gehandelt, und alle Beteiligten können froh sein, dass nichts Gravierendes passiert ist.

Nun ist eine Handgranate ein seltener Fund, der nicht über die zerstörerische Kraft einer zentnerschweren Weltkriegsbombe verfügt. Sie erinnert uns aber daran, dass in der Osnabrücker Erde noch höchst gefährliche Hinterlassenschaften aus dem Zweiten Weltkrieg schlummern.

Die Stadt tut gut daran, den eingeschlagenen Weg der systematischen Kampfmittelbeseitigung weiterzu- gehen. Die nächste Bombenräumung am kommenden Sonntag steht ja bereits vor der Tür. Diesmal ist der Aufwand zwar relativ gering, doch wenn beim nächsten Fund vielleicht wieder großflächig evakuiert werden muss, seien alle daran erinnert, dass die Bomben zunehmend gefährlicher werden. Und wehe, wenn die nächsten Kinder eine Bombe finden und es zur Explosion kommt.
Autor:
Sven Kienscherf, Dietmar Kröger


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