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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Wurde im Baugebiet getrickst?
 
Doppelhaus-Streit empört Voxtrup
Zwischenüberschrift:
Wurde die Stadt über den Tisch gezogen? Bald Ortstermin im Baugebiet am Milanweg
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Haben sich die Stadtplaner von einer Baufirma über den Tisch ziehen lassen? In Voxtrup gibt es große Aufregung über Doppelhäuser im Baugebiet am Milanweg, die nach dem Buchstaben des Gesetzes aber keine Doppelhäuser sind. Sie verfügen über einen gemeinsamen Kellerraum, in dem die Heizung und die Hausanschlüsse untergebracht sind. Auf diese Weise werde das Baurecht ausgetrickst, meinen Kritiker. Die Verantwortlichen der Stadt sehen das weniger dramatisch und warnen vor weiteren Reglementierungen.
Alt-Anlieger des Baugebiets am Milanweg fürchten zudem, dass durch Aufschüttungen ein Gefälle entsteht, sodass ihre Grundstücke bei starken Regenfällen von Sturzbächen in Mitleidenschaft gezogen werden könnten.

Osnabrück. Große Aufregung in Voxtrup: Am Milanweg sind Doppelhäuser entstanden, die bei genauer Betrachtung gar keine Doppelhäuser sind, sondern Einfamilienhäuser mit zwei Wohnungen. Hat da ein Bauträger die Stadt ausgetrickst? Politiker behaupten das und fordern strengere Reglementierungen. Die Fachleute aus der Bauverwaltung sehen das weniger dramatisch.

" Bei keinem anderen Bebauungsplan ist die Verwaltung dermaßen über den Tisch gezogen worden", empörte sich Ratsherr Wulf-Siegmar Mierke von der UWG im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt. In großem Umfang sei am Milanweg " getrickst" worden, und nun stehe dort " eine Reihenhausbebauung, die wir nicht haben wollten".

Andere Ratsmitglieder äußerten sich zwar moderater, kritisierten aber ebenfalls den freizügigen Umgang mit der Bauordnung. " Was lernen wir daraus?", fragte der Grünen-Ratsherr Jens Meier und wollte wissen, wie der Fachbereich solche Entwicklungen künftig auszuschließen gedenke.

Steine des Anstoßes sind vier der 21 inzwischen fertigen Häuser. Äußerlich erkennbar ist die symmetrische Bauweise mit jeweils zwei getrennten Eingängen, die für Doppelhäuser typisch ist. Also doch Doppelhäuser? Nein, sagt Architekt Hans-Hubert Schulte von der Firma Planen + Bauen entschieden, der drei der beanstandeten Objekte gestaltet hat zumindest " nicht im baurechtlichen Sinn". Und das habe die Stadt ja auch so genehmigt.

Bei seinem Haustyp handle es sich nämlich nicht um zwei selbstständige Einheiten, sondern um ein Haus mit zwei Wohnungen auf einem gemeinsamen Grundstück. Dieses Haus besitze nur eine Heizung und einen Hausanschluss für Strom, Gas, Wasser, Telekommunikation und Entwässerung. Schultes Clou: Er hat diese Technik-Zentrale in einem Kellerraum angeordnet, der von beiden Seiten zugänglich ist.

Das genau sei der Trick, um die Bauordnung zu umgehen, werfen Kritiker dem Architekten vor. Daraus leitet sich der Ruf nach stärkeren Restriktionen ab, so wie es auch im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt gefordert wurde.

Franz Schürings, der Leiter des Fachbereichs Städtebau, sprach sich entschieden dagegen aus. " Wir sind überzeugt, dass der Bebauungsplan eingehalten wurde", fasste er zusammen. Mit noch strengeren Richtlinien werde es unmöglich, ein Haus mit einer Einliegerwohnung zu bauen. Das sei aber für viele Familien wichtig.

Schürings räumte ein, dass die Definition " Einzelhaus" mit dem gemeinsamen Kellerraum unterlaufen werde. Nach dem Baurecht könne ein Einzelhaus jedoch aus mehreren Gebäuden bestehen.

In diesem Sinne äußerte sich auch Stadtbaurat Frank Otte. Das Land Niedersachsen habe im Zuge der " Entbürokratisierung" Hürden abgebaut, sodass eine Entwicklung wie am Milanweg letztlich gewollt sei. Wenn man sich das Ergebnis im Baugebiet anschaue, dann sei im Übrigen " keine unerträgliche Situation" entstanden.

Anwohner aus der Nachbarstraße Molenseten beanstanden nicht nur die Bauweise der Doppelhäuser. Ein Hauptkritikpunkt sind die Aufschüttungen, durch die das Geländeniveau insgesamt angehoben wurde. Schon gibt es Klagen, die Häuser der neuen Nachbarn würden die aufgehende Sonne im Osten verdecken. Und bei Starkregen, so fürchten die Altanlieger, könnten sich Sturzbäche in ihre Gärten ergießen.

Wegen dieser seit Langem erhobenen Bedenken hat die Stadt im Bebauungsplan festgeschrieben, dass die Stützmauern zu den Nachbargrundstücken nicht höher als 75 cm sein dürfen. Der Ausschuss für Stadtentwicklung will sich demnächst bei einem Ortstermin über das Baugebiet am Milanweg informieren.
Bildtext:
Zwei Eingänge, zwei Wohnungen, aber rechtlich gesehen kein Doppelhaus: In Voxtrup wird über diese neuen Wohnhäuser am Milanweg gestritten.
Foto:
Jörn Martens

Kommentar
Der alte Kampf um Besitzstände

Einige Voxtruper sprechen schon von einer " sozialen Insel", wenn sie das Baugebiet am Milanweg meinen. Das hört sich so an, als drohten einige Doppelhäuser dort, wo bislang nur Einzelhäuser standen, eine ganze Siedlung ins soziale Abseits zu stürzen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Alt-Anlieger argwöhnisch auf ihre neuen Nachbarn blicken, die ihnen den Blick aufs Grün verbauen. Menschlich ist das nachvollziehbar, aber bei der Interessenabwägung muss die Stadtentwicklung Priorität haben. Es wäre fatal, am Stadtrand wertvolle Freiräume zu betonieren, weil Bürger innerhalb bestehender Siedlungen auf ihre Besitzstände pochen.

Der Anblick neuer Häuser mag gewöhnungsbedürftig sein, die Probleme mit der Wasserabführung werden sich lösen lassen. Den Familien am Milanweg ist zu wünschen, dass sie mit offenen Armen als neue Nachbarn begrüßt werden.
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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