User Online: 1 | Timeout: 03:35Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Bauliche Perle im Schatten der Kirche
Zwischenüberschrift:
Denkmalgeschützte Turnhalle
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Tausende Besucher des Wochenmarktes gehen donnerstags vermutlich nichts ahnend an einer echten baulichen Perle vorbei. Die ehemalige Turnhalle der Hauptschule Innenstadt in unmittelbarer Nachbarschaft der Katharinenkirche wurde jetzt vom Monumentendienst inspiziert.

1901 war der Bauantrag für die Turnhalle der Lehranstalt gestellt worden. Inzwischen wird dort längst kein Sport mehr getrieben. Vielmehr wird das Haus neben der Hauptschule als Aula und Musikraum genutzt. Auch die Musik- und Kunstschule gibt hier regelmäßig Kurse. " Der Raum ist unverzichtbar für uns", sagt Schulleiter Hans Kaes, unverzichtbar und zugleich ein Monument (aus dem Lateinischen: Denkmal oder Gebäude).

Moderne Nutzung in einem alten Gebäude das ist für den Monumentendienst geradezu eine ideale Kombination, erläutert Projektleiterin Kerstin Stölken. Sie ist mit dem Zimmerer Sven Rathjen und dem Tischler Michael Zenker auf Einladung der Stadt nach Osnabrück gekommen, um das alte Haus gründlich unter die Lupe zu nehmen. Die Stadt ist Mitglied im Monumentendienst und nutzt dessen Möglichkeiten beim Erhalt alter Gebäude.

Eine wichtige Voraussetzung für den Erhalt historischer Gebäude erfüllt die Turnhalle: moderne Nutzung in altem Gemäuer. Schwieriger wird es für den Monumentendienst, wenn ein Altbau schon lange ungenutzt und vernachlässigt ist. Jetzt sind die Inspektoren Rathjen und Zenker am Zuge. Die beiden Handwerker haben eine Zusatzausbildung zum Techniker Baudenkmalpflege. Vom Keller bis zum Dach durchsuchen sie das Gebäude nach möglichen Schäden, und was für die Besitzer das Wichtigste ist nach den Ursachen.

Ein Loch im Dach

Eine gründliche Inspektion dauert, je nach Größe der Gebäude, mindestens ein Tag. Alle Schäden und Erkenntnisse, die dabei gesammelt werden, werden detailliert in einem Bericht aufgeführt. Dazu erläutern die Fachleute, was gemacht werden sollte, um das Gebäude in bautechnisch gutem Zustand zu erhalten. Die empfohlenen Sanierungsarbeiten werden mit einer Prioritätenliste erfasst: Die Zeitspanne reicht vom akuten Handlungsbedarf über Sofortmaßnahmen innerhalb eines Jahres und Arbeiten in einem Zeitraum bis zu fünf und bis zu zehn Jahren.

Im Falle der alten Turnhalle gibt es keinen akuten Handlungsbedarf. Allerdings, so Rathjen und Zenker, könnten in den nächsten Tagen zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden. Bei der in wenigen Tagen anstehenden Reinigung der Regenrinnen könnte der Dachdecker gleich ein Loch im Dach beseitigen. Dann läuft das Wasser nicht mehr an der Wand herunter und hinterlässt hässliche schmutzige Streifen.

In absehbarer Zeit sei die Erneuerung der Flachdachabdeckung nötig. Die Krusten am Sandsteinsockel müssen entfernt werden. Die abblätternden Rahmen der Sprossenfenster sind in einem besseren Zustand, als es auf den ersten Blick zu vermuten ist, erläutert Zenker: Die Bauherren früherer Zeiten hätten für die Fensterrahmen meist exzellentes festes Holz benutzt. Ein Anstrich reicht. Das erste Fazit nach der Inspektion: " Der Zustand ist recht gut."

Für die Reparaturen ist der Monumentendienst nicht mehr zuständig. Die Mitarbeiter empfehlen auf Wunsch Handwerker aus der jeweiligen Region, die sich mit der Erhaltung alter Gebäude auskennen.

Historische Materialien

Mitglieder (Jahresbeitrag 40 Euro) werden außerdem beraten, wenn sie historische Baustoffe für ihr Gebäude suchen. Der Monumentendienst, so berichtet Mitarbeiterin Bente Juhl, hält eine Fülle von Altmaterialien auf Lager, die zum Teil bei Abbrucharbeiten gesichert wurden.

Beratung gibt es für die richtigen Baustoffe, Beratung bietet der Monumentendienst aber auch alle denjenigen, die ein historisches Gebäude kaufen wollen. Die Inspektoren begutachten dann den Zustand und die Schäden, um den künftigen Besitzer vor unliebsamen Überraschungen zu schützen.
Bildtexte:
Bei alten Fenstern sei die Holzqualität oft so gut, dass ein neuer Anstrich reiche, um die Substanz zum erhalten, erklärt Michael Zenker.
Von da oben läuft das Regenwasser herunter, zeigt Sven Rathjen an der Wand der Turnhalle.
Die Hofseite der Turnhalle an der Hauptschule Innenstadt, dahinter erhebt sich die Katharinenkirche.
Fotos:
Klaus Lindemann

Alte Gebäude erhalten

Der 2004 gegründete Monumentendienst ist eine Initiative der gemeinnützigen Stiftung Kulturschatz Bauernhof. Sie wird von den teilnehmenden Kommunen (unter anderem Stadt und Landkreis Osnabrück), vom Land Niedersachsen und der Europäischen Union gefördert. Dadurch kann sie ihre Dienstleistungen zu vergünstigten Preisen anbieten. Der in ganz Deutschland einmalige Monumentendienst will in der Region Weser-Ems Eigentümern historischer Gebäude aktiv und beratend zur Seite stehen und so dem Verfall kulturhistorischer Bauwerke entgegenwirken. Regelmäßige Inspektionen und Instandsetzungsarbeiten haben bisher viele historische und erhaltenswerte Gebäude vor größeren Schäden bewahrt. Gebäude, die vom Monumentendienst betreut werden, sollten historische Objekte sein, möglichst vor 1945 erbaut und unter Denkmalschutz stehen. Sitz des Dienstes ist im Museumsdorf Cloppenburg: www.monumentendienst.de.
Autor:
Ulrike Schmidt


Anfang der Liste Ende der Liste