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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
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Überschrift:
Zukunftsschmiede im Hone
Zwischenüberschrift:
Aus dem Traditionsgasthaus wurde ein Lehr- und Forschungszentrum der Hochschule
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Ausflugslokale am Stadtrand haben es bis auf ganz wenige Ausnahmen nicht geschafft, bis in unsere Zeit hinein zu florieren. Die meisten mussten schließen, die Gebäude wurden plattgemacht. Nur die glücklicheren unter ihnen konnten ihre historische Haut retten und ihr Inneres für eine neue zeitgemäßere Nutzung umstylen lassen. Zu diesen glücklichen Standorten zählt das ehemalige " Kaffeehaus zum Schmied im Hone" an der Oldenburger Landstraße.

Wie bei vielen anderen historischen Bauwerken auch man denke nur an das Schloss oder die Caprivikaserne war es eine der Osnabrücker Hochschulen mit dem dahinter stehenden Land, die als Retter auf den Plan trat.

18 Jahre lang hatte der Gebäudekomplex leer gestanden, das denkmalgeschützte Gaststättengebäude drohte zu verfallen. Da kam Hochschulpräsident Andreas Bertram der Einfall, dem am Standort Haste nur behelfsmäßig untergebrachten Fachgebiet Lebensmittelwissenschaften eine neue Heimstatt " gleich nebenan beim Schmied" zu schaffen. Mit dem Eigentümer Dominik Freiherr Ostman von der Leye wurde ein neuer Pachtvertrag abgeschlossen. Als Bauherr trat allerdings nicht die Hochschule oder das Land auf, sondern die MBN Bau AG aus Georgsmarienhütte.

Sie investierte 4, 7 Millionen Euro in den zweigeschossigen Neubau und 1, 2 Millionen in die Sanierung des alten Schankhauses. Allerdings erst, nachdem sie einen langjährigen Mietvertrag mit der Hochschule fertig unterschrieben in der Tasche hatte. Seit April 2012 forschen nun Studierende der Fakultät Agrarwissenschaft und Landschaftsarchitektur, wie man auf ihrem Fachgebiet, der Lebensmitteltechnik, unsere täglichen Nahrungs- und Genussmittel noch weiter verbessern kann. Die Labore im Neubau ermöglichten erstmals mikrobiologische und chemische Analysen mit professionellen Hygienestandards, eben " unter Laborbedingungen", wovon die Studenten zuvor im staubigen Gewächshaus nur träumen konnten.

Kalorienarmes Speiseeis

Bei der Einweihung bekamen die Gäste selbst hergestelltes kalorienarmes Speiseeis gereicht. Und nachdem die Eröffnungsredner sinnfälligerweise gemeinsam ein Hufeisen geschmiedet hatten, in das sie alle guten Wünsche für das Haus und seine Nutzer einfließen ließen, gingen Tabletts mit " Haster hell" und " Haster dunkel" in die Runde Eigenprodukte aus der Brauanlage des neuen Technikums.

Im Erdgeschoss des Altbaus ist sogar etwas Kneipenatmosphäre gewahrt worden, einschließlich des Tresens und der alten Zapfanlage. Der Studiendekan der Fakultät versicherte jedoch sogleich, dass der Zapfhahn höchstens mal nach Feierabend in Betrieb genommen werde. Tagsüber diene der Schankraum den Studierenden als " Lernlandschaft".

Die historische Ansichtskarte führt zurück in eine Zeit, in der durchaus auch tagsüber gezapft wurde. Die " Bramscher Chaussee" war als Ausfallstraße nach Norden immer gut befahren. Fuhrleute und Boten, die weiter nach Ankum, Fürstenau oder Quakenbrück wollten, machten hier im Hone ihre erste Pause. Im 19. Jahrhundert konnte man sogar an zwei Stellen im Hone einkehren: im Kaffeehaus Steinkamp (im hier abgebildeten Gasthaus) und in der eigentlichen Schmiede (etwas weiter links), in der der Schmied als Nebenerwerb Branntwein verkaufte. Der Ausschank des Hochprozentigen passte der Bergwerksleitung überhaupt nicht, wie einem Schreiben aus dem Jahr 1868 zu entnehmen ist: " Daß die Kohlenfuhrleute hier ganz in der Nähe des Bergwerkes zum Branntweintrinken Gelegenheit finden, ist weder nöthig noch nützlich […] Endlich auch darf nach gesetzlichen Vorschriften dem Schmied Schürmann im Hohne auch aus dem Grunde keine Branntweins-Schenkconcession bewilligt werden, weil er wegen Uebertretungen von polizeilichen Vorschriften vielfach bestraft worden ist." Gleichzeitig nimmt die Grubenverwaltung den benachbarten " Kaffeewirth Steinkamp" in Schutz: " Er wird nur deshalb um Concession nachgesucht haben, um dem Schmied als Concurrenten nicht einen Vorzug zu lassen."

1909 wurden beide Lokale unter der neuen Bezeichnung " Kaffeehaus zum Schmied im Hone, vormals Steinkamp" zusammengelegt. Schmied Sandmann wurde im gleichen Jahr die Tochter Agnes geboren jene legendäre " Sandmanns Agnes", die nach 58 Jahren am Zapfhahn als dienstälteste Osnabrücker Wirtin 1984 das Gasthaus schloss.
Bildtexte:
Das " Kaffeehaus zum Schmied im Hone" an der früheren " Bramscher Chaussee" war auch dank seiner günstigen Lage zu den Karlssteinen, zum Kreuz im Hone und zum Piesberg ein beliebtes Ausflugslokal. Bis 1984 zapfte Wirtin Agnes Sandmann hier so manches Glas Pils.Ansichtskarte von 1913 aus der Sammlung von Helmut Riecken
Das Gasthaus ist renoviert, die Schmiede und weitere Nebengebäude sind abgerissen und haben einem Laborgebäude der Hochschule Platz gemacht.
Foto:
Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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