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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Osnabrücker Bunkern auf der Spur
Zwischenüberschrift:
Hauke Haubrock erforscht Anlagen aus dem Zweiten Weltkrieg – Buch über Luftschutzstollen
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
Osnabrück. In seiner Freizeit ist Hauke Haubrock Bunkerforscher. Seit etwa zehn Jahren fahndet er in Osnabrück nach Anlagen aus dem Zweiten Weltkrieg. Um die hundert Kleinbunker und Deckungsgräben hat er schon alleine oder mit Gleichgesinnten aufgestöbert, berichtet der 32-Jährige, der von Beruf Webentwickler ist.
Die Ergebnisse seiner Bunker-Expeditionen veröffentlicht er auf seiner Homepage " Untergrund Osnabrück".
Haubrock empfängt im Garten seiner Eltern, mit der Hand weist er in Richtung der benachbarten Gärten. " Auch dort befindet sich ein Bunker."
Vor Haubrock auf dem Tisch liegt ein dicker Aktenordner mit Zeichnungen und Lageplänen von Schutzanlagen, wie sie in Osnabrück vor und während des Zweiten Weltkriegs zuhauf angelegt worden sind.
Strategische Bedeutung
" Gemessen an der Einwohnerzahl, hatte Osnabrück eine extrem hohe Bunkerdichte", sagt Haubrock. Zeitweise hätten bis zu 100 000 Menschen in den Anlagen Zuflucht vor den Angriffen der Alliierten finden können jedenfalls theoretisch. " Viele der Anlagen sind einfache Deckungsgräben, die einem Bombenangriff natürlich nicht standgehalten hätten."
Haubrock erklärt die Masse der Bunker mit der strategischen Bedeutung der Stadt: Hier produzierte die Stahlindustrie Rüstungsgüter, zudem war die Bahnstrecke durch Osnabrück ein Knotenpunkt zwischen Ost und West sowie Nord und Süd.
Ein Buch des Heimatforschers Wido Spratte brachte Haubrock vor gut zehn Jahren auf die Spuren der Bunker. In dem Buch schreibt Spratte über die Luftangriffe auf Osnabrück. " Ich bin durch die Stadt gelaufen und habe mir die Bunker, die dort beschrieben sind, angeguckt", berichtet Haubrock. Bei seinen Expeditionen stieß er bald auch auf Anlagen, die nicht in dem Buch stehen. " Mit der Zeit bekommt man einen Blick dafür, wo sich Bunker befinden könnten."
Fündig wird er an Bahngleisen, in der Nähe von Industrieruinen, aber auch in Gärten. Um die Ergebnisse zu veröffentlichen, bastelte er sich eine eigene Homepage. So traf er auch auf Gleichgesinnte, mit denen er bis heute auf Entdeckungsreise geht.
" Die Bunker findet man am besten im Winter, wenn die Anlagen nicht durch Laub und Grünzeug verdeckt sind", sagt Haubrock. Auch das Internet liefert mit den Luftaufnahmen der Kartendienste wichtige Hinweise auf mögliche Standorte.
Viele der Anlagen stehen auf dem Areal von Firmen oder auf Privatgrundstücken. " Die meisten Besitzer sind ganz aufgeschlossen, wenn wir fragen, ob wir uns die Bunker angucken dürfen." Mit Helm, Lampen und festem Schuhwerk geht es dann ins Innere. Vorsicht ist geboten: Besonders den Deckungsgräben habe die Zeit arg zugesetzt, berichtet Haubrock. Die Bunker aus Stahlbeton dagegen seien nahezu unverwüstlich.
Eingang kollabiert
Ab und an nehmen Zeitzeugen Kontakt zu dem Bunker-Forscher auf. Eine ältere Dame hat Haubrock einmal erzählt, wie sie als junges Mädchen in einem mittlerweile abgerissenen Bunker in der Bremer Straße einen Luftangriff überlebte. Haubrock: " Der Eingang war durch die Bomben kollabiert, und sie musste auf dem Weg nach draußen über Leichen steigen. Die Frau fing mitten im Erzählen an zu weinen und konnte nicht mehr weitersprechen."
Mit einem befreundeten Bunker-Forscher hat er ein Buch über den Luftschutzstollen am Kalkhügel geschrieben und auf eigene Kosten herausgebracht.
Der Besitzer hat Haubrock und einem weiteren Bunker-Forscher den Schlüssel überlassen. " Dafür kümmern wir uns um die Anlage."
Gerne würde Haubrock dort Führungen anbieten, dafür bedürfe es aber umfangreicher Genehmigungen. " Die haben wir nicht."
Hauke Haubrock/ Andreas O′Brien: Der Luftschutzstollen am Kalkhügel, Books on Demand, ISBN: 9-783844-811544
Bildtexte:
Hauke Haubrock veröffentlicht seine Forschungen auf seiner Homepage.
Foto:
Sven Kienscherf

Schutzstollen
Die Feuerwehr Osnabrück hat in Osnabrück offiziell zwei Hochbunker und 59 Stollen registriert. Kleinere Anlagen in Privatbesitz und Deckungsgräben sind nicht registriert. Das berichtet Hans-Jürgen Dahlke vom Katastrophenschutz Osnabrück. Die beiden Hochbunker Buersche Straße und Redlingerstraße sind in Privatbesitz. 31 Stollenanlagen sind zugeschüttet. " Von den offenen Stollen sind 12 in Privatbesitz, hier sind die Eigentümer für die Verkehrssicherheit zuständig", sagt Dahlke. Für die verbleibenden 16 ist die Stadt verantwortlich. Die Feuerwehr kontrolliert die Eingänge und sorgt dafür, dass die Stollen für Unbefugte nicht zugänglich sind.
Autor:
Sven Kienscherf


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