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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Straßenschotter und sozialer Ausgleich waren sein Leben
Zwischenüberschrift:
Die Friedrich-Wacket-Straße im Stadtteil Eversburg erinnert an den Steinbruch-Direktor und Lokalpolitiker
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Männer und Frauen, die mit der Ausbeutung der Bodenschätze des Piesbergs zu tun hatten, haben auf mehreren Straßenschildern in den Stadtteilen Eversburg und Pye ihre Spuren hinterlassen. Johann Andreas Herold, Rudolf Pagenstecher, August Haarmann, Karl Temme oder Sofie Hammer haben dafür gesorgt, dass die Kohle aus dem Berg kam. Die zeitlich danach einsetzende Blüte des Steinbruchbetriebes hat bislang nur einmal ihren Niederschlag im Stadtplan gefunden: mit der Friedrich-Wacket-Straße. Sie zweigt von der Schwenkestraße ab und erschließt das Baugebiet " Eversburger Friedhof".
Friedrich Wacket (1894 bis 1967) war von 1945 bis zum Eintritt in den Ruhestand 1959 kaufmännischer Direktor der Piesberger Steinindustrie. In seine Zeit fiel der schwierige Wiederaufbau der Steinförderung und des Vertriebs nach Kriegszerstörungen und Einschränkungen der unternehmerischen Handlungsfreiheit unter der britischen Besatzung. Es gelang ihm, die Vorkriegsabsatzmärkte schnell wieder zurückzugewinnen. Nach der Währungsreform nahm der Straßenbau sprunghaft zu. Zwischen Piesberg und Kanal baute Wacket dafür ein Schwarzdecken-Mischwerk. Der Steinbruchbetrieb selbst stand vor Riesenaufgaben, was Menge und Qualität des Schottermaterials anging. Eine vollständige Erneuerung der Produktionsanlagen war nicht zu umgehen. 1957 waren alle Arbeitsabläufe mechanisiert, die Abbau- und Aufbereitungskapazitäten wesentlich gesteigert. Und, was Wacket stets am Herzen lag: Die gefahrvolle, körperliche Schwerstarbeit gehörte weitgehend der Vergangenheit an.
Vater aus dem Saarland
Wacket war ein Eversburger Kind, er kam am 16. Januar 1894 in der damaligen " Kolonie Eversheide" zur Welt. Der Vater gehörte zu jenen Bergleuten, die Bergwerksdirektor Karl Temme aus seiner Heimat, dem Saarland, an die Hase geholt hatte. Der Vater starb früh, der kleine Fritz als Jüngster einer großen Kinderschar war gerade erst sieben Jahre alt. Nach der Volksschule besuchte er die " Präparande" und das katholische Lehrerseminar. Bevor er sich auf den eingeschlagenen Berufsweg des Lehrers festlegte, wollte er noch einmal ganz andere Luft schnuppern und reiste 1913 zum Onkel nach Brasilien. Dort vom Ausbruch des Ersten Weltkriegs überrascht, kehrte er auf abenteuerlichen Wegen nach Deutschland zurück und meldete sich als Kriegsfreiwilliger. Man schickte ihn an die Ostfront. Er wurde verwundet und geriet in russische Kriegsgefangenschaft. Auch nachdem Deutschland und Russland Anfang 1918 einen Separatfrieden geschlossen hatten, hielt man deutsche Soldaten weiterhin in Sibirien fest. Zwei Fluchtversuche misslangen, erst 1920 konnte Wacket in seine Heimat zurückkehren.
Zunächst arbeitslos
Wacket teilte zunächst das Schicksal vieler Kriegsheimkehrer und war arbeitslos. Dann fand er eine Anstellung in der Verwaltung des Stahlwerks. Nebenbei schrieb er für die " Osnabrücker Volkszeitung" Betrachtungen zu politischen Tagesereignissen und veröffentlichte seine Erlebnisse als Kriegsfreiwilliger.
Die unruhigen Verhältnisse der Weltwirtschaftskrise und Mitgefühl für das soziale Elend der Arbeitslosen brachten ihn der Politik näher. Von 1930 bis 1933 war er für die Zentrumspartei Bürgervorsteher im Magistrat der Stadt. Als die Nazis auch das Osnabrücker Rathaus erobert hatten, stand Wacket allein wegen seiner Zugehörigkeit zum Zentrum auf deren schwarzer Liste. Neben Hausdurchsuchungen gipfelten die persönlichen Angriffe gegen ihn 1944 in einer Verhaftung durch die Gestapo und Verhören in dem berüchtigten Keller im Westflügel des Schlosses.
Nach 1945 machte Wacket als politisch unbelasteter, in wirtschaftlichen Dingen erfahrener Mann schnell Karriere. Neben seinen beruflichen Aufgaben am Piesberg gründete er mit anderen die CDU Osnabrück, schrieb die Geschichte des Stadtteils Eversburg auf und tat viel für die Belange der Eversburger und Pyer Steinbruchwerker. Er kämpfte für den Erhalt der Werkswohnungen und setzte sich für den Bau von 75 neuen Wohneinheiten ein.
Zeitgenossen beschrieben ihn als Mann mit sozialem Gewissen auf christlicher Grundlage, der stets den Ausgleich zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgeber-Interessen suchte und fand. Als Mitglied der Liebfrauengemeinde Eversburg warb er um Baumaterial-Spenden im Rahmen der Aktion " Ein Backstein für die Burgkapelle". 1962 war es geschafft, die Burgkapelle " Maria Trost" konnte wieder geweiht werden. Von 1964 bis zu seinem Tod war Wacket Vorsitzender des Bürgervereins Eversburg. Am 23. Januar 1967 starb Friedrich Wacket 73-jährig überraschend nach einem Herzinfarkt.
Bildtexte:
Die Friedrich-Wacket-Straße erschließt das Baugebiet " Eversburger Friedhof".
Friedrich Wacket
Foto:
Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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