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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Ein Teller Suppe und ein Hilfsangebot
Zwischenüberschrift:
Wohnungslosenhilfe zeigt den Weg zurück in die Sesshaftigkeit
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Sie schlagen sich auf der Straße durch und tun oft so, als fänden sie das gut: Wohnungslose. " Aber wenn man länger mit ihnen spricht, wird klar, dass sie doch die sesshafte Lebensweise vorziehen", sagt Bernhard Lienesch vom SKM. Der Katholische Verein für Soziale Dienste ist seit Jahrzehnten in der Wohnungslosenhilfe tätig.

Mit Arbeitslosigkeit, dem Tod naher Angehöriger, Trennung oder Scheidung geht es los. Wer dann keine tragfähigen sozialen Kontakte hat und Probleme nicht selbst bewältigen kann, gerät schnell ins Abseits, berichtet Lienesch, Fachbereichsleiter der SKM-Wohnungslosenhilfe. Über den Unterschlupf bei Freunden und Bekannten führt der Weg auf die Straße. " Die Alkoholproblematik kommt oft erst später", erzählt er aus seinen langjährigen Erfahrungen.

Während des Lebens auf der Straße entwickelten viele ihre eigene Geschichte, Wahres angereichert mit Erfundenem, um mit einem " Mir geht′s gar nicht so schlecht" weitere Fragen abzuwimmeln. Wer mag schon gerne sein eigenes Scheitern zugeben? " Der Annäherungsprozess kann sich manchmal über Monate oder sogar Jahre hinziehen", sagen Lienesch und Thomas Kater, Sozialarbeiter in der Tageswohnung: " Es ist ein ständiger Motivationsprozess."

Die Tageswohnung ist ein Angebot von vielen. Und sie wird viel genutzt. Rund 55 Menschen kommen täglich in die Bramscher Straße, um zu essen, Kaffee zu trinken, zu duschen oder sich etwas aus der Kleiderkammer zu holen. Die Tageswohnung dient zugleich als Postadresse für Gäste.

Unter den täglichen Besuchern sind auch solche, die den Weg in die Sesshaftigkeit geschafft haben. Wenn sie arbeitslos sind und nichts zu tun haben, sind sie in der Tageswohnung willkommen, um hier soziale Kontakte aufrechtzuerhalten oder sich sinnvoll zu beschäftigen, etwa in der Redaktion der Straßenzeitung " Abseits!?" oder im " Abseits!?"- Chor.

Im Erdgeschoss sind die Sozialarbeiter jederzeit ansprechbar für eine Kurzberatung oder eine Unterstützung, wenn es um Anträge bei der Stadt geht. Das Büro für weitergehende Beratungen liegt im ersten Stock. Wer von der Straße weg will, kann nach einem Platz im Lauren tiushaus fragen.

Im Wohnheim an der Berghoffstraße erhalten die Menschen alle Hilfen, " die notwendig sind, um die Schwierigkeiten abzuwenden, zu beseitigen, zu mildern oder ihre Verschlimmerung zu verhüten". Mit einer rund um die Uhr möglichen Betreuung können sich die Bewohner neu orientieren, um ihre Lebenssituation zu verändern. Und sie sind nicht allein mit ihren Problemen.

Nach Lieneschs Aussagen leben dort derzeit 34 Männer und acht Frauen. Das entspreche dem Geschlechterverhältnis in der Wohnungslosenhilfe: 20 Prozent der Ratsuchenden seien weiblich. Der geringere Anteil liege unter anderem daran, dass Frauen bei Männern für sexuelles Entgegenkommen unterschlüpfen könnten. Um nicht auf der Straße zu landen, würden sie auch körperliche Gewalt ertragen.

Nach dem Laurentiushaus folgt der Umzug in eine eigene Wohnung, wenn es denn reibungslos klappt. Es fehlt in der Studentenstadt Osnabrück an Ein- und Zweizimmer-Wohnungen. Mögliche Vermieter sind angesichts der Vorgeschichte der Wohnungssuchenden zurückhaltend. Dabei bietet der SKM für diejenigen, die in die Sesshaftigkeit zurückkehren bei Bedarf eine Krisenintervention.

Das Team der Wohnungslosenhilfe kennt seine Leute. Die Mitarbeiter gehen im Winter Hinweisen aus der Bevölkerung nach, um Menschen bei Frost ein Dach über dem Kopf anzubieten. " Der klassische Obdachlose, der durch Deutschland zieht, stirbt aus", sagt Lienesch. Die meisten, die aus den eingangs beschriebenen Gründen auf der Straße leben, blieben in der Region.

" Es ist eine Leistung, auf der Straße zu leben und zu überleben", sagt Thomas Kater. Er freut sich über jeden, der sich traut, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. So wie der SKM seit 50 Jahren daran arbeitet, Menschen am Rande der Gesellschaft in die Mitte zurückzuholen.
Bildtext:
Eine warme Mahlzeit, Kaffee, eine Dusche und Gespräche gibt es in der Tageswohnung.
Archivfoto:
dpa
Autor:
Ulrike Schmidt


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