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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Tod im KZ statt Entlassung aus dem Zuchthaus
Zwischenüberschrift:
Urteil wegen eines "Sittlichkeitsverbrechens": Der Osnabrücker Gerhard Möller starb in Sachsenhausen
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Ein Jahr Zuchthaus lautete das Urteil für Gerhard Möller. Im Juli 1939 hielt es das Landgericht Osnabrück für erwiesen, dass er sich eines " Sittlichkeitsverbrechens" schuldig gemacht hatte. Doch aus den Fängen der Nationalsozialisten kam er nicht wieder heraus. Nach seiner Haft verschleppten sie ihn ein Konzentrationslager, wo er Ende Juli 1940 ums Leben kam. Jetzt erinnert ein Stolperstein an ihn. Offenbar wurde er wegen seiner sexuellen Orientierung Opfer des NS-Regimes.
Gerhard Möller, geboren 1897 in Nahne, war katholisch, verheiratet, Vater von drei Kindern, Arbeiter, vielleicht Kommunist und außerdem homosexuell? Nach den Recherchen des Initiativkreises Stolpersteine ist er möglicherweise wegen geschlechtlichen Kontakts mit einem noch nicht volljährigen Mann verurteilt worden: Die Kombination aus dem Paragrafen 175a des Strafgesetzbuches und einem Jahr Zuchthaus scheint jedenfalls darauf hinzudeuten.
Die Geheime Staatspolizei hatte Gerhard Möller bereits 1936 im Blick und eine der berüchtigten Karteikarten angelegt. Darauf notierten die Beamten, dass er einige Jahre zuvor an einer Demonstration teilgenommen hatte und Mitglied in der nun verbotenen kommunistischen Partei KPD gewesen war und damit Gegner der Nationalsozialisten. Brauchte die Gestapo einen Anlass? Es war ihre Aufgabe, Gegner der Nationalsozialisten aufzuspüren. Ob die Gestapo im Fall von Gerhard Möller zur Manipulation als Mittel griff, ist nicht bekannt. So bleibt das tatsächliche Geschehen zwischen den akribisch genauen Dokumentationen offen.
Gerhard Möller und seine Frau Anna lebten in einer Siedlung, die sich entlang des heutigen Kiefernwegs befand. Die Adresse lautete: An der Papenhütte. Bereits mit diesem Wohnort war das Ehepaar als " asozial" stigmatisiert. Auf dem Gelände im Hafengebiet wollten Nationalsozialisten Menschen ausgrenzen und sie einer " besonderen Aufsicht und Erziehung" unterstellen. Weshalb Gerhard Möller dort in Armut leben musste, ist nicht überliefert.
Im Mai 1939 verhaftete die Gestapo Gerhard Möller, im Juli fiel das Urteil, im August wurde er nach Celle ins Zuchthaus gebracht. Dort beschrieben Beamte ihn so: 1, 65 Meter groß, mittlere Gestalt, bartlos, ovales Gesicht, braune Augen, hohe Stirn, dunkelblondes Haar, Narbe am rechten Zeigefinger. Im Mai 1940 wurde er aus dem Zuchthaus zwar entlassen, doch die Polizei nahm ihn zunächst in " Vorbeugungshaft" und brachte ihn bald darauf nach Sachsenhausen ins Konzentrationslager. Dort erhielt er die Nummer " B.V. 175 Sitt. 26.209". Am 28. Juli 1940 starb Gerhard Möller im Alter von 43 Jahren angeblich an der Bindegewebserkrankung Phlegmone. Die Strapazen während der Haft und die schlechte Versorgung im Konzentrationslager dürften zu seinem Tod geführt haben.
Bereits " begehrliche Blicke" von Mann zu Mann reichten während der Zeit des Nationalsozialismus für die Strafverfolgung. Adolf Hitlers Regime bezeichnete Homosexuelle als " Volksfeinde". Bei der Verfolgung schwankten die Nationalsozialisten zwischen Umerziehungsversuchen und Vernichtung. Sie erfassten etwa 100 000 Männer auf " rosa Listen", verurteilten die Hälfte von ihnen und verschleppten 10 000 bis 15 000 in Konzentrationslager, wo vermutlich wiederum die Hälfte ums Leben kam. Viele Homosexuelle wurden auch in Psychiatrien eingeliefert oder auf Anordnung von Gerichten kastriert. Und: Nationalsozialistische Ärzte experimentierten auch mit diesen Opfern des Regimes.
Auch Gerhard Möller wurde Opfer der Willkürherrschaft Adolf Hitlers. Ein Jahr Zuchthaus hatte das Urteil gelautet im Konzentrationslager wurde daraus ein Todesurteil.
Bildtext:
Die Barackensiedlung Papenhütte war ein Synonym für Ausgrenzung.
Grafik:
Stadt Osnabrück

Stolpersteine
Die in den Gehwegen verlegten Stolpersteine mit Messingplatten erinnern an Opfer des Nationalsozialismus jeweils vor den Wohn- oder Wirkstätten der Juden, Sinti, Roma, Deserteure sowie Menschen, die aus politischen oder religiösen Gründen, wegen einer psychischen Erkrankung, ihrer sexuellen Orientierung oder einer Behinderung verfolgt und ermordet wurden. Der Kölner Künstler Gunter Demnig ist Initiator des Projekts, dem sich seit 1995 nach und nach mehrere Hundert Kommunen angeschlossen haben. In Osnabrück werden die Gedenksteine seit 2007 verlegt. Pate des Stolpersteins für Gerhard Möller ist der Verein Gay in May. Verlegt haben ihn die Schüler Gero Beiderwellen und Marcel Nordhoff vom Berufsschulzentrum am Westerberg. Das Büro für Friedenskultur nimmt gern Hinweise von Zeitzeugen über Opfer des NS-Regimes entgegen. Die Telefonnummer lautet 05 41/ 3 23-22 87.
Autor:
Jann Weber


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