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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Umwelt baut Brücken: Deutsche und türkische Schüler schreiben Artikel
 
Der Zukunft verpflichtet
 
400 Fäden pro Minute
 
Aus gescheiterten Projekten lernen
Zwischenüberschrift:
Emsdettener Firma kooperiert mit der DBU – Umweltschonend Textilien produzieren
 
Die Arbeit in den Schmitz-Werken
 
Welche Ideen die DBU fördert
Artikel:
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Originaltext:
Bad Iburg/ Istanbul. Das Gymnasium Bad Iburg und das Özel Alev Lisesi in Istanbul sind Partnerschulen des Projekts " Umwelt baut Brücken", einem deutsch-türkischen Austausch-, Umwelt- und Medienprojekt.
Deutsche Schüler und Lehrer sind gemeinsam nach Istanbul gereist, um vor Ort mit ihren türkischen Austauschpartnern zu Umweltund Sozialthemen zu recherchieren.
Die Schüler veröffentlichen jeweils eine Zeitungsseite in den Zeitungen der Medienpartner des Projekts, nämlich der Neuen Osnabrücker Zeitung und Cumhuriyet. Das Projekt, an dem fünf deutsche und fünf türkische Schulen teilnehmen, wird von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gefördert und dem Institut zur Objektivierung von Lern- und Prüfungsverfahren (IZOP) begleitet.

Emsdetten. " Der Zukunft verpflichtet. Schon immer." So lautet das Motto der Schmitz-Werke. Das 1921 gegründete Familienunternehmen aus Emsdetten im Münsterland produziert schon in der vierten Generation Textilien und Markisen. Die Kombination von Textil- und Metallwerk ist weltweit einzigartig. Im Gegensatz zu konkurrierenden Unternehmen stellen die Schmitz-Werke ihre Produkte ausschließlich in Deutschland her. Dabei achten sie auf eine möglichst umweltschonende Verarbeitung, was zu einer Kooperation mit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geführt hat.

Die Produkte sind in drei verschiedene Marken unterteilt, unter deren Namen Dekorations- und Bezugsstoffe, Markisen und Spezialstoffe und technische, schwer entflammbare Textilien vertrieben werden. Vom Garn, das aus aller Welt eingekauft wird, bis zur fertigen Textilie ist es ein weiter Weg. Angefangen mit der Kettherstellung und Garnfärberei, wird das Garn in gewünschte Muster gewebt, anschließend gefärbt und gewaschen. Durch zusätzliche Beschichtungen erhalten die Stoffe ihre besondere Funktion, eben beispielsweise Feuerresistenz. Als letzter Arbeitsschritt folgt das Bedrucken nach Kundenwunsch.

Für den gesamten Prozess werden sehr viel Wasser und Energie benötigt. Zudem kommt es zu hohen Abwassermengen und zu umweltbelastenden Emissionen. Um diese zu minimieren, werden die Prozesse in einzelne Teilschritte gegliedert, analysiert und überprüft. So wird überschüssiger Ressourcenverbrauch aufgedeckt und mit gezielten Maßnahmen bekämpft.

Zum Beispiel wurde festgestellt, dass die gering belasteten Abwässer wiederverwendet werden können. Mithilfe eines besonderen Filtrationsverfahrens ist es möglich, Stoffe im Molekularbereich auszufiltern.

Wasser wird recycelt

Bei diesem Vorgang, auch Umkehrosmose genannt, wird das verschmutzte Wasser aus Färberei und Wäscherei durch eine Membran gepresst, wobei kleinste Verunreinigungen herausgefiltert werden. Das recycelte Wasser kann nun wiederverwendet werden, woraus das Unternehmen wirtschaftliche Vorteile zieht. Dies ist nur ein Beispiel für den produktionsintegrierten Umweltschutz, den die Firma betreibt.

Die Schmitz-Werke sind Teil des Projektes " Entwicklung eines produktionsintegrierten Wasser- und Energiewirkungskonzeptes für die Textilindustrie durch Schließung von Wasserkreisläufen auf hohem Temperaturniveau". Das Projekt mit dem etwas sperrigen Namen ist eines von mehreren des Unternehmens, das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) finanziell unterstützt wird.

Neben diesem Projekt gibt es viele weitere, die die DBU fördert. Der Staat gründete die Stiftung 1991 aus dem Erlös der Privatisierung der Salzgitter AG. Die nachhaltige Entwicklung und der Produkt- und produktionsintegrierte Umweltschutz (PIUS), unter besonderer Berücksichtigung kleinerer und mittlerer Unternehmen, stehen im Vordergrund. Das durch PIUS erzielte nachhaltige Wirtschaften ist eine notwendige Alternative zum additiven Umweltschutz. Das Startkapital in Höhe von knapp 1, 3 Milliarden Euro stieg trotz jährlicher Ausgaben von etwa 40 Millionen Euro durch eine erfolgreiche Vermögensanlage auf circa 2 Milliarden Euro. Um Fördermittel zu erhalten, müssen bestimmte Kriterien wie Innovation, Modellcharakter und Umweltentlastung erfüllt sein.
Bildtext:
In dieser Halle der Schmitz-Werke in Emsdetten erfolgt die Kettherstellung. Die Fäden werden aufgespannt, sodass anschließend Maschinen die vorgespannten Kettfäden verweben können.
Foto:
Kerstin Fleischer

Kommentar
Größere Anstrengung erwünscht

Der produktionsintegrierte Umweltschutz (PIUS) greift im Gegensatz zum additiven Umweltschutz bei den Wurzeln der Probleme der Umweltverschmutzung an. Natürlich ist es löblich, verschmutzte Abwässer zu reinigen. Jedoch gilt es eher, die Entstehung von Abwässern zu vermeiden. Diese Herangehensweise an die Problematik zeugt von wahrlich nachhaltigem Verständnis von Umweltschutz durch die Schmitz-Werke.

Allerdings wäre auch eine größere Bereitschaft, teurere Produkte zu kaufen, aufseiten der Verbraucher wünschenswert. Denn schließlich ist auch der Käufer dafür verantwortlich, dass der Umweltschutz nur unter der Voraussetzung der Förderung in ausreichendem Maße durch die Unternehmen umgesetzt wird. Für nur wenige Euro mehr können die Kunden die Unternehmen im Bereich des Umweltschutzes unterstützen.

Insgesamt ist der produktionsintegrierte Umweltschutz positiv zu bewerten, da durch ihn die Ursachen der Verschmutzung behoben und nicht nur die Folgen behandelt werden. Leider wirken einige Einsparungen wie ein Tropfen auf den heißen Stein, zum Beispiel wenn 800 Liter Wasser bei der Färbung einer Tonne Polyestergarn eingespart werden, für die Produktion eines Kilogramms aber schon etwa 3000 Liter Wasser benötigt werden.

Erwünscht ist eine größere Anstrengung von allen Seiten von den Produzenten wie von den Käufern.

Emsdetten. " Alles beginnt eigentlich mit einem Faden . . ." Alles, das bedeutet in diesem Zusammenhang Sonnenstoffe, Möbelstoffe, klassische Dekostoffe, Maritimstoffe oder auch Markisen. Die Schmitz-Werke in Emsdetten im Kreis Steinfurt produzieren ihre Textilien vor allem für Schulen, Altenheime, Krankenhäuser und Hotels. Dort werden schwer entflammbare Produkte für die notwendige Sicherheit erst recht gebraucht.
Die Textilherstellung ist ein heißes Geschäft, denn am Ende stehen nicht nur die fertigen Produkte, sondern auch vielfältige Umweltschäden. " Das ist ein Riesenthema, keine Frage." Michael Timinger, technischer Geschäftsleiter der Schmitz-Werke, ist in seinem Element, wenn es darum geht, das Umweltprojekt " Saubere Weste" vorzustellen. So lautet der Slogan der Schmitz-Werke: " Der Zukunft verpflichtet. Schon immer." Daher ist das Unternehmen die Kooperation mit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) eingegangen (siehe Artikel oben).
" Wir sind im Moment größter Arbeitgeber vor Ort", sagt Michael Timinger über das Familienunternehmen, das seit rund 90 Jahren besteht. Bereits von Weitem sichtbar ist der turmhohe Kamin, durch den heiße Abluft aufsteigt. Um das 118 000 Quadratmeter große Firmenareal wohnen die meisten der heute etwa 800 Mitarbeiter. Neben der Textilherstellung gibt es bei den Schmitz-Werken besonders viele Beschäftigte im Metallbau.
" Ich kann mir schon vorstellen, hier alt zu werden", sagt Birte Erfling, Beteiligte des Projekts " Weiße Weste". Als " Mädchen für alles" hat die 31-jährige Diplom-Ingenieurin für Textiltechnik bei Schmitz von der Pike auf ihr Handwerk gelernt. Gerne hilft sie auch an der Maschine aus, wenn sie nicht gerade am Schreibtisch oder im Labor zu tun hat. Dabei fand sie eher durch Zufall zur Textilbranche, wobei sie sich mittlerweile auf " das Herz der Firma, die Veredelung", spezialisiert hat. Insgesamt arbeiten nur wenige Frauen in der Produktion, wovon die meisten in der Einzieherei tätig sind, in der Webketten weiterverarbeitet werden. " Gute Mitarbeiterinnen schaffen bis zu 400 Fäden pro Stunde", sagt Erfling über diese anstrengende Arbeit, die wegen der dazu notwendigen Feinmotorik für kräftige Männerhände weniger infrage komme.
In den Hallen wirken die Maschinengeräusche wider Erwarten verhältnismäßig leise und gedämpft. Schwere Stahltüren grenzen die einzelnen Produktionsstationen voneinander ab. Von Halle zu Halle sind die Mitarbeiter großen Temperaturunterschieden ausgesetzt. In der 4000 Quadratmeter großen Weberei geht ohne Gehörschutz nichts. An den 76 Webstühlen unterschiedlicher Art wird Schuss für Schuss der Faden in verschiedene Systeme eingezogen dabei entstehen bis zu 120 000 Laufmeter pro Woche. Mittagsschicht. Jetzt sind nur wenige Mitarbeiter erforderlich. Sie kontrollieren die Maschinen in abgetrennten Computerkabinen und transportieren die Färbebäume mit Hubwagen zur Warenschau.
Kameras helfen dem menschlichen Auge und scannen die Stoffe auf Mängel ab. Gebeugt über eine aufgewickelte Stoffbahn, schneidet ein Mitarbeiter fehlerhafte Stellen heraus. In der Garnfärberei, wo von Arbeitern in 14 Kesseln und zwei Waschmaschinen gefärbt und gewaschen wird, gelten strenge Arbeits- und Sicherheitsanweisungen.
Am Ende der Arbeitskette stehen nicht nur fertige Produkte, sondern auch das gute Gefühl, in einer Branche, die generell die Umwelt belastet, alles getan zu haben, um die Abläufe so umweltschonend wie möglich zu gestalten.
Bildtext:
Birte Erfling erläutert die Arbeitsabläufe in den Schmitz-Werken.
Foto:
Kerstin Fleischer

Osnabrück. Markus Große Ophoff ist seit mittlerweile zwölf Jahren Leiter des Zentrums für Umweltkommunikation (ZUK), das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gegründet wurde und seinen Sitz in Osnabrück hat.
Herr Große Ophoff, was sind Ihre Hauptaufgaben bei dem ZUK?
Das ZUK ist eine Tochtergesellschaft der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) und ist hauptsächlich dafür zuständig, die Projekte der DBU an die Öffentlichkeit zu bringen. Dies geschieht zum Beispiel durch Messen, Tagungen und Informationsveranstaltungen. Förderprojekte und Erfolge werden vielen Unternehmern vorgestellt. Ich befasse mich größtenteils mit der Öffentlichkeitsarbeit. Dazu gehören das Verwalten der Internetseiten sowie das Organisieren von Veranstaltungen. Auch dieses Umwelt- und Medienprojekt fällt in meinen Zuständigkeitsbereich.
Können Sie uns etwas über die Förderpraxis erzählen?
Die DBU unterstützt insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen, die mit innovativen Ideen den Umweltschutz intensivieren wollen. Dabei geht es oft darum, bereits bei der Herstellung von Produkten auf Nachhaltigkeit zu achten. Dies umfasst nicht nur die Produktion beispielsweise von Kleidung, sondern beginnt beim Anbau der Pflanzen, geht über die Beschaffung und endet beim Absatz. Umwelt- und Klimaschutz sind übergreifend und spielen in jedem Bereich eine wichtige Rolle. Selbst beim Kauf einer Hose könnte man zum Umweltschutz beitragen, indem man auf langlebige Produkte und Umweltzeichen für schadstoffarme Produkte achtet.
Zur Förderpraxis. Sie bekommen sicherlich viele Anfragen von Unternehmen auf Unterstützung. Welche Vorschläge werden abgelehnt und nach welchen Kriterien?
Leider können nicht alle Anträge gefördert werden. Etwa zwei von drei Anfragen werden abgelehnt. Wenn ein Unternehmen Hilfe bekommen möchte, muss es einen Antrag stellen und einen konkreten, neuen Lösungsvorschlag darlegen. Gefördert werden nur die innovativsten Projektideen.
Was passiert mit dem gestifteten Geld, wenn ein Projekt scheitert?
Uns ist natürlich klar, dass jedes Projekt, welches wir fördern, auch das Risiko mit sich bringt, zu scheitern. Wenn wir frühzeitig bemerken, dass die Idee nicht umsetzbar ist, wird das Projekt storniert. Wenn ein Projekt scheitert, ist das investierte Geld verloren. Dagegen kann man leider nichts machen. Man kann aber auch aus dem, was nicht klappt, etwas lernen.
Fördert die Deutsche Bundesstiftung Umwelt auch Projekte im Ausland?
Die DBU ist überwiegend in Deutschland aktiv. Zu mehr als 90 Prozent fließen die Fördergelder in Projekte, die in der Bundesrepublik durchgeführt werden. Bis zu 10 Prozent werden international eingesetzt. Dazu gehören überwiegend osteuropäische EU-Beitrittsländer und - kandidaten.
Deutschland hat doch bereits einen hohen Umweltstandard. Könnte durch eine stärkere Förderung im Ausland nicht mehr für die Umwelt erreicht werden?
Ja, Deutschland hat einen hohen Standard, doch sind wir nicht in jedem Bereich führend. Auch in der Forschung sind wir in einigen Bereichen von anderen Ländern schon eingeholt worden. Außerdem ist das Entwickeln von energiesparenden und umweltfreundlicheren Maschinen nicht nur für unsere Umwelt von Vorteil. Es gibt kaum ein Unternehmen, das nicht international handelt.
Gibt es Projekte, von denen der Bürger, besonders junge Menschen und Schüler direkt etwas mitbekommen?
Die DBU fördert eine große Anzahl von Projekten, die Schüler ansprechen. Ein Beispiel dazu sind Projekte von Schülerfirmen, die umweltfreundliche Produkte für ihre Mitschüler anbieten. Die Produktpalette reicht von Recyclingpapier und Büromaterialien über Pausenverpflegung bis hin zu Dienstleistungen. Aktuell haben wir auch die Ausstellung " Konsum Kompass" eröffnet, in der Schüler sich zu Umweltauswirkungen ihres Einkaufverhaltens informieren können.
Bildtext:
Markus Große Ophoff, Leiter des Zentrums für Umweltkommunikation (ZUK) der Deutschen Bundesumweltstiftung (DBU)
Foto:
ZUK

Glossar
Kettherstellung: Aufspannung der Fäden zur Vorbereitung des Webens
Umkehrosmose: Filtrationsverfahren, bei dem Schmutzwasser durch einen Filter gedrückt wird, sodass auf einer Seite sauberes Wasser und auf der anderen Seite stark verschmutztes Wasser entsteht.
Einzieherei: Weiterverarbeitung der Ketten
PIUS: Produktionsintegrierter Umweltschutz, Umweltbelastungen in der Produktion werden verhindert.
Autor:
Verena Engbert, Jonas Peters, Moritz Brinker, Jenny Wieland, Helena Rinklake, Hannah Deuper, Nikolay Eckelkamp, Anna Berger, Theresa Heuer


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