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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Neues Gesicht für den Berliner Platz
 
Berliner Platz soll schickes Entree werden
Zwischenüberschrift:
Stadt will das lange vernachlässigte Quartier aufwerten – Planer stellen Ideen vor
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Der Berliner Platz soll aufpoliert werden. Bei einem Gutachterverfahren wurde jetzt ein Berliner Planungsbüro mit dem ersten Platz bedacht. Dessen Planung sieht unter anderem vor, das in die Jahre gekommene Hochhaus abzureißen. Der historische Hannoversche Bahnhof soll dagegen besser präsentiert werden.

Osnabrück. Das Hochhaus muss weg! In allen drei Entwürfen zum Berliner Platz taucht der siebengeschossige Wohnbunker mit dem Matratzengeschäft gar nicht mehr auf. Aus der Wittekindstraße wollen die Architekten vom Berliner Büro SMAQ einen hübschen Stadteingang machen, den Hannoverschen Bahnhof setzen sie auf den Präsentierteller. Diese und andere Ideen hat die Jury für das Gutachterverfahren zum Berliner Platz mit dem 1. Preis honoriert.

Rund um den Berliner Platz gibt es noch Flächenreserven für interessante Bauprojekte. Doch der Blick fällt auch auf Ecken, die keine gute Visitenkarte abgeben auf eine Altlast, die von einer Tankstelle übrig geblieben ist, einen Wohnturm, der seine besten Jahre schon hinter sich hat, oder eine Betonmauer, die den Sinn für das Schöne stumpf abprallen lässt.

Mit dem Gutachterverfahren, an dem drei Teams teilnahmen, wollte die Stadt die Potenziale des Quartiers beiderseits der Wittekindstraße ausloten und Ideen für eine anspruchsvolle Entwicklung sammeln. Nach Ansicht des Bochumer Städtebau- und Architektur-Professors Andreas Fritzen ist das mit dem Siegerentwurf gelungen. Einstimmig hat sich das Auswahlgremium am Donnerstag unter seinem Vorsitz für das Konzept der Stadtplaner von SMAQ entschieden, die eine Arbeitsgemeinschaft mit den Verkehrsplanern von SHP und den Landschaftsarchitekten von Man Made Land gebildet hatten. " Der Entwurf gibt auf alle Fragen eine Antwort", sagt Fritzen, das gelte für die städtebaulichen Aspekte ebenso wie für die Freiräume und den Verkehr.

Nur noch zwei Spuren

Auffällig ist, dass die Planer aus Berlin der Wittekindstraße ihren Schrecken nehmen wollen, den sie für Fußgänger und Radfahrer ausstrahlt. Im Entwurf bleiben nur noch zwei Fahrspuren für Autos, und die sollen sich ohne Mühe überqueren lassen. Nach dem Shared-Space-Prinzip, das schon modellhaft in Bohmte verwirklicht wurde, ist ein gleichberechtigtes Miteinander aller Verkehrsteilnehmer das Ziel.

Freiflächen links und rechts geben der Wittekind straße ein freundliches Umfeld und machen aus der Durchgangsstraße einen Platz mit Aufenthaltsqualität, wie Fritzen es formuliert. Ein wesentliches Element ist dabei der Verzicht auf die Betonwand vor dem Hannoverschen Bahnhof. Stattdessen sollen eine niedrige Mauer und eine Treppe die Kante markieren, aber nicht den Blick behindern.

Der denkmalgeschützte Hannoversche Bahnhof soll auch in der Gegenrichtung ins Auge fallen. Deshalb liegt den Planern aus Berlin sehr daran, die Blickachse auf das historische Gebäude von jeglicher Bebauung frei zu halten. Als störend empfinden sie die Proportionen des sanierungsbedürftigen Hochhauses Berliner Platz 1. Nach ihrer Empfehlung sollte es verschwinden und einem flacheren Baukörper Platz machen.

Auch Wohnen ist möglich

Dabei haben die Planer von Planer von SMAQ & Co. nichts gegen mehrgeschossige Bauten. An der Südostecke der Kreuzung, wo eine schäbige Baracke an eine frühere Autovermietung erinnert, wollen sie mit einem siebenstöckigen Hotelkomplex einen Akzent setzen. Der soll mit dem Sparkassen-Tower (elf Ebenen) von gegenüber ein Ensemble bilden. " Es muss kein Hotel sein", sagt Stadtbaurat Frank Otte dazu, es könne ebenso gut ein Bürogebäude werden. Im Gutachterverfahren gehe es um gute Ideen, mit denen sich das Quartier aufwerten lasse, nicht um eine verbindliche Planung.

Der Entwurf aus Berlin sieht vor, viergeschossige Bauten für Büros und Dienstleistungen auf dem Parkplatz zwischen Wittekindstraße und Kleiststraße zu platzieren. Entlang der Eisenbahnstrecke soll ein Parkhaus mit fünf Ebenen entstehen, das auch den Lärm der Züge abschirmt. Weitere Lücken wollen die Planer zwischen dem Verlagshaus NOZ Medien und dem Hannoverschen Bahnhof schließen. In den geschützten Innenbereichen wird ausdrücklich auch eine Wohnnutzung empfohlen. Ruhe im Quartier verspricht die Überlegung, die Karlstraße auf dem unteren Abschnitt nicht mehr mit Autos zu befahren.

Stadtbaurat Frank Otte ist zuversichtlich, dass die Ergebnisse aus dem Gutachterverfahren dem lange vernachlässigten Stadtquartier zu mehr Qualität verhelfen werden. Der Entwurf von SMAQ, SHP und Man Made Land biete sich zudem für eine schrittweise Umsetzung an. Einzelne Elemente, wie die Entfernung der Betonmauer vor dem Hannoverschen Bahnhof, ließen sich sogar kurzfristig realisieren.

Die drei Entwürfe werden von Donnerstag, 16. Juli, bis Freitag, 14. August, im Sparkassenhochhaus am Berliner Platz (Berliner Carree) ausgestellt. Am Mittwoch, 15. Juli, um 17 Uhr eröffnet Stadtbaurat Frank Otte die Ausstellung.

Mehr Fotos zum städtebaulichen Gutachterverfahren für den Berliner Platz und weitere Hintergründe auf noz.de
Bildtexte:
Die Wittekindstraße als freundlicher Stadteingang: So stellen sich die Planer von SMAQ aus Berlin den Platz vor dem Hannoverschen Bahnhof vor.
Da fehlt doch was: Der heruntergekommene Wohnturm am Berliner Platz soll nach Ansicht der Städteplaner durch einen flacheren Baukörper ersetzt werden.
Dieses Hochhaus würden die Planer am liebsten abtragen. Für die Fläche gegenüber (rechts im Bild) schlagen sie dagegen ein siebenstöckiges Hotel vor.
Fotos:
Jörg Martens

Kommentar
Einfach abreißen?

Geht das denn, ein in die Jahre gekommenes Hochhaus einfach abreißen, weil es den Planern nicht ins Konzept passt? Sicher, der siebenstöckige Wohnturm am Berliner Platz 1 ist alles andere als eine Schönheit, aber ohne den Eigentümer ist da nichts zu machen. Deshalb haben die Stadtplaner ihn ebenso wie andere Schlüsselfiguren beim Gutachterverfahren gleich mit an den Tisch geholt. So sind beide Seiten schon mal im Gespräch, und das kann für die Stadtentwicklung nur gut sein.

Manche Vokabeln, mit denen die Stadtplaner am Berliner Platz agieren, kennen wir schon aus der Neumarkt-Diskussion. So soll an der Wittekindstraße ein Platz mit " Aufenthaltsqualität" entstehen. Das klingt inzwischen etwas abgegriffen. Und es korrespondiert mit den Zeichnungen, auf denen wir Menschen sehen, die einfach nur da sitzen und den Tag genießen. Das wirkt merkwürdig abstrakt und wirft die Frage auf, ob die Planer eigentlich wissen, für wen sie die schöne neue Welt entwerfen. Aber das mag eine Äußerlichkeit sein.

Entscheidend ist die Idee, die dahintersteckt. Es geht darum, einen lieblosen Ort mit Leben zu bereichern. Das ist bestimmt noch ein weiter Weg. Und noch schwieriger, als ein altes Hochhaus verschwinden zu lassen.
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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