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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Inhalt:
Überschrift:
Alte Stromtrasse wäre überflüssig
Zwischenüberschrift:
Auch Proteste gegen Folgen der Energiewende
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Der Stromleitungsausbau in Osnabrücker Land wird vor allem argwöhnisch verfolgt. Werden die Pläne des Netzbetreibers Amprion verwirklicht, können aber zumindest im Osnabrücker Stadtteil Voxtrup wohl viele Grundstückseigentümer aufatmen: Eine jahrzehntealte 110-kV-Leitung, die jetzt noch gut drei Kilometer mitten durch den Ort führt, könnte dann nämlich abgebaut werden.

Ob es tatsächlich dazu kommt, ist derzeit aber noch offen. Die Planungen für die neuen 380-kV-Leitungen mit vergleichsweise riesigen Masten sind noch in einem frühen Stadium. Vor 2018 werden sie wohl nicht in Betrieb genommen werden können. Auslöser für die Neu- und Umbaupläne ist die Energiewende. Strom aus Windkraft, der an den Küsten erzeugt wird, muss ins Landesinnere transportiert werden.

Die Kapazitäten der Leitungen in Deutschland reichen dazu aber nicht aus. Die ehemalige RWE-Tochter Amprion ist eines von vier Unternehmen, die der Bund damit beauftragt hat, den Leitungsausbau durchzuführen. Deutschlandweit werden 24 Leitungen aufgerüstet den rechtlichen Rahmen bildet das Gesetz zum Ausbau von Energieleitungen (EnLAG). Projekt Nummer 16 ist die Trasse zwischen Bad Essen-Wehrendorf und Gütersloh, die auch durch Bissendorf und Osnabrück verläuft.

Ein eher kleiner Abschnitt davon führt durch den Osnabrücker Stadtteil Voxtrup. Amprion arbeitet abschnittsweise und nimmt sich jetzt die Strecke Lüstringen–Gütersloh vor. Pro Kilometer Leitung rechnet Amprion mit Kosten von 1, 4 Millionen Euro das macht allein von Lüstringen bis zur Landesgrenze 28 Millionen Euro.

Verbunden damit sind doppelt so hohe Strommasten wie bislang und Höchstspannung in den Leitungen: Das wird Auswirkungen auf Landschaft und Menschen auch im Osnabrücker Land haben. Statt derzeit 110 und 220 sollen künftig 380 Kilovolt (kV) durch die Leitungen fließen streckenweise sogar parallel untereinander. Derzeit führt die alte 220-kV-Leitung ab dem Umspannwerk in Lüstringen durch die Haseniederungen westlich an Düstrup und dann östlich an Voxtrup vorbei. Am Rand von Voxtrup wird der 400-Meter-Abstand zu den Wohnhäusern unterschritten. 110 Kilovolt dienen zur Versorgung kleinerer Städte und für die Überlandversorgung. Auch der Anschluss kleinerer Kraftwerke erfolgt in dieser Spannungsebene. Höchstspannung von 220 kV und 380 kV dient der Großraumversorgung und Verbundnetzen zum überregionalen Energieaustausch sowie dem Anschluss von Großkraftwerken.

Auch in Voxtrup sollen die bestehenden 35 Meter hohen Masten aus den 1930er-Jahren demontiert und durch 60, 5 Meter hohe neue Masten ersetzt werden, deren Arme eine Spannweite von 31, 6 Metern haben. Zum Schutz der Menschen dienen Abstandsvorgaben: 400 Meter muss die Leitung von Häusern in Wohngebieten entfernt sein. Doch dieser Mindestabstand kann in Voxtrup nicht überall eingehalten werden.

Amprion möchte größtenteils in der bestehenden 220-kV-Trasse bleiben und hofft, damit ein langwieriges Raumordnungsverfahren zu vermeiden. Die Bestandstrasse ist bis zur Landesgrenze 20 Kilometer lang, bis Gütersloh sind es 48 Kilometer. Doch selbst Amprion-Sprecher Jörg Weber hält diesen schlanken Planungsweg mittlerweile für eher unwahrscheinlich. Bei einem Raumordnungsverfahren prüfen diverse Behörden die Trasse auf Alternativen. Dabei wird auch die Öffentlichkeit beteiligt. Am Ende steht die Variante mit den geringsten Auswirkungen.

Ob Raumordnungsverfahren oder nicht in jedem Fall gibt es danach ein Planfeststellungsverfahren. Hier wird dann der exakte Trassenverlauf festgelegt. Auch dabei muss die Öffentlichkeit beteiligt werden, Kommunen, Bürger und Behörden können Einwände und Anregungen vortragen. Weber: " Die Bauzeit beträgt mindestens ein Jahr." 2018 als frühestmögliches Jahr der Inbetriebnahme wäre auch deshalb eher optimistisch, weil betroffene Bürger Widerstand angekündigt haben.

Christine Hoefer aus Voxtrup sieht sich als Gründungsmitglied einer sich bildenden Bürgerinitiative in dem Osnabrücker Stadtteil. In Melle-Wellingholzhausen hat sich bereits unlängst eine Bürgerinitiative gegründet. Die Mitglieder des Meller Stadtrates haben zudem eine Resolution verabschiedet, in der sie sich an die Seite der Bürgerinitiative stellen.

In Voxtrup argumentiere Amprion mit dem Prinzip der Vorbelastung durch die 220-kV-Trasse und dem Abbau einer alten 110-kV-Leitung, sagt Christine Hoefer. Die geplante Unterschreitung des Mindestabstands von 400 Metern zu Wohngebäuden ist nicht der einzige Grund für die Ablehnung. Neben den damit verbundenen Gesundheitsrisiken sei etwa ein Drittel des durchfließenden Stroms fürs Auslandsgeschäft bestimmt, so Hoefer. Die Erdverkabelung der neuen 380-kV-Leitung sei ebenfalls nicht ernsthaft geprüft worden. Die Voxtruperin schließt wie viele andere Betroffene eine Klage gegen einen möglichen Planfeststellungsbeschluss nicht aus und plant eine Infoveranstaltung der Kritiker für Anfang August.

Ebenfalls im kommenden Monat will Amprion die Voxtruper zu einem öffentlichen Gespräch bitten. Dabei werden die Experten wohl auch von vielen wohlgesonnenen Voxtrupern begrüßt werden. Die gut drei Kilometer lange 110-kV-Leitung, die sich mitten durch den Stadtteil bis zur A 30 zieht, könnte in ein paar Jahren komplett demontiert werden. Dann, so Amprion-Sprecher Weber, könnten die betroffenen Grundstückseigentümer das eingetragene Leitungsrecht löschen lassen. Auf etlichen Flächen würde eine bauliche Nutzung ganz neue Perspektiven eröffnen.
Bildtext:
Diese Stromleitung quer durch Voxtrup (hier auf dem Parkplatz von einem Geschäft an der Meller Landstraße) könnte abgebaut werden.
Foto:
Jörn Martens
Autor:
Franz-Josef Raders


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