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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
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Überschrift:
Überfall auf Papenhütte
Zwischenüberschrift:
Sintifamilien im KZ ermordet
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Es war ein Überfall. Nationalsozialisten fuhren in die Siedlung Papenhütte und trieben dort Sintifamilien aus den Baracken, brachten sie zum Bahnhof und verschleppten sie am 1. März 1943 in Konzentrationslager.

Unter den Opfern befanden sich zwei verwandte Familien mit dem Namen Imker elf Menschen, von denen einige schon bald ermordet wurden, andere nach und nach bis kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945. Konstantin wurde nur ein Jahr alt. Wo die Imkers in Osnabrück zuletzt gelebt hatten, treffen heute die Klöcknerstraße und der Kiefernweg aufeinander. Dort erinnern jetzt Stolpersteine an die Opfer des Rassenwahns.

Zwei überlebten. Der eine war Edmund Imker, der in einem Erziehungsheim gelebt hatte und später offenbar als Wehrmachtssoldat bei der Marine diente. Wie Lisa Böhne vom Initiativkreis Stolpersteine im Osnabrücker Staatsarchiv herausfand, kam er nach dem Krieg wieder nach Osnabrück, besuchte die Papenhütte und erfuhr, dass seine Eltern und Geschwister abgeholt und ermordet worden waren. Der andere Überlebende war Artur Imker. Er war sieben oder acht Jahre alt, als Nationalsozialisten am 1. März 1943 seine Familie verschleppten währenddessen lag er als Patient im Marienhospital. Bevor auch Artur in die Fänge des Regimes geraten konnte, holte ein Verwandter ihn aus dem Marienhospital und brachte ihn zur Großmutter. Die konnte ihn verstecken und damit sein Leben retten.

Offensichtlich war die Polizei an dem Überfall auf die Sintifamilien beteiligt. Sie dokumentierte am 1. März 1943 die Beute mit einer " Nachweisung über die abgenommenen Geld- und Wertsachen". Unter anderem schätzten die Beamten den Wert der Küchenmöbel von Robert Imker auf 20 Reichsmark, den der Bett- und Leibwäsche auf 20 Reichsmark unter dem Strich errechneten sie 308 Reichsmark. Den Wert des Haushalts von Wilhelm Imker schätzten sie auf 45 Reichsmark. Sie bezeichneten die Beute für den NS-Staat als " zurückgelassene Vermögenswerte".

Den verschleppten Menschen von der Papenhütte trachteten die Nationalsozialisten schon bald nach dem Leben dem Korbmacher Robert Wilhelm Imker und seiner Frau Rosa Anna mit ihren Kindern Friedrich, Konstantin, Otto und Alois Gerhard. Aus dieser Familie überlebte Edmund Imker. Nebenan hatten Wilhelm und Marie-Luis Imker mit ihren Kindern Gertrud, Adelheid und Konstantin in einem selbst gebauten Holzhaus gewohnt von ihnen überlebte Artur erst im Krankenhaus, dann im Versteck. Auch hier wäre den Nationalsozialisten im Rassenwahn die " planmäßige Ausrottung aller Zigeuner" fast gelungen.

Eine lange Zeit der Diskriminierung endete im Massenmord an Sinti und Roma. Wie die Historiker Duncan Cooper und Michael Schubert feststellten, war es schon zur Zeit der Weimarer Republik zu einer Eskalation gekommen: " Die Kriminalisierung und Stigmatisierung erreichte in Osnabrück bereits 1927 einen vorläufigen Höhepunkt. Im November des Jahres wurden 39 Sinti in einer für ganz Preußen angeordneten Zigeunerrazzia′ vorübergehend festgenommen." Zu der Zeit hatte Adolf Hitler seine Gewaltfantasien längst entwickelt 1933 begann er, sie nach und nach umzusetzen. Rassenwahn und Hass breiteten sich in Deutschland aus. Dazu kam, wie Bürgermeisterin Birgit Strangmann bei der Stolpersteinverlegung sagte, " die stillschweigende Akzeptanz" wohl vieler Bürger.

Die Nationalsozialisten hatten für die Papenhütte noch weitere Pläne, wie Cooper und Schubert herausfanden: " Mangelnde finanzielle Mittel verhinderten während des Zweiten Weltkrieges 1939–1945 den geplanten Ausbau der Papenhütte′ zu einer geschlossenen Asozialen-Siedlung′ mit Aufseherhaus′". Und in der Innenstadt wollte auch die Gestapo weiter expandieren, um mehr Bürger als Gefangene aufzunehmen. Kaum jemand schien noch sicher zu sein vor einem Überfall.
Bildtext:
Hier mussten Sintifamilien leben: Die Geschichte der Barackensiedlung Papenhütte begann bereits vor der Zeit des NS-Regimes, doch von 1933 an eskalierte die Gewalt auch gegen diese Menschen. In den 1940er-Jahren wurden Sinti in Konzentrationslagern ermordet. Diese Aufnahme entstand 1950.
Zwei Familien mit dem Namen Imker: Stolpersteine an der Ecke Kiefernweg/ Klöcknerstraße erinnern an ermordete Sinti.
Foto:
Jörn Martens

Stolpersteine
Messingplatten in den Gehwegen erinnern an Opfer des Nationalsozialismus. Der Kölner Künstler Gunter Demnig ist Initiator des Projekts, dem sich Hunderte Kommunen angeschlossen haben. Paten der Stolpersteine an der Ecke Kiefernweg/ Klöcknerstraße sind der Evangelische Kirchenkreis mit Superintendent Friedemann Pannen (für Robert Wilhelm Imker), Barbara Lükenga (für Rosa Anna Imker), Heike Papenburg (für Alois Gerhard und Otto Imker), Ute Trautmann (für Friedrich Imker), Astrid Hecht (für Konstantin Imker), die Hans-Calmeyer-Initiative (für Wilhelm, Marie-Luis und Konstantin Imker), die Jusos des Osnabrücker Landes (für Adelheid Imker) und Beate Rudloff (für Gertrud Imker). Verlegt haben sie die Schüler Marcel Nordhoff und Gero Beiderwellen vom Berufsschulzentrum Westerberg
Autor:
Jann Weber


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