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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Opulent geplant, schlicht ausgeführt
Zwischenüberschrift:
Die Sportanlage Illoshöhe ist seit 1955 treue Begleiterin des Schul- und Vereinssports
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Links die Mädchen, rechts die Jungen. Nur ein paar ganz mutige junge Athleten haben sich auf die Seite der Mädchen getraut, als im Sommer 1964 der erste Feriensportkurs des Städtischen Sportamts auf der Illoshöhe veranstaltet wird.

Ein Offizieller der Stadt mit Schlips und Kragen begrüßt die Schüler und macht sie mit den Abläufen vertraut. Über allem wacht die sogenannte Kampfrichterkabine der Zentralen Sportanlage. Rechts daneben sieht man die 50 Meter hoch aufragende Turmspitze der Bonnuskirche, die gerade ihrer Vollendung entgegengeht.

Schon vor dem Krieg begonnen, war die Sportstätte 1955 eingeweiht und seitdem schrittweise erweitert und verbessert worden. Das historische Bild zeigt den Zustand nach Beendigung des " zweiten Bauabschnitts". Mit Blick auf die Ausrichtung des Landesturnfestes 1965 mit erwarteten 10 000 Teilnehmern tatsächlich waren es dann mehr als 15 000 hatte man insbesondere die Vorratsflächen hinter der Tribüne bis zur Bredowstraße mit einem neuen Hartplatz, einer Gymnastikwiese und einer Roll- und Schlittschuhbahn hergerichtet. Auch eine 130-Meter-Aschenbahn für Sprintwettbewerbe gehörte dazu, sodass auf der 400-Meter-Hauptkampfbahn gleichzeitig Langstrecken gelaufen werden konnten. In Nachbarschaft der Umkleide- und Duschräume am Eingang Ernst-Sievers-Straße entstand das Gerätehäuschen. Nomineller Haupteingang war weiterhin der Ostzugang von der Schemmannstraße her heute würden sich die Anwohner dafür bedanken.

Auch nach diesem Ausbauschritt sah man weiterhin Probleme in der begrenzten Tribünengröße und den kaum vorhandenen Parkflächen. Aber immerhin: " Bald werden sich hier Turner und Sportler in viel größerer Zahl in Wettkämpfen messen können", freute sich das " Osnabrücker Tageblatt" im Juli 1963 kurz vor Vollendung des zweiten Bauabschnitts.

Mit der Zeit legte sich die Begeisterung. Technische Standards im Sportstättenbau schritten voran die gute alte Illoshöhe genügte nicht mehr allen Anforderungen. Dauerthema im Sportausschuss der Stadt war, wie man die in die Jahre gekommene Sportanlage mit möglichst wenig eigenem Geld modernen Erfordernissen würde anpassen können. 1980 schienen manche im Sportamt ganz froh zu sein, als beim Besuch von Papst Johannes Paul II. an die 140 000 seiner Anhänger im strömenden Regen die Aschebahn endgültig zertrampelten. 1981 gab es eine neue Kunststoffbahn, hauptfinanziert vom Bistum.

Im Jahr 2000 tauchte der Plan auf, die Illoshöhe ganz aufzugeben, dadurch wertvolles Bauland zu gewinnen und eine neue " Sportarena" an ganz anderer Stelle in der Stadt zu errichten. Er fand keine Mehrheit. " Nicht Vision, sondern Illusion", urteilte damals Alfred Bongartz (CDU) im Sportausschuss. Auch der Osnabrücker Turnerbund (OTB) wetterte heftig gegen die Pläne, durch die er seine ideale Anbindung an die städtischen Sportstätten verloren hätte.

2001 erwogen Stadt und Universität, die Uni-Sportstätten an der Jahnstraße aufzugeben und mit dem gesamten Uni-Sport an die Illoshöhe zu ziehen. 22 Millionen Mark sollte die Aufrüstung mit Gymnastikhalle, Mehrzweckhalle, Lehrschwimmbecken und Institutsgebäuden kosten. Der Charme dieser Lösung für die Stadt hätte darin bestanden, dass Bund und Land die Kosten übernommen hätten. Doch daraus wurde unter anderem deshalb nichts, weil man dann neue Trainingsmöglichkeiten für die Profifußballer vom VfL Osnabrück hätte finden müssen. Ein neues Fußballleistungszentrum an der Lauburg in Hellern wäre für 20 Millionen Mark zu haben gewesen, aber die Finanzierung durch das Land kam nicht zustande. So einigte man sich schließlich auf die " kleine Lösung" für die Illoshöhe: eine schrittweise Sanierung, die als sichtbarstes Zeichen 2006 das lange ersehnte Tribünendach hervorbrachte.

Große Pläne für die Illoshöhe hatte es schon immer gegeben. Sie gehen zurück auf das Jahr 1937. Der renommierte Städtebau-Professor Werner March, Erbauer des Berliner Olympiastadions, hatte ein Sportfeld mit pompöser Turmanlage, Ehrenmal und Rondell-Café entworfen. Das Stadion selbst sollte 2500 Sitz- und 12 500 Stehplätze erhalten. Die nationalsozialistische Parteileitung forderte zusätzlich ein Aufmarschfeld für 90 000 Menschen, das bis hinunter an den heutigen Mittagskamp gereicht hätte. Die Straßenbahnlinie zum Heger Friedhof sollte in einer Schleife um die " Kampfbahnen" herumgeführt werden.

1938 begannen die Erdarbeiten. Ein Wall für die Tribüne wurde aufgeworfen. Doch der Krieg gab den Arbeiten ab 1940 eine andere Richtung: Eine Luftabwehrstellung mit Bunkeranlagen wurde in den Wall eingebaut. In den so entstandenen Unterkünften lebten noch bis 1955 ausgebombte Menschen in Behelfswohnungen. 1952 gaben die Engländer den Platz frei. Freiwillige aus Osnabrücker Sportvereinen machten sich daran, einen kleinen Teil der ursprünglichen Stadion-Planungen für den Vereins- und Schulsport umzusetzen.
Bildtexte:
Eine schlichte Kampfrichterkabine wachte über die Tribüne der Zentralen Sportanlage Illoshöhe, als dort im Sommer 1964 ein Feriensportkurs veranstaltet wurde. Das Bild des Fotografen Herbig stammt aus dem Archiv des Presse- und Informationsamtes der Stadt Osnabrück. Veröffentlicht in: Matthias Rickling, Osnabrück 1949-1979, Sutton-Verlag, 2013.
Eine überdachte Tribüne und eine wettkampftaugliche Kunststoff-Laufbahn gehören heute zur Ausstattung der Sportanlage Illoshöhe.
Fotos:
Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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