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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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101 Salutschüsse zum Thronjubiläum
Zwischenüberschrift:
Juni 1913: Osnabrück feiert die 25-jährige Regentschaft Kaiser Wilhelms II.
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Kaiserwetter zum Kaiserjubiläum: Am 15. und 16. Juni 1913 wurde im gesamten Reich und so auch in Osnabrück das silberne Thronjubiläum Kaiser Wilhelms II. zelebriert. Der Magistrat forderte alle Bürger auf, die Häuser zu beflaggen. Viele Geschäfte dekorierten ihre Schaufenster mit schwarz-weiß-roten Girlanden. Hoflieferant Carl Schäffer verkaufte " mit allerhöchster Genehmigung Seiner Majestät" Grammofon-Festaufnahmen jede Schallplatte ausgestattet mit einem Reliefbildnis des Kaisers. Im Kaufpreis enthalten: eine Spende " zum Besten des Kaiser-Wilhelm-Kinderheims" in Ahlbeck auf Usedom.

Am 15. Juni 1888 war Wilhelms Vater, der " 99-Tage-Kaiser" Friedrich III., an Kehlkopfkrebs gestorben. Sein 25. Todestag fiel auf einen Sonntag. Für diesen Tag hatte der Sohn sich nur " Feiern in ernster und schlichter Weise" auserbeten. Um 8.45 Uhr begann der katholische Festgottesdienst in der Herz-Jesu-Kirche, um 9.30 Uhr der israelitische in der Synagoge an der Rolandstraße und um 11.30 Uhr der evangelische in der Katharinenkirche. Die Spitzen der Behörden und Kriegervereine der jeweiligen Glaubensrichtung waren zugegen.

Am Montag, dem Jahrestag der Thronbesteigung, fand im Schloss-Innenhof für alle Truppenteile eine " große Paroleausgabe" statt. Da Osnabrück eine Garnisonsstadt war, " in der Artillerie steht", wurde während der Paroleausgabe ein Salut von 101 Schüssen abgefeuert. Obwohl Montag, gaben die preußischen Staatsbahnen verbilligte Sonntagsfahrkarten ab. Dadurch sollte die Landbevölkerung animiert werden, möglichst zahlreich an den Feierlichkeiten in der Stadt teilzunehmen.

Todesengel, Heldenkaiser

Das " Osnabrücker Tageblatt" blickte zurück auf " jene schweren März- und Juni-Tage 1888, als der Todesengel seine Flügel senkte über zwei Heldenkaiser, Wilhelm I. und Friedrich III." Doch dann habe ein junger Hohenzoller den Kaiserthron bestiegen, " machtvoll und mit dem festen Willen, Volk und Vaterland den gebührenden Platz im Rate der Völker zu befestigen." Der Zeitungsschreiber dankte dem " hohen Jubilar, der seit 25 Jahren des Reiches Szepter führt", insbesondere dafür, den Frieden erhalten zu haben.

Nicht so recht zu dieser Stimmung passen möchte ein fast schon aufmüpfiger Leserbrief, der die kritische Frage aufwirft, wer das eigentlich alles bezahlt, wenn der Kaiser im Sonderzug durch die Lande fährt. Antwort der Redaktion: Der Kaiser zahlt für Sonderzüge dasselbe wie jeder Privatmann, nämlich für die Lokomotive mit Tender 1, 20 Mark je Kilometer, für Salonwagen 0, 40 Mark und für Gepäckwagen 0, 20 Mark, jeweils pro Achse und pro Kilometer.

In den Juni-Ausgaben des " Tageblattes" finden sich neben Lobpreisungen für den Kaiser gehäuft Anzeigen über Gras-Versteigerungen wohl ein Indiz für die zahlreichen Tierhalter in der Stadt ohne Zugang zu eigenem Grünland. Gras und " Nachgras", also die Zweit-Mahd der Saison, wird von Auktionatoren an Meistbietende verkauft. Etwa " in den Wiesen der Güter Sutthausen und Wulften, Versammlung der Käufer nachmittags 3 Uhr an der Dütebrücke. Die Renteiverwaltung". – " Bestes Kuh- und Ziegenheu bei Herrn Hofbesitzer Lückemeyer in Hellern" konkurriert mit dem " ersten Grasschnitt in den Wiesen an der Papiermühle sowie einige Abteilungen an der Pagenstecherstraße hinter der Wachsbleiche. Versammlung nachmittags 6 Uhr bei der Papiermühle", wobei damit die Quirllsmühle als Keimzelle der Papierfabrik Kämmerer gemeint ist.

Persönlichkeitsrechte und Schutz der Privatsphäre spielten vor hundert Jahren noch keine große Rolle. In Werbeanzeigen für sogenannte Abonnenten-Versicherungen das ist die Kombination eines Zeitschriftenabos mit einer Unfall- oder Lebensversicherung loben Geschädigte die kulante Regelung ihres Schadensfalls. Etwa so: " Ich erhielt für den tödlichen Unfall meines Mannes 1200 Mark ausgezahlt, wofür ich meinen Dank hiermit ausspreche. Witwe Karoline Rode, Bremerstr. 67." Im weiteren Anzeigentext listet der Versicherungsagent auf, was sonst noch so alles reguliert wurde: " 30 Mark an Herrn H. Pues, Adolfstr. 18, für eine Fußverletzung" sowie " 15 Mark an E. Berdelmann, Mellerstr. 51, für eine Fingerverletzung".

Der Vertreter der Zeitschrift " Nach Feierabend" wirbt mit dieser Referenz: " Beim Rangieren eines Zuges wurden Heinrich Grimme, Lohstr. 25/ 26, beide Beine unterhalb der Knie abgefahren. Als Abonnent Nach Feierabend′ wurden ihm für den schweren Unfall 1000 Mark bezahlt."

Ärger über eine Uhr

Das " Tageblatt" greift Leserbeschwerden über die defekte Beleuchtung der Normaluhr am Gebäude der Hauptpost (Wittekindstraße/ Ecke Möserstraße) auf. Dieser Zustand werde " von vielen Passanten als unliebsam empfunden, namentlich von solchen, die zum Hauptbahnhof eilen und sich auf dem Wege dorthin über die genaue Zeit unterrichten wollen. Da man zwischen Postuhr und Bahnzeit minutiöse Übereinstimmung voraussetzen darf, löst es gewiss […] ein beruhigendes Gefühl aus, wenn man sich unterwegs vergewissern kann, ob man noch Zeit genug hat."

Zum Schluss eine Meldung aus dem Emsland: " Einen gemeinen Streich hat der Arbeiter Korte dem Schleusenwärter in Vehndorf [heute: Haren-Fehndorf] gespielt, indem er dessen Brunnen auf nicht wiederzugebende Weise verunreinigte. Das Schöffengericht Meppen verurteilte den Angeklagten, der sich auf sinnlose Trunkenheit berief, wegen Sachbeschädigung zu 20 M. Geldstrafe."

Auf die Berufung des Amtsanwalts wurde später die Strafe für den fäkalischen Streich des Herrn Korte auf 50 Mark erhöht.
Bildtext:
Ein dreifach schallendes Hurra auf Seine Majestät bringen die versammelten Untertanen bei einer vaterländischen Feier vor dem Justizgebäude am Neumarkt aus. Das Bild eines unbekannten Fotografen ist dem Bildarchiv Alt-Osnabrück, Band II, entnommen (Hrsg. Wido Spratte, Verlag Wenner, Osnabrück, 1997).
Autor:
Joachim Dierks


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