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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Heitere Opern, trauriges Leben
Zwischenüberschrift:
Albert Lortzing verbrachte sechs Schaffensjahre in Osnabrück
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. In vielen Lebensbeschreibungen, die hier in der Glückshauptstadt natürlich besonders gern zitiert werden, wird die Osnabrücker Zeit für Albert Lortzing als die glücklichste seines Lebens bezeichnet. Der Schöpfer komischer Opern wie " Zar und Zimmermann" und " Der Wildschütz" hatte in den letzten Lebensjahren nicht mehr sehr viel zu lachen. Er starb verbittert und verarmt mit nicht einmal 50 Jahren in Berlin.
Als er 1825 nach Osnabrück kam, war die Welt noch in Ordnung. Er war Mitglied der Theatertruppe Pichler, die vom Hoftheater Detmold aus auch die Bühnen in Osnabrück, Münster und Pyrmont bespielte. Lortzing war als Tenor- und Baritonsänger beim Publikum sehr beliebt, bei den Regisseuren wegen seiner improvisierten Gags allerdings gefürchtet. Man würde ihn heute als Multitalent bezeichnen. Denn er konnte nicht nur solistisch singen und Sprechrollen bühnenwirksam übernehmen, er half auch häufiger im Orchester am Cello-Pult aus und machte mit eigenen Kompositionen auf sich aufmerksam. Seine Erstlingsoper " Ali Pascha von Janina" erlebte am 21. April 1828 ihre Uraufführung im Osnabrücker Theater. 1832 folgte mit " Der Pole und sein Kind" eine weitere Welturaufführung in Osnabrück, eine Oper, die damals das Publikum zu Tränen rührte, allerdings bald vom Zeitgeschmack überholt wurde. Die Libretti verfasste Lortzing selbst. Er erkannte, dass zukünftiger Erfolg für ihn nur im Fach der Komischen Oper zu erlangen sein würde.
Das Osnabrücker Theater war im 19. Jahrhundert noch nicht am Domhof, sondern im ehemaligen Adelshof der Tecklenburger Grafen an der Großen Gildewart (heute steht an gleicher Stelle das Haus der Jugend). Lortzing wohnte in der Turmstraße, Ecke Jakobstraße. Theaterfreudige Menschen brachten später eine Gedenktafel an diesem Haus an, die allerdings mit der Kriegszerstörung des Hauses unterging.
Lortzings musisches Talent kam nicht von ungefähr. Seine Eltern, der Lederhändler Johann Gottlieb Lortzing und seine Frau Charlotte, hatten sich auf einer Laienbühne in Berlin kennengelernt. Sie gaben das Ledergeschäft auf und traten einer reisenden Schauspieltruppe bei, der Vater als Liebhaber, die Mutter als Soubrette. Am 23. Oktober 1801 kam Albert in Berlin zur Welt. Sehr früh erkannten die Eltern seine Neigung zu Musik und Bühne. Als kleiner Knirps trug er zwischen den Akten humoristische Gedichte vor. Während des Wanderlebens der Truppe bildete sich der junge Lortzing autodidaktisch in der Musik weiter. In Köln verliebte er sich 1823 in die Schauspielerin Rosina Regina Ahles, mit der er ab 1824 eine glückliche und von elf Kindern gesegnete Ehe führte. Lortzings Osnabrücker Zeit war auch in der Hinsicht sehr fruchtbar.
Kein Glück in Leipzig
Im Sommer 1833 nahm Familie Lortzing Abschied von Osnabrück. Er wurde Ensemblemitglied am Leipziger Stadttheater und später Kapellmeister. In der Leipziger Zeit entstanden " Zar und Zimmermann" (1837), " Hans Sachs" (1840), " Der Wildschütz" (1842) und " Undine" (1845). Trotz großer Erfolge beim Publikum fiel Lortzing bei der Theaterleitung in Ungnade. Unter dem Vorwand seiner rheumatischen Erkrankung ereilte ihn 1845 die Kündigung. Von da an ging es bergab. Im Theater an der Wien in Wien fand er zwar noch eine Anstellung als Kapellmeister, die jedoch unter keinem günstigen Stern stand. Er versuchte sich 1848 mit " Regina" an einer Zeitoper im Sinne der Freiheitsbewegung. Das Auftreten aufrührerischer Proletarier auf der Bühne genügte, um eine Aufführung zu Lebzeiten zu verhindern. Noch im gleichen Jahr musste er Wien verlassen. Neue Berufungen zerschlugen sich. Er fristete erneut als Schauspieler sein Leben, um die große Familie über Wasser zu halten. Im April 1850 trat er ein armseliges Engagement am Friedrich-Wilhelmstädter Theater in Berlin an. Selbst dort von der Kündigung bedroht, starb er kurz zuvor am 21. Januar 1851 überarbeitet und verschuldet an einem Schlaganfall.
Osnabrück ehrte den herausragenden Vertreter des volkstümlich-romantischen Singspiels mit einem Reliefporträt, das 1895 im Vorraum des Gildewart-Theaters mit einer musikalischen Feier eingeweiht und später in das neue Theater am Domhof übernommen wurde. Die auf das 1909 eröffnete Domhof-Theater zuführende Straße trägt Lortzings Namen.

Straßenkunde: mehr Artikel auf unserer Themenseite: www.noz.de/ strassenkunde

Serie: Was sagt uns der Straßenname
Bildtexte:
Albert Lortzing (1801 bis 1851) in einer zeitgenössischen Darstellung.
Die Verbindung zwischen Domhof und Dielingerstraße trägt den Namen von Albert Lortzing.
Fotos:
dpa, Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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