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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Ein originalgetreuer Schützengraben zum Anfassen
Zwischenüberschrift:
Juni 1915: Weltkrieg macht sich auch in Osnabrück immer stärker bemerkbar – Ausfuhr von Kartoffeln und Heu strafbar
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Der Krieg an der Westfront machte sich vor 100 Jahren immer stärker in Osnabrück bemerkbar. Die Ausfuhr von Kartoffeln und Heu wurde verboten; und Kinder sammelten auf den Straßen Pferdeäpfel als Dünger für die Felder. An der Netterheide konnten Interessierte die originalgetreue Nachbildung eines Schützengrabens besichtigen.
25 Pfennig zahlen Erwachsene und zehn Pfennig die Schüler, wenn sie den Lehr-Schützengraben auf dem Truppenübungsplatz Netterheide besichtigen wollen. Er ist zur Ausbildung der Infanteristen angelegt worden und " stellt ein getreues Abbild des wirklichen Schützengrabens dar, wie er im Stellungskampf besonders auf dem westlichen Kriegsschauplatz eine große Rolle spielt". Das " Osnabrücker Tageblatt" lädt im Juni 1915 die Bevölkerung ein, sich diese lehrreiche Gelegenheit nicht entgehen zu lassen.
Der Schützengraben weist alle Einrichtungen auf, " wie sie die moderne Kriegstechnik erfunden hat", etwa einen Maschinengewehrstand, einen Verbandsraum und einen mehrere Meter tief unter der Erde liegenden Stollen, der als Horchposten dient. Der Beobachtungsstand hat eingebaute Scharten, in die kleine Periskope geschoben werden. Damit kann man das Gelände beobachten, ohne den Kopf über die Brustwehr zu erheben. Ebenso wenig fehlen Fernsprechanlagen und Sicherungseinrichtungen wie Drahtverhaue und Stacheldrahtzäune. Und auch das sollte sich die interessierte Jugend nicht entgehen lassen: einen als " Wolfsgrube" bezeichneten, getarnten und mit Stolperdrähten umgebenen Erdtrichter, in dessen Mitte sich ein angespitzter Pfahl erhebt. Dadurch werden anstürmende Feinde ausgeschaltet.
Die Anlage befindet sich dicht am Weg zwischen Gastwirt Riemann und der Papiermühle, sodass sie sowohl von der Bramscher wie von der Natruper Straße her bequem zu erreichen ist. Eintrittskarten sind in der Geschäftsstelle der Zeitung erhältlich. Der Erlös aus den Besichtigungen kommt den Kriegsverletzten der Infanterieregimenter 78 und 92 zugute.
Sorgen um die Ernährung sind weiterhin das Generalthema in zahllosen Zeitungsmeldungen. Der Regierungspräsident hat das Ausführen von Kartoffeln aus Stadt- und Landkreis Osnabrück verboten. Übertretungen werden mit Gefängnis bis zu sechs Monaten oder Geldstrafe bis 1500 Mark geahndet. Auch Heu darf den Kreis nicht verlassen, bei Androhung einer Gefängnisstrafe von sogar bis zu einem Jahr.
Der Kreisausschuss ordnet den Abschuss von Sperlingen und Krähen an, weil sie den Menschen Nahrungsmittel streitig machen. Als Abschussprämien winken zwei Pfennig pro Sperling und zehn Pfennig für die Krähe. Gemäß Bundesratsverordnung ist das Ölen von Fußböden verboten, um kriegswichtige Rohstoffe zu sparen. Zuwiderhandlungen werden mit Haft oder Geldstrafe bis 150 Mark geahndet.
Kartoffeln werden an die Empfänger von Kriegsunterstützung verbilligt abgegeben. " Beste hiesige Speisekartoffeln" kosten für die Berechtigten nur 3, 50 Mark pro Zentner, was weit unter dem Marktpreis liegt. Die sonst gezahlte Unterstützung wird dann allerdings um 1, 75 Mark je bezogenen halben Zentner gekürzt. Um das Umladen der Kartoffeln zu vermeiden, erfolgt die Abgabe an den Eisenbahnwaggons auf der Rampe des Viehmarktplatzes hinter dem Schlachthof.
Fleißige Kinder kann man jetzt oft beobachten, schreibt das " Tageblatt", wie sie, mit kleinem Wägelchen, Handfeger und Schaufel ausgerüstet, die Straßen nach Pferdeäpfeln oder Kuhdung absuchen. " In kurzer Zeit ist das Wägelchen gefüllt. Alsdann geht es zu dem Stückchen Ackerland, wo Mutter eifrig mit den Vorarbeiten zum Kartoffelpflanzen beschäftigt ist. Die Mutter lobt die Kinder, öfters hat sie auch ein Butterbrot zum Lohne bereit. Sie erklärt den Kindern, jetzt würden die Kartoffeln noch einmal so dick werden, und ganz gewiss würde der Plan der Engländer, uns auszuhungern, damit durchkreuzt."
Pferde für die Feldarbeit
Wenn Pferde für die Feldarbeit in der Landwirtschaft fehlen, können sie jetzt entliehen werden. Da die Feldbestellung unter den Kriegsverhältnissen von der größten Wichtigkeit sei, verfügt das Kriegsministerium, dass unter bestimmten Voraussetzungen Pferde aus den Zentral-Pferdedepots entliehen werden können, sofern der Pferdeersatz für die Feldtruppen gesichert bleibt. Auch die zur Führung der Gespanne erforderlichen Mannschaften können für die Feldbestellung beurlaubt werden. Die Landwirte müssen sich verpflichten, Mannschaften und Pferde kostenfrei zu verpflegen und gegebenenfalls auch unterzubringen.
Die Flussbadeanstalt an der Nette ist eröffnet. Die Benutzung ist nur männlichen Personen gestattet. Mittwochs, samstags und sonntags ist das Baden gratis, sonst zahlen Kinder und Schüler 10 Pfennig, Erwachsene 20 Pfennig. Dauerkarten kosten 1, 50 beziehungsweise 2, 50 Mark.
Klagen über eine ungleichmäßige Verteilung der Einquartierungslast in Osnabrück wollen nicht verstummen. Ein Leser moniert, dass gerade jetzt, wo zahlreiche Truppen aus dem Munsterlager zurückgekehrt seien, im westlichen Stadtteil sehr willkürlich verfahren worden sei. " Manche Verpflichtete, die viel Platz hätten, wurden verschont, andere dafür doppelt in Anspruch genommen. Auch waren die Ankündigungsfristen viel zu kurz. Viele Soldaten kamen vor verschlossene Türen, da die Quartiergeber nicht zu Hause waren, da sie nicht rechtzeitig von der Belegungsansage unterrichtet wurden", schreibt er.
Einen " frechen" Pferdediebstahl beging der Angeklagte T. aus Balkum bei Ueffeln. Er kannte sich auf dem Gehöft Behrens-Brinkmann in Grothe bei Badbergen aus. Es gelang ihm, die von innen verriegelte Tür des Pferdestalles zu öffnen. Damit das Geräusch der Huftritte des Pferdes den Knecht nicht wecke, belegte er das Steinpflaster vor dem Stall mit Dünger. Unter dem Namen eines Eversburger Pferdehändlers verkaufte er das Pferd für 700 Mark. Das Kaufgeld sollte ihm nach seiner Anweisung nach einer Wirtschaft in Westerholte geschickt werden. Inzwischen war ihm der Badbergener Wachtmeister auf die Spur gekommen. Auf dessen Veranlassung schickte der Käufer einen Brief mit Papierschnitzeln an den Dieb. Als der den Brief in Empfang nahm, wurde er vom Wachtmeister verhaftet. Das Amtsgericht verurteilte den mehrfach Vorbestraften zu zwei Jahren und zwei Monaten Zuchthaus.
Die Kaiser-Lichtspiele, Große Straße 85, zeigen: " Das Jahr 1915 ein überaus stimmungsvoller Kriegsfilm in 2 Akten". Laut Beschreibung zieht darin " eine Reihe äußerst amüsanter Szenen mit unseren Feldgrauen an uns vorüber, immer aber ist der Ernst unserer Tage gewahrt. Die Schlussszenen zeigen die ruhmvolle Tätigkeit unserer Unterseeboote. Wir sehen, wie deren wohlgezielte Torpedoschüsse ein englisches Kriegsschiff nach dem andern in den Grund bohren."

Mehr Berichte aus der Vergangenheit der Stadt auf www.noz.de/ historisch-os
Serie: Vor 100 Jahren
Bildtext:
Die originalgetreue Nachbildung eines Schützengrabens konnte im Juni 1915 an der Netterheide besichtigt werden.
Foto:
Unbekannter Fotograf, Niedersächsisches Landesarchiv Osnabrück
Autor:
Joachim Dierks


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