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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Energiewende trifft Borgloh
Zwischenüberschrift:
Netzbetreiber Amprion stellt Pläne zum Neubau der Hochspannungsleitungen erstmals öffentlich vor
Artikel:
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Originaltext:
Hilter. Es knistert in Borgloh. Mitten durch den Hilteraner Ortsteil verlaufen pa rallel eine 110-Kilovolt-(kV-) und eine 220-kV-Leitung. Für die Energiewende soll in der Hochspannungstrasse eine 380-kV-Leitung entstehen. Der Übertragungsnetzbetreiber Amprion präsentierte die Pläne am Donnerstagabend dem Hilteraner Energieausschuss und stellte sich den Fragen von mehr als 100 Bürgern. Einige von ihnen haben bereits eine Bürgerinitiative gegründet. Sie fordern Erdkabel statt Freileitungen.
In einem Punkt konnte Amprion-Projektleiter Jörg Finke-Staubach die Borgloher beruhigen: " Dass wir in der Bestandstrasse bleiben, halte ich für unmöglich." Heißt: Es ist sehr wahrscheinlich, dass die neue Leitung den Ort nordöstlich umgehen wird und nicht wie bislang über den Sportplatz hinweg und haarscharf an den Häusern am Feldblumenweg vorbei. Dort ist das elektrische Knistern der spannungsgeladenen Luft allgegenwärtig.
Der Forderung nach Erdverkabelung erteilte Finke-Staubach erneut eine Absage. Diese Technik sei von der Bundesregierung nur für vier Pilotstrecken vorgesehen und nicht für Borgloh. Da rauf habe er keinen Einfluss.
Hintergrund: Dass die Stromtrasse von Bad Essen-Wehrendorf nach Gütersloh auf 380 kV ausgebaut werden soll, hat der Bund beschlossen. Es ist eines von 24 Projekten, die im Energieleitungsausbaugesetz von 2009 vorgesehen sind. Die Trasse führt über Bissendorf nach Osnabrück-Lüstringen und von dort durch Voxtrup, Borgloh und Allendorf sowie Melle-Wellingholzhausen.
Aktuell befasst sich Amprion mit dem Abschnitt Lüstringen–Gütersloh. Bissendorf und Georgsmarienhütte werden nur am Ortsrand gestreift. Wo genau die neue Höchstspannungsleitung mit doppelt so hohen Masten und 70 Meter breiten Schutzstreifen verlaufen wird, steht noch nicht fest, das Verfahren hat gerade erst begonnen. Fest steht: Die 110-kV-Leitung soll bestehen bleiben und zusätzlich zur 380-kV-Leitung auf die neuen Masten gelegt werden und zwar frühestens 2017. Die 220-kV-Leitung fällt dann weg.
Ortsumgehung: " Kleine Lösung" oder " große Lösung"? Drei Varianten hat Amprion berechnet. Während zwei Umgehungen noch nah am Ortskern bleiben, wäre eine dritte fast einen Kilometer lang und würde auch Allendorf nicht mehr durchschneiden wohl aber diverse Hofstellen, die bislang weit von der Leitung entfernt sind. Wenn deren Bewohner vor Gericht gingen, hätten sie große Chancen zu gewinnen, sagte Finke-Staubach. Zudem wäre die weitläufige Umgehung ein " großer Eingriff in die Natur", sagte Landschaftsplaner André Poldrack. Aus beiden Gründen werde die große Lösung " derzeit nicht als genehmigungsfähig erachtet", so Poldrack. " Wenn Sie hier aber alle Bürger ins Boot holen, könnte die Sache wieder anders aussehen." Da meldete sich Johannes Meyer zum Alten Borgloh zu Wort er wäre nämlich einer der neu Betroffenen. " Zu sagen, was ich selber nicht vor der Haustür haben will, sollen andere haben, ist asozial", sagte er.
Sicherheitsabstände: " Eine Optimierung bei den Abständen zu den Häusern ist vorgesehen", sagte Poldrack. " Aber im Zickzack einzelne Hofstellen zu umgehen ist unverhältnismäßig." Die Sicherheitsabstände betragen in Siedlungen 400 und außerhalb 200 Meter. " In der Regel können diese Abstände nicht eingehalten werden", sagte Poldrack. Die Leitungen stammen aus den 1930er-Jahren, die Siedlung habe sich daran " entlanggerobbt", erläuterte Finke-Staubach. Problematisch bei der Planung: Amprion solle möglichst in der alten Trasse bleiben, aber auch die Abstände einhalten.
Gesundheitsbelastung: " Die Grenzwerte halten wir ein", betonte Finke-Staubach. Doch auf die Frage, wie hoch genau die elektrische und magnetische Strahlung denn künftig sein würden, konnte er nicht antworten. " Das kann ich nicht sagen." Das hänge vom genauen Standort der Häuser ab und müsse überall separat berechnet werden.
Kann Hilter mitreden? Die Gemeinde müsse noch eine Stellungnahme zu dem Projekt bei der Regierungsvertretung in Oldenburg abgeben, erläuterte Finke-Staubach. In Oldenburg fällt die Entscheidung, ob vor dem Planfeststellungs- auch ein Raumordnungsverfahren durchgeführt wird, bei dem diverse Trassenvarianten untersucht werden müssten. " Es gibt noch keinerlei Stellungnahme von uns", betonte Hilters Bürgermeister Marc Schewski. " Deshalb sitzen wir ja hier, damit wir uns eine Meinung bilden können."
Bürgerinitiative: In einem Punkt sind sich viele Bürger bereits einig: Sie wollen sich für Erdverkabelung einsetzen. 91 Unterschriften haben die Initiatoren einer Bürgerinitiative am Donnerstagabend bereits gesammelt: gegen 380-kV-Freileitungen und für Erdverkabelung.
Weitere Infos: Amprion hat eine Hotline eingerichtet: Tel. 08 00/ 58 95 24 74.
Bildtexte:
Wer im Garten von Martin Odoy steht, kann die Spannung der Stromtrasse fast schon mit der Hand greifen. Das Knistern in der Luft ist allgegenwärtig doch wie wird es, wenn die 220-kV-Hochspannung zur 380-kV-Höchstspannung wird? Mit dieser Frage müssen sich die Bewohner des östlichen Ortsrands von Borgloh jetzt auseinandersetzen.
Das Interesse an den Plänen von Netzbetreiber Amprion ist groß in Borgloh die Unsicherheit auch.
Direkt über dem Sportplatz des TuS Borgloh verläuft die bestehende Hochspannungstrasse.
Statt zwei paralleler Leitungen soll es künftig nur noch eine geben die allerdings dann mit 380 Kilovolt statt mit 110 (links) und 220 (rechts) Kilovolt.
Mehr als 30 Meter ragen die Masten derzeit in den Himmel bei der neuen Leitung werden es 60, 5 Meter sein.
Fotos:
Dorn

Kommentar
An einem Strang

Energiewende gerne, aber bitte nicht vor meiner Haustür so ein Motto ist gefährlich. Zu Beginn des Prozesses der Hochrüstung der Stromleitungen ist es wichtig, dass alle Betroffenen an einem Strang ziehen und sich nicht den Schwarzen Peter zuschieben.

Netzbetreiber Amprion verspricht Optimierung, wo Optimierung möglich ist. Auch wenn der Gedanke an riesige Strommasten und Höchstspannung beängstigend ist, könnten die Bürger in dem Projekt also durchaus eine Chance sehen vorausgesetzt, dass die Verantwortlichen das Verfahren transparent gestalten.
Autor:
Sandra Dorn


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