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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
"Elektromobilität wird sich für viele bald rechnen"
Zwischenüberschrift:
Auto-Lobbyist Wissmann über die Zukunft alternativer Antriebe
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Berlin. Der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann, ist sicher, dass die Deutschen ihre Skepsis gegenüber Elektroautos ablegen. Und er mahnt heimische Hersteller zur Wachsamkeit gegenüber der Konkurrenz aus Fernost.
Herr Wissmann, Europas Automarkt verharrt in Stagnation. In Asien wächst das Geschäft rasant. Müssen die deutschen Hersteller mehr Entwicklung und Produktion nach Asien verlagern?
Wir müssen auf dem Weltmarkt mitwachsen und gleichzeitig zu Hause den Kern unserer Produktion sowie Innovation erhalten und stärken. Das geht nur, wenn wir im Premium-Sektor stark bleiben und sich die Rahmenbedingungen für Hersteller und Zulieferer nicht verschlechtern, also: keine falsche Steuerpolitik, keine falsche Energiepolitik und keine falsche europäische Regulierung, die die Premium-Hersteller stranguliert und nicht stimuliert. Im Moment habe ich den Eindruck, dass viele in der Politik und im öffentlichen Sektor zu sehr auf Verteilungsfragen schauen. Teilweise übersehen sie dabei, dass unsere Wettbewerbsfähigkeit kein Naturgesetz ist, sondern hart erarbeitet wurde und mittel- und langfristig gesichert werden muss. Der Wettbewerb um Produktionsstandorte wird härter. Jeder will Automobilindustrie haben.
Gefragt sind aber auch die Unternehmen. Was müssen sie tun, um nicht hinter die Asiaten zurückzufallen, die jetzt im Vorteil sind?
Sie müssen hellwach bleiben. Die beiden größten Herausforderungen sind die Entwicklung immer verbrauchs- und CO 2 - ärmerer Fahrzeuge und der Trend zur digitalen Vernetzung. Ältere wie jüngere Kunden erwarten heute im Auto alle Funktionen, die sie von ihrem Smartphone kennen, und dazu sekundengenaue Informationen über Staus und Verkehrsgefährdungen. Wir haben ausgeschlafene Wettbewerber. Die Japaner sind zurück wir haben sie nie unterschätzt. Die Koreaner kommen. Beide werden von ihren Regierungen massiv unterstützt. Und machen wir uns nichts vor in fünf bis zehn Jahren werden auch die Chinesen auf dem westlichen Markt antreten. Die sind enorm ehrgeizig.
Wieso wird digitale Vernetzung so ein wichtiges Wettbewerbskriterium?
Unsere Kunden erwarten das von uns. Deswegen ist unser Anspruch, die " Apples" der Autowelt zu sein. Wir müssen komplizierteste Technik herunterbrechen auf einfachste Bedienbarkeit und zugleich emotional ansprechende Produkte liefern.
Die EU verlangt, dass Autos eines Herstellers im Jahre 2025 durchschnittlich nur noch zwischen 68 und 78 Gramm CO 2 pro Kilometer ausstoßen. Nehmen wir an, die EU macht mit dieser Vorgabe tatsächlich Ernst was bedeutet das für die deutschen Hersteller?
Diejenigen, die die europäische Modellpalette heruntertrimmen wollen auf ein simples, gesichtsloses, möglichst kleines Einheitsauto, tun dem Standort Deutschland keinen Gefallen. Denn der lebt zu einem großen Teil von kreativen Premium-Autos, die in ihrer jeweiligen Klasse die ökologisch effizientesten sind. Davon lebt unser Export. Davon leben viele unserer Hersteller und Zulieferer. Allein bei den Herstellern hängen fast 60 Prozent der Arbeitsplätze am Premiumsektor. Diese Stärke der deutschen Automobilindustrie darf nicht durch falsche Weichenstellungen etwa aus Brüssel aufs Spiel gesetzt werden.
Sie fordern, dass Elektroautos bei der Berechnung des durchschnittlichen CO 2 - Ausstoßes der Flotte eines Herstellers besonders stark berücksichtigt werden. E-Autos haben sich als Ladenhüter erwiesen. Wie soll Ihre Strategie da aufgehen?
Der Markt für Elektroautos entsteht ja gerade erst, verzeichnet aber schon hohe Zuwachsraten. So haben sich die Verkäufe von elektrisch angetriebenen Fahrzeugen in Deutschland seit 2007 jährlich verdoppelt. Ich glaube, dass sich die Verkaufszahlen in der zweiten Hälfte dieses Jahres und vor allem 2014 deutlich nach oben entwickeln werden.
Was macht Sie so optimistisch?
Vor allem, dass wir dann insgesamt 16 Modelle deutscher Hersteller auf dem Markt haben werden Elektrofahrzeuge, Autos mit Reichweitenverlängerer und Plug-in-Hybride. Damit wird ein neues Kapitel aufgeschlagen. Wir werden dann über einige Zehntausend Fahrzeuge reden und Mitte des Jahrzehnts hoffentlich auch über eine sechsstellige Zahl. Wir hatten bei der Elektromobilität eine Hype-Phase 2008, 2009. Dann folgte eine Zeit der Ernüchterung. Ich glaube, jetzt kommen wir in eine Phase, in der die Leute sehen, wie faszinierend ein Elektroauto sein kann und dass ein an der Steckdose aufladbarer Hybrid oder ein Fahrzeug mit Reichweitenverlängerer problemlos lange Strecken bewältigen kann und zudem lokal emissionsfrei fährt.
Halten Sie das Ziel der Bundeskanzlerin, bis 2020 eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen zu haben, für erreichbar?
Wir sollten alles tun, um dies anzustreben. Aber ob wir es nun ein Jahr früher oder später erreichen wichtiger ist, dass wir im Markt für Elektromobilität eine ähnliche Pionier- und Schlüsselrolle spielen, wie wir das bisher beim Verbrennungsmotor tun.
Elektroautos bleiben aber auf absehbare Zeit in der Anschaffung deutlich teurer als Verbrenner.
Wir haben in den letzten drei Jahren die Batteriekosten pro Kilowattstunde deutlich gesenkt, und wir arbeiten mit allen Kräften daran, das weiter zu tun. Fachleute sagen, dass unter 300 Euro pro Kilowattstunde realistisch sind. Der Preisabstand zum Auto mit Verbrennungsmotor sinkt.
Haben die Kunden davon schon etwas?
Heute ist ein Elektroauto zwar noch teurer als ein vergleichbares Modell mit Verbrennungsmotor, aber mit zunehmenden Stückzahlen sinken auch die Kosten. Untersuchungen zeigen, dass sich für viele Autofahrer Elektromobilität schon in kurzer Zeit rechnen wird. Das sind vor allem Pendler aus den Speckgürteln mittelgroßer und größerer Städte und gewerbliche Nutzer wie Kurier- oder Pflegedienste, die geregelte Strecken fahren und eine mittlere jährliche Fahrleistung verbuchen.
Bildtext:
Matthias Wissmann, Präsident des VDA.
Foto:
dpa
Autor:
Christian Schaudwet


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